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geworfen, so begannen die türkischen Batterieen und Fregatten ihr Feuer.

Admiral Nachimow hatte mit seinen Offizieren auf der Schanze der "Maria" seinen Platz genommen und beobachtete mit dem Fernrohr die beginnende Schlacht. Die Kugeln der Batterieen, namentlich die des Forts von Sinope, taten dem Masten- und Spierenwerk des Schiffes grossen Schaden, und auch auf dem "Constantin" bemerkte man deutlich denselben Uebelstand.

"Lassen Sie die Geschütze der obern Batterie zu

nächst gegen das Kastell richten, kapitän B u d i s c h t s c h e w ," befahl der Admiral, "wir müssen dasselbe zum Schweigen bringen, sonst behalten wir keine Stenge an Bord. Mit den Fregatten wollen wir alsdann schon fertig werden." –

Lieutenant R o ss t i ss l a w führte den Befehl auf

dem ersten Deck. An seinen Geschützen arbeiteten die später durch ihren Heldentod so berühmt gewordenen Matrosen B o l o t n i k o w , S c h e w t s c h e n k o und K o s c h k a mit ihren Kameraden, alle bis zum Gürtel entblösst, auf den ersten Wink zum Beginn des Feuers harrend.

Der kapitän ging selbst durch die Batterieen und

ordnete die Richtung der Geschütze, während die türkischen Kugeln durch das Takelwerk pfiffen und hin und wieder in die Wände des Schiffes prasselten. Nachdem Alles geordnet war, erfolgte der Befehl zur Eröffnung des Feuers, und von diesem Augenblick an spie die "Maria" ohne Unterbrechung ihre Breitseiten gegen das Ufer.

"Sehen Sie den 'Constantin' an, Excellenz," be

merkte Budischtew, "wie er mit der Batterie dort umspringt; wahrhaftig, kapitän Rakowskoi rasirt sie, ehe die Türken drei Mal zum Laden kommen."

In der Tat war fünf Minuten nachher die Batterie völlig demontirt und das Linienschiff konnte unbehindert seine Bombenkanonen des untern Decks gegen die gegenüberstehende Fregatte wenden.

"Das Feuer auf dem linken Flügel scheint heftig," sagte der Admiral; "der Rosstisslaw scheint von den kleinen Schiffen, die sich an ihn gehangen, und den Batterieen zu leiden. geben Sie dem 'Kagul' das Signal, sich anzuschliessen."

"Die Bomben der 'Paris' haben die Stadt in Brand geschossen, ich sehe eine Feuersäule aufsteigen," meldete der Lieutenant B i r j u l e w .

"In welchem teil?"

"Nach den Minarets ist es das türkische Viertel."

"Ha! – was ist das? Tscherti tjebie by wsiali! da geht sie wahrhaftig in die Höh'!"

Ein donnerndes Geprassel überdröhnte das Brüllen der Kanonen, – die Fregatte, welche dem "Constantin" gegenüber gestanden, flog in die Luft, ihre Trümmer fielen weit ringsum und entzündeten die Flamme an einer zweiten Stelle der Türkenstadt.

Lustig arbeiteten die Kanonen auf den drei Decks der "Maria", dichter Pulverdampf hüllte sie in fast undurchdringlichen Nebel, dass kaum die Mannschaften der Geschütze neben einander sich sehen konnten. Nur der ermunternde Zuruf der Offiziere, das Aechzen der Verwundeten unterbrach die stille Arbeit an den Kanonen.

Da prasselte es durch das obere Deck und eine Bombe schlug mitten zwischen die Batterie. "Nieder! zu Boden!"

Der Ruf des Lieutenants wurde nur von Wenigen vernommen, die, gewohnt an blinden augenblicklichen Gehorsam, sich auf das Deck warfen. Einer der Matrosen des nächsten Geschützes aber war, mit dem rücken gegen den Offizier gekehrt, eben mit der Visirung seiner Kanone beschäftigt und hörte den Befehl, oder achtete der Gefahr nicht.

Lieutenant Rosstisslaw, im Begriff, sich niederzuwerfen, bemerkte den Mann. Im selben Augenblick auch erfasste er ihn bei den Beinen und riss ihn schwer zu Boden, dass der Matrose hart mit dem Schädel gegen das Geschützrad schlug und sein Gesicht sich mit Blut bedeckte. Im nächsten Moment platzte die Bombe und ihre Tod und Verderben bringenden Splitter sprühten umher.

Zehn verstümmelte Leichen deckten den Boden, als der Offizier wieder in die Höhe sprang, schweres Aechzen belehrte ihn, dass noch Mehrere verwundet worden.

"Der Teufel hole die Kugel, sie kostet uns ein Dutzend der besten Leute! Was, auch mein braver Schwetschenko? – Warum hörtest Du nicht auf meinen Befehl, Sukiensyn3!"

"Hollah, Euer Gnaden," sagte der Matrose, den der Lieutenant eben bedauerte und welcher derselbe war, den er zu Boden gerissen, "die Bombe hat mir Nichts getan, Euer Gnaden haben mich nur etwas unsanft angepackt. Aber jetzt weiss ich warum, und schorte wos mi, wenn ich's Euer Gnaden vergesse!"

Ein Adjutant des Admirals sprang die Leiter herunter.

"Vielen Verlust, Rosstisslaw, von der Bombe?"

"Zehn tot, sechs verwundet!"

"Teufel, das wird den Alten ärgern! An's Werk, Jungens, und richten Sie die Geschütze jetzt gegen das Admiralschiff. Wir müssen die Flagge haben!"

Die Kanonen donnerten, die Männer arbeiteten, von Blut, Dampf, Staub und Schweiss bedeckt, wie die Teufel ausschauend, wie die Teufel tätig in diesem Meer von Donner und Flammen.

Eine neue Explosion erfolgte: die türkische Fregatte, welche der "Paris" gegenüberlag, ging in die Luft. Die See weit umher war von Trümmern, Leichen und Schwimmenden bedeckt.

"Die Wurf-Ankertaue sind durchschossen," liess der im Vorderkastell kommandirende Offizier der "Maria" dem kapitän melden. "Das Schiff fällt ab