?" fragte die junge Dame. "Sollten wir uns vielleicht verirrt haben?"
"Nein, mein Kind," beruhigte der Graf. "Es ist kein Grund zur Besorgniss vorhanden, der Weg führt geradeaus durch die Lichtung und ist kaum zu verfehlen."
Ein furchtbarer Windstoss, der die riesigen Stämme zu entwurzeln schien, strafte seine Beteuerung der Sicherheit Lügen. Er schien das Signal zu sein zum Beginn des Unwetters, denn alsbald entluden sich die Wolken in einem dichten Schneegestöber und binnen wenigen Minuten waren die Reisenden und ihr Fuhrwerk in einen dichten weissen Mantel eingehüllt. Die Flocken fielen so dicht, dass man rechts und links die dunkle Baumwand nicht zu sehen vermochte. Man musste den Lauf der Pferde ihrem Instinct überlassen.
Das tolle Wetter dauerte ungefähr eine halbe Stunde, von einzelnen heftigen Windstössen unterbrochen, dann begann es nachzulassen und sich aufzuklären – es verzog sich so rasch, wie es gekommen war. Trotz aller Anstrengungen der Pferde hatten die Reisenden während des Wetters doch nur geringe Fortschritte gemacht und das Schlimmste von Allem war, dass nach kurzer Zeit der Postillon erklärte, er sei nicht mehr ganz sicher, ob sie auch noch auf dem rechten Wege wären, da das Schneegestöber jede Spur eines solchen tief bedeckt hatte.
Vor ihnen breitete sich im Mondenschein, der wieder klar und hell vom Himmel strahlte, noch immer eine Lichtung aus, doch war es fraglich, ob es die rechte sei.
Dem Zweifel und der Beratung wurde ein kurzes Ende gemacht, – ein entfernter, klagender, heulender Ton liess sich hören, bei dessen erstem laut die ermüdeten Pferde die Ohren spitzten und ohne Antrieb von Zügel und Peitsche sofort sich wieder in Galopp setzten.
"Haben Sie gehört, Oheim?" fragte die Dame. "Wir sind den Wohnungen nahe, das war das Heulen eines Hundes."
Der Graf antwortete nicht, aber er nahm unter der Decke des Schlittens zwei dort gesicherte Jagdgewehre hervor und reichte das eine dem Diener.
"Ehe zehn Minuten vergehen, werden wir die Bestien auf dem Halse haben," sagte dieser, diesmal auf Polnisch.
"Um Gott, Oheim, was gibt es?"
"Nichts von Bedeutung, Wanda; einige Wölfe, die vielleicht auf unsere Spur kommen. Wir werden sie mit blutigen Köpfen zurückschicken."
Die Dame war eine Polin, und obschon in Warschau erzogen, kannte sie doch durch Erzählungen hinreichend die Gefahren der Wälder ihres Vaterlandes.
"Wir sind verloren, Onkel, wenn uns die Wölfe in dieser Wildniss erreichen!"
Gleich als sollte ihre Furcht bestätigt werden, erscholl dicht zur Seite des Schlittens, der am Waldrande dahinflog, ein durchdringendes Geheul und ein dunkler Körper schoss plötzlich aus dem Schatten der Bäume über die helle Fläche des Schnees und sprang dem linken Handpferde an die Kehle. Im nächsten Augenblick erfolgte ein Knall und der Wolf stürzte tot zurück: Bogislaw war beim Anblick der Gefahr vom Schlitten gesprungen und hatte dem Wolf den Kopf zerschmettert. "Vorwärts! vorwärts!" rief er, indem er sich schnell wie der Gedanke auf seinen Sitz zurückschwang, und die Pferde, die scheuend vor dem unerwarteten Angriff kaum einen Augenblick angehalten hatten, jagten auf's Neue davon.
Ein lautes Geheul erklang jetzt hinter ihnen drein, und als der Graf sich umwandte, sah er in der Entfernung von einigen Hundert Schritten eine dunkle bewegliche Masse sich auf der Schneefläche hinter ihnen her wälzen. Feurige hüpfende Punkte glühten gleich Johanniskäfern aus dem dunklen Knäuel.
"Lade schnell das Gewehr, Bogislaw, indess ich sie in Respekt halte," befahl der Graf. "Ich habe so manches Mal in längst vergangenen zeiten meine Flinte auf die Bestien im Bialowizer wald abgefeuert, dass ich wohl auch heute noch mein Ziel halten werde."
Die Gräfin Wanda barg ihr Gesicht in dem Pelzcapuchon, das ihren Kopf bedeckte, um die Gefahr nicht zu sehen. Wenige Augenblicke darauf knallte neben ihrem Ohr die Büchse des Oheims und ein Schmerzensgeheul aus dem Rudel, das sich auf etwa hundert Schritt schon dem Schlitten genähert hatte, verkündete ihr, dass ein Verfolger weniger war.
"Sie werden einige Minuten anhalten, um ihren gefährten zu verzehren," sagte der Diener. "Ich kenne das Geschmeiss und habe oft mit ihm zu tun gehabt, als ich noch Büchsenspanner und Jäger beim seligen Grafen war!"
Die Voraussage bestätigte sich; nach kurzer Zeit waren die Wölfe wieder auf der Fährte des Schlittens und jagten kaum fünfzig Ellen entfernt hinter ihm d'rein.
Noch zwei Mal schoss der Graf mit gleichem Erfolg das Gewehr ab, das der Jäger ihm reichte, aber der Fall der getroffenen Wölfe vermochte jetzt nur wenig Augenblicke die Verfolger aufzuhalten und zurückzuscheuchen.
Während die Männer die Blicke und ihre Aufmerksamkeit nach jenen gewandt hielten, schrie plötzlich die junge Gräfin laut auf: "Jesus Maria, ich sehe Licht!"
Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr der Rettungsstrahl, die Gefährdeten.
"Es ist das Schloss oder ein Gehöft, in einer Viertelstunde sind wir dort. Hölle und Teufel, was ist das?"
Der Diener Bogislaw, der es rief, beugte sich vorwärts.
"Die Bestie hat das Pferd dennoch verletzt – es stürzt – herunter, Postillon! rasch, rasch! schneide die Stränge los, ehe sie uns einholen, es gilt Tod und Leben!"
Er hatte den Zitternden fast mit Gewalt hinabgestossen und ihm das Messer in die Hand gedrückt, während er selbst bemüht war, die Zugstränge des Handpferdes zu