."
"Auf der Barkasse den Wurfanker! herunter mit dem Kabeltau!"
Unter dem heftigsten Feuer wurde das Schiff wieder festgelegt. Der "Tri Sswjatitelja" war in gleicher Verlegenheit gewesen.
Eine Stunde hatte das Feuer in voller Heftigkeit gedauert, als es auf türkischer Seite zu ermatten begann. Die Boote der Schiffe, die noch See halten konnten, bedeckten, mit Flüchtenden gefüllt, den Raum nach dem Ufer. Hunderte warfen sich in's wasser, um schwimmend ihre Rettung zu versuchen.
Um 2 Uhr hörte das Feuer von den türkischen Fahrzeugen fast ganz auf; drei Fregatten, darunter die des türkischen Admirals, standen in Flammen, und von den zwei durch die Kugeln durchbohrten und gesunkenen Transportschiffen waren nur die Masten sichtbar. Eine der Corvetten war gleichfalls von den herbeigekommenen Fregatten "Kagul" und "Kulewtschi" in Grund gebohrt, die andere Corvette und die Sloop kampfunfähig. Die drei Schiffe hatten dem "Rosstisslaw" arg zugesetzt.
Um 21/2 Uhr gab Admiral Nachimow das Signal, das Feuer einzustellen. Zugleich wurde Lieutenant Birjulew mit der Parlamentairflagge nach der Stadt gesandt, um den türkischen Behörden anzuzeigen, dass, wenn noch ein Schuss von den Batterieen oder vom Ufer aus fallen sollte, der Admiral von Grund aus die Stadt zerstören und abbrennen werde.
Der Offizier verweilte fast eine Stunde unbehindert am Ufer, ohne eine obrigkeitliche person auffinden zu können. Ein panischer Schrecken hatte sich der Moslems bemächtigt und die türkische Bevölkerung sich sämtlich in die nächsten Dörfer geflüchtet. –
Während die Schlacht im Hafen von Sinope wütete, hatte sich auf der See jenseits der einbuchtenden Landzunge eine andere Kampfscene ereignet.
Am 29., sobald der General-Adjutant, Vice-Admiral K o r n i l o f f , den die "Bessarabia" aufgesucht hatte, mit seinem Dampfgeschwader, bestehend aus den Dampfschiffen "Odessa", "Krimm" und "Chersones", in Ssewastopol eingetroffen und die Schiffe zum Auslaufen wieder bereit waren, ging er zur Escadre Nachimow's ab. Admiral Korniloff befand sich auf der "Odessa". Am 30., bald nach 12 Uhr, bemerkte man auf dem Dampfer, der sich bereits der anatolischen Küste genähert hatte, über die Landzunge von Sinope hinweg, dass die Schlacht begonnen, und die Dampfschiffe beschleunigten alsbald ihren Lauf so sehr als möglich, um die Rhede zu erreichen. Als sie am Vorgebirge von Sinope vorübergingen, wurde ihnen die türkische Dampffregatte Taïf, von 20 Kanonen, sichtbar, die, auf dem linken Flügel der türkischen Stellung postirt, weniger gelitten und bereits vor Beginn des Kampfes geheizt hatte und jetzt bemüht war, durch die Flucht der allgemeinen Vernichtung zu entgehen.
Der Vice-Admiral Korniloff befahl alsbald, seine Flagge aufzuziehen und dem türkischen Dampfschiffe, das nach der hohen See steuerte, den Cours abzuschneiden. Der "Taïf", obschon er fast drei Mal stärker war, als die Odessa, änderte jedoch, sobald er das russische Manövre gewahr wurde, seine frühere Richtung und lief längs dem Ufer hin. Als das Dampfschiff Odessa sich bis auf Kanonenschussweite genähert, eröffnete es das Feuer aus dem langen Neunpfünder auf seinem Vorderteil.
"Bei Gott," sagte der Admiral, "die Schurken werden den Kampf nicht annehmen, sondern verlassen sich auf ihre stärkere Maschine. Wir müssen zu dem letzten Mittel greifen, sie zum Fechten zu zwingen. Lassen Sie die Enterhaken bereit machen, kapitän Stanisslaw, und die nötige Mannschaft an die Schanzverkleidungen treten. Wir wollen versuchen, ihn im Vorbeikommen anzulaufen, die Enterhaken an seinen Bord zu werfen und ihm dabei eine Salve zu geben."
In wenigen Augenblicken waren die Vorbereitungen getroffen und die Schiffe näherten sich rasch einander, denn der kapitän des Taïf sah ein, dass er dem russischen Dampfer nicht ausweichen könne, ohne auf die Klippen des Ufers zu geraten. Die Besorgniss einer Enterung oder eines Zusammenstosses war dagegen eine weit geringere, da, wie erwähnt, das türkische Schiff noch ein Mal so gross war wie die Odessa, und nur in dem Kampfe mit allen drei Dampfern Gefahr lag, der beim Gelingen einer Enterung unvermeidlich gewesen wäre.
Die Mannschaften beider Schiffe standen auf den Decks, die Türken mit Rudern und Stangen bewaffnet, um das feindliche Schiff abzuhalten. Auf den Radkästen und an den Seiten der Odessa waren die Enterer postirt, kapitän Stanisslaw auf der brücke über der Maschine, um die Kommando's für die Bewegungen zu geben.
"Was tun Sie hier, mein Herr?" sagte einer der Offiziere zu einem mann in einem der grauen russischen Militair-Capots und darunter in Civilkleidung, der, das Glas am Auge, einen Säbel in der Faust, am Bogspriet des Dampfers auf einer der gefährdetsten Stellen sich hielt. "Sie gehören nicht zur Equipage und setzen sich hier unnütz der Gefahr aus."
Der Angeredete verwandte kein Auge von dem heranbrausenden Gegner.
"Bitte, lassen Sie mich hier," sagte er dringend, "ich habe von dem Admiral die erlaubnis erhalten, den Kampf mitzufechten, und bin begierig, Ihnen zu zeigen, dass mein Volk die Gefahren seiner Beschützer zu teilen wünscht."
Es war keine Zeit zu langem Streit, denn die Schiffe waren etwa nur noch 20–30 Faden weit aus einander, und Gregor Caraiskakis, – denn er war es, der an der Brustwehr stand, und welcher, nach dem er in Sebastopol verschiedene Verfügungen über das Kind seiner Schwester getroffen hatte, auf seine ausdrückliche Bitte auf dem Schiff