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des Vice-Admirals aufgenommen worden war, um seinem Gegner nach Sinope zu folgen, – behielt seinen Platz.

Während der Taïf in grader Linie seinen Lauf fortsetzte, schoss die Odessa in einem spitzen Winkel gegen ihn heran. In der Entfernung von etwa einer halben Seemeile eilten die beiden andern Dampfschiffe herbei.

Es war die Absicht des Admirals, das Bogspriet des kleinen Dampfers womöglich in den Radkasten der türkischen Fregatte aufzurennen, die Enterhaken zu werfen und die Türken so im Kampf festzuhalten, bis die beiden andern Dampfer herankommen konnten.

Auf dem türkischen Schiff war diese Absicht offenbar erkannt, denn auch dort füllten sich die Radkästen und alle höheren Stellen mit Männern.

Die Odessa schoss wie ein schnaubendes Kampfross heran und ihr Vorderteil berührte beinahe die Flanke des Taïf, als dieser im selben Augenblick wendete, so dass der Vorderteil des russischen Schiffes an den Radkästen vorüberschoss und nur das hohe Hinterkastell der Fregatte traf. Die Enterhaken wurden zwar geworfen, fanden hier aber wenig Halt, und ein kurzer Kampf entspann sich auf den Decks, während der Dampfer von dem Aufstoss sich langsam herumschwenkte und seitlängs der Fregatte legte.

Einige der russischen Matrosen versuchten an der höheren Brüstung des türkischen Schiffes empor zu klettern, wurden aber zurückgeworfen oder in's wasser gestürzt. Unter denen, welche vergeblich sich damit abmühten, befand sich auch Caraiskakis. Er hatte mit der Linken sich an eine der herabhängenden Bootketten festgeklammert und war im Begriff, sich über den feindlichen Bord zu schwingen, als ein donnerndes Krachen verkündete, dass die Odessa die vier kleinen Kanonen gelöst, die ihre Breitseite bildeten. Die Schwere der Geschütze war zu gering, um selbst in dieser Nähe eine gefährliche wirkung auf die Fregatte auszuüben, der Rückstoss der Salve bewirkte jedoch, dass die Schiffe von einander prallten und einige Ketten der geworfenen Enterhaken sprangen, während andere von dem türkischen Schiffsvolk gelöst wurden. Zugleich schoss die Fregatte mit aller Kraft der Maschinen vorwärts und war im nächsten Augenblick schon mehrere Schritte an der Odessa vorbei.

Ein wilder Ruf des Schreckens ertönte von den Lippen Derer, die noch an dem türkischen Schiff hingen und vergeblich jetzt wieder an den eigenen Bord zu gelangen suchten. Einige liessen sofort los und vertrauten sich den Wellen an, Andere wurden von den Türken heruntergestossen.

Caraiskakis, der zu spät die Schanze des russischen Schiffes unter seinen Füssen weichen fühlte, wurde, ehe er noch einen Entschluss fassen konnte, hart von einem Türken bedroht, gegen den er sich, so gut er es in dieser Lage vermochte, mit dem Säbel verteidigte.

Schon wollte er den schwankenden Halt aufgeben und sich gleichfalls in's Meer werfen, als er sich von hinten am Kragen ergriffen und von einer kräftigen Faust emporgehoben und über Bord geschwungen fühlte. Im nächsten Augenblick, als er sich emporraffte, starrte er seinem Besieger in's Antlitz, der ruhig die Moslems von dem Gefangenen zurückwehrte, – es war Sir Maubridge. –

Die Odessa verlor mehrere Minuten mit dem Auflesen ihrer Leute und dem Wenden. Als sie die Verfolgung des Taïf wieder aufnahm, war dieser bereits eine ziemliche Strecke entfernt, und obschon die Maschine auf's Höchste angespannt wurde, zeigte es sich doch bald, dass der Lauf der Fregatte zu überlegen war, um ein Einholen möglich zu machen. Sobald dieselbe daher ausser Schussweite gekommen, befahl der Admiral, die Jagd einzustellen, und die drei Dampfer wandten sich eilig nach der Richtung von Sinope, um dort ihren teil am Kampfe zu nehmen.

Aber sie kamen hier zu spät.

Auf der Rhede von Sinope war die Schlacht beendet. Die eintreffenden Dampfer Krim und Chersones erhielten sofort die Ordre, die russischen Schiffe aus der Schussweite der noch kampffähigen Uferbatterieen zu bugsiren für den Fall, dass es dem Feinde einfallen sollte, in der Nacht sein Feuer zu erneuern. Die Odessa aber wurde beordert, die türkische Fregatte "Damiette", welche am wenigsten von den Kugeln gelitten hatte, in Besitz zu nehmen und vom Ufer fortzuführen.

Dies geschah ohne Widerstand. Man fand auf der Fregatte kaum noch 100 Mann der Besatzung und etwa 50 Verwundete. Der Commandeur und die Offiziere hatten das Schiff schon im Anfange der Schlacht verlassen, indem sie sich mit sämtlichen Ruderbooten in schimpflicher Flucht an's Ufer retteten.

Mehrere der türkischen Schiffe standen noch in vollen Flammen und gewährten in dem einsinkenden Dunkel des Abends ein furchtbar schönes Schauspiel, indem sie aus den glühend gewordenen Geschützen ihre Kugeln weit hinaus über die Rhede versendeten. Als das Feuer die Pulverkammern erreichte, flogen sie endlich in die Luft und die brennenden Trümmer verbreiteten sich über die am Ufer entlang liegende Türkenstadt, so dass diese auf's Neue in Brand geriet. Gegen Mitternacht stand der ganze, von einer steinernen Mauer umgebene Raum in Flammen; die Griechenstadt blieb jedoch von dem Feuer verschont.

Am 1. December bei Tagesanbruch waren von den 12 Fahrzeugen, aus denen die türkische Escadre bestanden hatte, auf der Rhede nur noch die Fregatte Damiette im Schlepptau der Odessa, die Sloop und die zweite Corvette ganz zerschossen auf dem Strande am Südufer der Bucht zu erblicken. Nach aufmerksamer Besichtigung erwies es sich, dass die "Damiette" 17 Kugeln unter der Wasserlinie erhalten hatte; der ganze Rumpf unter dem wasser, die Masten und die Takelage waren in dem Grade beschädigt, dass ohne bedeutende Reparaturen, die viel Zeit gekostet hätten, es unmöglich gewesen wäre, sie bis Sebastopol zu bringen. Es wurde demnach befohlen, sie an's Ufer zu werfen und gleichfalls in