lösen, das, an einer Halsarterie verletzt, nur, von der Furcht getrieben, so lange ausgehalten hatte und jetzt zusammengestürzt war und wild um sich schlug.
"Den Vordersten, Herr Graf, den Vordersten!"
Wieder knallte die Büchse und der Leitwolf stürzte zusammen, aber an ihm vorbei jagte die Meute, denn sie wusste, dass in wenigen Minuten ihr die Beute entgangen sein würde. Rechts und links am Schlitten vorüber sprangen zwei grosse Wölfe und einer derselben am Vordersitz empor. Die wie feurige Kugeln glühenden Augen, der weit geöffnete Rachen mit der lechzenden Zunge, aus dem der giftige heisse Atem dampfte, waren schrecklich anzuschauen.
laut auf klang der Schrei des gefährdeten Mädchens, während der Greis mit dem Büchsenlauf die Bestien vom rücken des Schlittens zurückzuhalten suchte.
In diesem Augenblick war es den Beiden gelungen, die Stränge abzuschneiden und im selben Moment, als sie sich von der hemmenden Last befreit fühlten, sprangen die beiden Pferde vorwärts und rissen dabei den noch an ihrem Vorderzeug beschäftigten Postillon zu Boden. Bogislaw hatte kaum Zeit, sich auf die Deichsel zu schwingen und festzuklammern, als der Schlitten zwei schwere Rucke erhielt, wie über hindernde Körper hinschnellend, dass die Insitzenden fast herausgeschleudert wurden, und dann wieder über die Fläche dahin sauste. Zugleich gellte ein wilder Angstund Schmerzensruf, dem alsbald das wütende Geheul der Bestien antwortete.
Die ganze Sache war so gedankenschnell vor sich gegangen, dass erst jetzt der Graf und Bogislaw den Wolf bemerkten, der sich halb erschrocken noch immer an den Schlitten festklammerte, ohne jedoch durch die rasche Fahrt und seine hängende Lage zu einem Angriff kommen zu können. Die Faust des früheren Jägers, noch mit dem langen Messer bewaffnet, fuhr im Nu nach dem Rachen der Bestie und man hörte das Knirschen des Stahls an dem harten Kiefer und den Zähnen; der Wolf liess los und stürzte rücklings in den Schnee.
Die beiden Pferde jagten wie toll dem rasch sich nähernden Lichtschein entgegen. Es dauerte eine Weile, ehe es dem tapferen Diener gelang, mit den Zügeln, die er zum Glück um die linke Hand geschlungen gehabt, ihrer wieder Herr zu werden.
Jetzt erst erholte sich die junge Dame so weit von dem Entsetzen der eben erlebten grausigen Scene, um zu bemerken, dass eine der Personen auf dem Schlitten fehlte. "Um Gotteswillen, Oheim, Bogislaw – der Postillon?"
Die beiden Männer antworteten nicht und Bogislaw peitschte nur wütend auf die Pferde. Das bebende Mädchen brach in einen Tränenstrom aus; das Zurückbleiben der Wölfe, ihr Geheul und Bellen gaben ihr die Ahnung, welchem entsetzlichen Opfer sie die einstweilige Rettung verdankten.
Aber diese sollte vollständig werden; denn von jenem Lichtschein aus, den sie in der Ferne gesehen, und der, wie sie näher kommend schon bemerken konnten, aus einem Gehöft mitten im wald kam, bewegten sich mehrere Feuer über die dunkle Fläche, Kienfackeln, von Menschen getragen, und lautes Geschrei und Rufen verkündete die Nähe von Helfern in der Not.
Einige Augenblicke darauf waren sie in der Mitte einer Gruppe von Männern wilden Aussehens, die mit brennenden Kiensplittern, Stangen und Aexten bewaffnet, herbeikamen, Bewohner des düsteren Waldes, die auf das wiederholte Schiessen sich von dem wärmenden Heerd in der elenden Waldherberge losgemacht hatten, an deren Hoftor jetzt der Schlitten hielt.
Wenige Worte genügten, um das schreckliche Ereigniss zu melden; das entfernte Heulen der Bestien, die sich ausser dem Lichtkreise der fackeln hielten, verkündete ihre Wut, dass ihnen der grösste teil ihrer Beute entgangen war.
Es war offenbar ganz nutzlos, Menschenleben zu gefährden in einem Versuch, ob der arme Postillon noch zu retten sei. Ehe der Schlitten noch den dritten teil des Weges von der verhängnissvollen Stelle bis zum schützenden haus zurückgelegt hatte, musste jedes Glied von ihm in tausend Stücke zerrissen sein.
Dennoch, als der Graf mit seines Dieners Hilfe kaum die noch immer zitternde Dame in den grossen Raum getragen, welcher die Flur und Küche des ärmlichen Gebäudes bildete, und sie am Heerde niedergelassen hatte, wandte er sich auf ihre Bitte sogleich an die Leute, die mit stumpfer Neugier umherstanden, nahm eine Hand voll Silber aus seiner Börse und bot es ihnen mit der Aufforderung, sich mit fackeln und Waffen aufzumachen, um wenigstens die Reste des Verunglückten zu suchen.
Als die Männer das Silber sahen, welches der Graf mit so unvorsichtiger Freigebigkeit ausstreute, waren sie alsbald zu dem Gange bereit und machten sich, drei an der Zahl, mit frischen Kienspähnen und ihren Aexten auf den Weg. Nur der Wirt des Hauses, eine grobe vierschrötige Gestalt mit all' dem finster tückischen Ansehen der niedersten Slavenraçe, blieb im haus bei den unerwarteten Gästen.
Erst jetzt kamen diese dazu, sich in dem raum umzusehen, der ihnen zu einer Zufluchtsstätte diente.
Die Hütte, ein mit Sumpfbinsen gedecktes einstökkiges Gebäude von Lehm und Holz, bot das traurigste Bild von Dürftigkeit, Unordnung und Schmutz, wie man es in den polnischen Provinzen so häufig findet. Sie war ausnehmend lang, der grösste teil für Pferde, Rinder- und Schweineheerden eingerichtet, welche die Hirten der Gegend hierhin zur Sicherung gegen die Kälte und Raubtiere trieben. Für diese und die Holzschläger, welche die riesigen Buchen und Eichen des Waldes fällten, ein wüstes wildes Geschlecht von Leibeigenen, war ein teil des Hauses zum Krug1 eingerichtet. Ein halbverfallener Bretterzaun umgab das Hauptgebäude und ein oder zwei ähnliche für die Aufbewahrung der Futtervorräte. Der Raum, welcher die Küche bildete, nahm den