Brand zu stecken.
Mit gleichem Befehl bemächtigten sich die Boote der Fregatte Kagul der Sloop und der Corvette. Die mit dem Auftrag betrauten Offiziere fanden auf der Sloop den Kommandanten der türkischen Escadre, den Bahrielivaki (Vice-Admiral) Osman Pascha, den kapitän der Fregatte "Raphael", den Commandeur der Sloop und 80 Matrosen. Osman Pascha war bald nach der Eröffnung des Feuers am rechten Bein verwundet worden, indem eine Kugel den Knochen zerschmetterte. Das Admiralschiff war das zweite, das von den Bomben der Russen in Brand geschossen worden, und die zügellose Mannschaft hatte sich alsbald in die Böte geworfen, indem sie ihren Admiral obenein ausplünderte, ihn seiner Uhr und seiner Kleidung beraubten und ihn hilflos und entblösst auf dem Deck liegen liess. Ein Boot der Sloop, das der brennenden Fregatte zu Hilfe eilte, hatte ihn aufgenommen.
Die türkischen Offiziere wurden auf das Dampfschiff Odessa, die gefangenen Mannschaften auf das Schiff Tschesme gebracht. Am Abend des 1. Decembers fand sich auf der Rhede von Sinope kein türkisches Fahrzeug mehr auf dem wasser.
Die Beschädigungen der russischen Schiffe beschränkten sich grösstenteils auf die Masten und die Takelage; am meisten hatten in ihrer Armirung die Schiffe "Kaiserin Maria", "Tri-Sswjatitelja", "Grossfürst Constantin" und "Rostisslaw" gelitten. Die Mannschaften gingen trotz der Ermüdung des Kampfes eilig an die Ausbesserung.
Am 2. December lichtete die Escadre des Vice-Admirals Nachimow Anker und verliess die Rhede von Sinope, indem die beschädigten Fahrzeuge von den Dampfern bugsirt wurden.
Schon am 4. langten die drei am schwersten beschädigten Schiffe auf der Rhede von Sebastopol an.
Der Taïf brachte die Kunde von der Vernichtung des türkischen Geschwaders nach Constantinopel und der Schrecken und die Verwirrung über die unerwartete Botschaft waren um so grösser, als Niemand an die Möglichkeit eines solchen Schlages geglaubt hatte. Von den zehn Fregatten und sechs Corvetten der türkischen Flotte waren sechs und zwei vernichtet, und die Moslems begannen zum ersten Male bedenklich zu werden über den vielgepriesenen Schutz der Westmächte.
Im Räume des Taïf langte in Fesseln Gregor Caraiskakis, der einzige Gefangene, wieder in Constantinopel an.
Fussnoten
1 Dieselbe operirte getrennt von der Armee am Kaukasus, die unter Befehl des General-Adjutanten Fürsten Woronzow stand. 2 Alexandropol. 3 Hundssohn.
Das Blut Schamyl's.
Es war ein trüber December-Abend, das Sternengewölbe durch düstere Schneewolken verhüllt, die der Wind am hin und wieder mit mattem Glanz durchbrechenden Mond vorüberpeitschte, – als durch eine lange strassenähnliche Lichtung am Saume eines der ungeheuren Urwälder, welche noch grosse Flächen der Ukraine und Volhyniens bedecken und die Sümpfe von Rokitno und Mozyr genannt werden, ein auf polnische Art bespannter dreispänniger Schlitten über die Schneedecke flog. Eine dürftige Spur zeigte allein an, dass die Reisenden noch auf einem gangbaren Wege sich befanden, obschon dieser wenig genug benutzt werden mochte und meilenweit den Fahrenden kein lebendes Wesen begegnet war.
Im Schlitten sassen zwei Personen, ein alter Mann von straffer militairischer Haltung mit noch jugendlich feurigem blick trotz des weissen Haars, das unter der dicken Pelzmütze hervorquoll, neben einem jungen Mädchen von liebreizendem Antlitz, so weit aus den Krägen, Tüchern und Hüllen, mit denen sie sich gegen die Kälte geschützt hatte, dieses zu schauen war. Das Gespräch zwischen Beiden war langst verstummt, teils wegen der Unfreundlichkeit der Witterung, teils weil sie schon lange mit einander gefahren und kein Gegenstand zur Unterhaltung nahe lag.
Auf dem Vordersitz des Schlittens neben dem Postillon sass ein Diener, ein Mann von mittleren Jahren und kühnem verständigem Aussehen in der polnischen Tracht, die weisse barankenbesetzte Mütze über die Ohren gezogen.
"Das Wetter will mir wenig gefallen, Herr Graf," sagte, sich umwendend, der Diener; "ehe eine Viertelstunde vergeht, werden wir volles Schneetreiben sehen, und dieser Wald scheint kein Ende zu nehmen."
"Hast Du den Postillon gefragt, wie weit wir noch bis zum Schloss des Fürsten haben?"
"Volle drei Stunden. Wir werden vor elf Uhr in keinem Fall ankommen, wenn – wir überhaupt ankommen."
"Wie meinst Du das, Bogislaw?"
Der Diener schwieg einige Augenblicke, dann sagte er auf Deutsch:
"Die Schneefälle sind gefährlich in diesen Wäldern, Herr Graf, auch wäre es leicht, dass wir auf Wölfe stossen könnten. Die ganze vorige Woche war harter Frost und das bringt die Bestien von den Karpaten herauf und aus den Sümpfen her."
Graf L u b o m i r s k i , – der Reisende im Schlitten war der alte Offizier, dem wir in der ersten Scene unseres buches und dessen Namen wir zuletzt in Petersburg begegnet sind, – beugte sich besorgt vorwärts.
"Ich habe selbst schon bedauert," sagte er in der gleichen Sprache, von der er wusste, dass sie der jungen Dame an seiner Seite nicht geläufig war, "nicht in Owrucz geblieben zu sein. Doch hatte ich dem Fürsten zu heute meine Ankunft angezeigt, um morgen mit ihm das heilige Christfest zu begehen. Es bleibt uns Nichts übrig, als so rasch wie möglich vorwärts zu kommen. Frage den Postillon, ob es denn keinen Halteplatz gibt bis zum Schloss des Fürsten?"
Nach einer kurzen Unterredung berichtete Bogislaw, dass zwar ein Gehöft, ein Krug für die Holzfäller, eine Meile weiter seitab im wald liege, doch sei es besser nach der Meinung des Postillons, den geraden Weg zu verfolgen.
"Was fürchten Sie, Oheim