gesteckt haben. Doch wie steht es mit dem Passagier, Excellenz, den Sie mir mitgeben wollten? Die Zeit drängt."
"Haben Sie den Engländer hier, Rogula?"
Der zweite Hafen-Kommandant, an den die Frage gerichtet war, sah nach der Gruppe an der Tür. "Der Gefangene soll vortreten."
Maubridge trat mit finsterm blick bis zu dem Tisch und stützte die Hand darauf.
"Wer von den Herren," fragte er, ohne die Anrede abzuwarten, "ist Fürst Mentschikoff? ich wünsche ihn zu sprechen."
Der greise Offizier winkte.
"Der Fürst ist abwesend. Ich bin Admiral Berg, der Oberkommandant der Festung, und Sie werden sich mit mir begnügen müssen."
"Dann lege ich Protest bei Ihnen ein im Namen der britischen Nation, wegen der unwürdigen Behandlung und rechtswidrigen Haft, die mir hier geworden ist. Ich werde mich bei unserm Gesandten in Petersburg beschweren."
Der Admiral schien die Phrase nicht zu beachten.
"Sie heissen?"
"Edward Maubridge, Baronet."
"Nach dem Bericht des kapitän Juschkin sind Sie am 6. auf dem türkischen Dampfboot Djerid gefangen genommen worden auf dem Wege nach Sinope. Man hat bei Ihnen Briefe an die türkischen Befehlshaber in Anatolien und selbst an Schamyl gefunden, die beweisen, dass Sie mit den Feinden Russlands in Verbindung stehen."
"Ich bin Engländer und habe Niemand Rechenschaft zu geben, wohin ich gehe und mit wem ich in Verbindung stehe. England ist bei Ihrem Kriege eine neutrale Macht."
Der Admiral lächelte.
"Wie man's nehmen will! Ich habe jedoch nicht Zeit, mich mit Ihnen in eine politische Controverse einzulassen. Ich will Sie trotz jener Verbindungen als Reisenden gelten lassen, und wir werden Sie an den Ort schaffen, wohin Sie gehen wollten. Sie haben sich demnach nur über eine Haft zu beklagen, die durch die Umstände geboten war. Unser Geschwader geht in einer Stunde nach Sinope ab und wird Sie dort mit Ihren Dienern an's Land setzen. Treten Sie ab."
"Einen Augenblick, mein Herr – ich will Alles vergessen, aber ich kann diese Stadt nicht verlassen ohne mein Kind! Lassen Sie mein Kind holen mit seiner Wärterin."
"Ihr Kind? – Meinetwegen. Doch sehe ich Nichts von einem kind in Ihrem Pass erwähnt. Was ist damit, kapitän Juschkin?"
Der kapitän der Bessarabia trat vor.
"Ein griechisches Weib, Excellenz, ist nach dem Gefecht eines Knaben genesen, den Popa Alexanowitsch in seine Pflege nahm, da die Frau starb."
"Welches Recht haben Sie an dem kind?"
"Es ist das meine, die Verstorbene war Lady Diona Maubridge."
"Lügner!" gellte es durch den Saal von den Lippen eines bleichen Mannes, der im Haufen der Umstehenden bis jetzt mit atemloser Spannung dem Verhör und der Verhandlung beigewohnt hatte, das Auge voll Hass keinen Moment von dem Briten abwendend. "Lügner! Beweise Dein Anrecht an Diona Grivas, die Du gemordet, Dein Recht, das Du selbst mit Füssen getreten und verleugnet hast!"
Der Baronet stand bleich, – ihm gegenüber der Bruder und Rächer des toten Mädchens, Gregor Caraiskakis.
"Euer Excellenz," sagte der Grieche und Schmerz und Zorn erstickten fast seine stimme, als er sich zu dem Admiral wandte, "wenn der Dienst, den ich Ihnen geleistet, wenn Eifer und Treue für die Sache Russlands eine Anerkennung verdienen, so gewähren Sie mir Gerechtigkeit gegen diesen Mann. Zwei Mal entführte er meine Schwester durch heuchlerische Künste und entehrte sie, indem er durch ein bübisches Spiel mit der Arglosen sie glauben machte, sie sei seine angetraute Gattin. Als ich ihr Recht von ihm forderte, leugnete er es, und Diona Grivas, die Schwester der Caraiskakis, wurde durch seinen Trug zu seiner Maitresse erniedrigt. In diesem Augenblick erfahre ich, der Bruder, aus seinem mund, dessen Spur ich bis Varna verfolgte, den Tod der Unglücklichen und ich segne ihn, denn er deckt ihre und unsere Schande. Aber das Kind, das Kind aus dem Blute meiner Schwester, soll der falsche Engländer nimmer besitzen, und sollte ich es ihm mit dem Leben entreissen!"
Die verächtlichen drohenden Blicke der Offiziere ringsum, hafteten auf dem Briten, der bleich und trotzig im Kreise umher schaute.
"Das Kind ist mein, ich nehme das Recht des Vaters und Engländers in Anspruch!"
"Herr Caraiskakis," sagte der Admiral ernst, indem er sich erhob, "wir sind Ihnen verpflichtet durch den Dienst, den Sie uns erwiesen haben, indem Sie keine Gefahr scheuten, um Admiral Nachimow und dann uns Nachricht zu bringen von dem verräterischen Unternehmen des türkischen Geschwaders. Wir möchten Ihnen gern Gerechtigkeit gewähren an diesem Mann, doch – das Recht eines Vaters ist ein heiliges, und als solcher kam er in unsere Gewalt."
"Einen Augenblick, Excellenz," unterbrach der Vice-Admiral Rogula den Greis. "Wenn ich CapitainLieutenant Juschkin recht verstanden habe, erfolgte die Entbindung des Mädchens erst nach der Wegnahme des schiffes?"
"So ist es," bestätigte der kapitän.
"Dann, mein Herr," sagte mit Würde der Admiral, "ist das Kind unter russischer Flagge geboren und geniesst russischen Schutz, bis Ihre Ansprüche bewiesen sind, was durch den Tod der Mutter unmöglich werden dürfte."
Der Baronet stampfte mit dem fuss auf.