Unbequemlichkeit gefallen lassen werde, um Hilfe zu schaffen und die Reiter nicht dem auf's Neue drohenden Schneewetter auszusetzen, und wenige Worte, aber derbe Püffe des Jägers Bogislaw brachten den Wirt und seine Söhne alsbald dazu, Hand anzulegen und den Soldaten in den Küchenraum zu tragen, wo er auf einem von Stroh bereiteten Lager niedergelegt wurde.
Nachdem er die Pferde sicher untergebracht gesehen und den Schnee vom Mantel geschüttelt, folgte der Offizier gleichfalls und begrüsste höflich und erstaunt die junge Dame, die sich bereits mit dem Leidenden zu schaffen gemacht und ihn mit einer frischen Tasse Tee erquickt hatte. Auf die Einladung des Grafen nahm der Offizier am Feuer Platz und es entspann sich alsbald in französischer Sprache eine Unterhaltung, in welcher sich ergab, dass der Neuangekommene, zur Garnison des Städtchens Olewsk gehörend, gleichfalls auf dem Wege zu dem Schloss des Fürsten Lubienski begriffen war, um auf die Einladung des reichen Grundbesitzers mit einigen bereits vorausgegangenen Kameraden die Festtage dort zuzubringen. Der Dienst hatte ihn verhindert, eher als am späten Nachmittag aufzubrechen, das Schneewetter ihn gleichfalls im wald betroffen, und ein Sturz über eine Baumwurzel seinen Burschen so unglücklich vom Pferde geworfen, dass derselbe den Fuss gebrochen hatte und der Offizier gezwungen war, nachdem er ihn mühsam wieder in den Sattel gebracht, ihn langsam weiter zu geleiten, bis er in die Nähe des ihm vom Ansehen bekannten Kruges gekommen war.
Mit Verwunderung hörte zugleich der Graf, dass dieser gar nicht weit ab von der Strasse zum Schloss des Fürsten und deren Vereinigung mit dem Wege von Olewsk gelegen sei und dass sie morgen in Zeit von einer starken Stunde an ihr Ziel gelangen könnten. Die Wirtsleute des Krugs hatten sie daher absichtlich getäuscht.
Obschon der fremde Offizier seinen Namen nicht genannt hatte, zeigte ihn doch das ganze Gespräch als Mann von Bildung und Erziehung und eine zufällige Bemerkung ergab, dass er erst seit etwa drei Monaten hier in Garnison stand. Ein Zug von Ernst, ja Schwermut, der über das ganze Wesen des jungen Mannes ausgegossen war, erhöhte das Interesse, das seine männliche Schönheit erregte. Nur die Begeisterung, mit der er des Kaisers erwähnte, machte die Polen misstrauisch und zurückhaltend.
Nach einer längeren Unterhaltung musste man endlich an die Ruhe für die Nacht denken, da die junge Dame offenbar sehr erschöpft war. Der Wirt schlug vor, dass der junge Offizier den Verschlag zur Linken der Küche einnehmen sollte; da dieser jedoch von Schmuz aller Art strotzte, erklärte Jener, dass er es vorzöge, in seinen Mantel gehüllt, die Nacht am Heerdfeuer zuzubringen, wobei ihm der Jäger Bogislaw Gesellschaft leisten wollte.
Diese Anordnung schien dem Eigentümer des Hauses wenig zu behagen, und er gab sich mehrfach Mühe, den Fremden die kammer oder den mit Streu und Heu gefüllten Boden anzupreisen, der über den grössten teil des Gebäudes lief. Als er endlich sah, dass sie auf ihrem Willen bestanden, fügte er sich mürrisch und trieb die Weiber in die kammer, während er, wie er sagte, mit seinen Söhnen und dem fremden Holzhauer die Nacht im Pferdestall zubringen wollte.
Es war Etwas in dem Wesen der Familie, was dem aufmerksamen Diener nicht gefiel und sein Misstrauen erregte. Dennoch lag kein Grund vor, dasselbe zu äussern, und nachdem er für sich und den Offizier, so gut es ging, zu beiden Seiten des Heerdes ein Lager bereitet, und alle Andern den Raum verlassen hatten, streckten sich Beide zur Ruhe nieder.
In wenig Minuten war der junge Offizier im festen Schlaf, Bogislaw aber blieb, seine Pfeife rauchend, auf dem Lager wach.
Ein eigentümliches Geräusch hatte seinen Verdacht auf's Neue erregt; ihm war, als hätte er einen Reiter vorsichtig den Hofraum verlassen und draussen, davonjagen hören.
Bald darauf öffnete sich leise die Tür der kammer und die Wirtin des Hauses streckte vorsichtig den Kopf heraus, um nach den Schläfern zu lauschen. Sie schreckte eilig zurück, als sie die glänzenden Augen Bogislaw's auf sich gerichtet sah.
Noch immer hatte sich Nichts ereignet, was genügend gewesen wäre, den Verdacht des Jägers zu rechtfertigen, und dennoch wurde derselbe von Minute zu Minute stärker, bis Bogislaw endlich beschloss, sich auf jeden Fall überzeugung zu verschaffen.
Die Glut des Heerdes warf nur ein mattes Licht über den weiten Raum, und da sein Lager sich im tiefen Schatten des Vorsprunges befand, gelang es ihm leicht, seinen Plan auszuführen. Indem er den weiten Pelz scheinbar zusammengeballt liegen liess, als ruhe ein Körper darunter, wand er sich geschickt daraus hervor und erreichte die Leiter, die an der linken Seitenwand zum offenen Eingang des Bodenraumes führte. Diese stieg er mit katzengleicher Vorsicht hinan, und war gleich darauf im Dunkel des Raumes verschwunden. –
Zur selben Zeit sassen in dem entgegengesetzten Flügel des Gebäudes am Ende des Stalles, der an fünfzig kräftige ukrainer Pferde, ausser denen der Fremden, entielt, der Wirt mit einem seiner Söhne und dem Holzfäller um eine dürftige Lampe in eifrigem Gespräch.
Den zweiten Sohn hätte der blick eines Lauschers vergeblich gesucht. –
"Ich sage Dir, S t e n k o ," sprach der Bauer, "Deine Vorsicht wird Alles verderben. Warum den Segen, den uns die heilige Mutter von Czenstochau in unserer Armut geschickt, erst mit den Anderen teilen? Der Kranke zählt nicht, und mit den Dreien wären wir allein fertig geworden."
"Du redest, wie Du's verstehst, sobaczy synu!"3 entgegnete