.' – Der Unglückliche begriff und bat um Gnade. – 'Sie haben meinen ehelichen Frieden gestört, ich vernichte den Ihren,' sagte Scherkliffe eisig. 'Sie sollen das Gefühl mit sich umherschleppen, dass keine Spur Ihres Namens und Ihres Talents auf der Welt zurückbleibt.' – Nach einer Stunde brachte ein Diener dem Verstümmelten eine grosse Urne voll Asche, – sie entielt Alles, was von seinen Werken auf der Welt übrig war."
"Das ist teuflisch!" rief der kapitän.
"Ein Mann, der zu hassen und zu lieben versteht!" versetzte der junge Russe.
"Halt, mein Fürst!" plauderte Sazé weiter, "das verstehen wir wahrhaftig auch, nur auf andere Weise. Sehen Sie dort Marschall St. Arnaud? Die Fama bezeichnet ihn bereits als Commandeuer en chef, wenn Ihre Maje Majestät unsern kleinen Neffen des grossen Onkels im Invalidendom zum Aeussersten zwingt. Der liebe Marschall scheint eine neue Intrigue des Prinzen zu wittern, der gern für seine Reputation einige notwendige erste Lorbeeren pflücken möchte, und hofft ihr hier auf die Spur zu kommen. Wissen Sie, dass dieser unser lieber General vor kaum Jahresfrist seinem Busenfreund den Säbel durch den gestossen hat, bloss weil dieser ihn bei Madame, seiner Frau, in zarter Situation getrossen und aus dem haus geworfen hatte?"
Méricourt lachte.
"Sie sind die boshafteste Zunge, die mir noch vorgekommen Sazé," sagte er. "Ich darf die Ehre der Armee durch Sie nicht so gefährden lassen."
"Eh bien, mein lieber Vicomte, ich bin nicht schwierig. Gehen wir von der Armee zur Diplomatie über. Unser getreuer Verehrer der Rachel ist freilich nicht hier und intriguirt jenseits des Kanals, aber ich kann Ihnen Ersatz geben. Sehen Sie da den Herrn der eben mit Persigny spricht, Oberst Fleury geht gerade an ihm vorüber. Nun wohl! Der liebe Graf hat kürzlich sein diplomatische Probestück abgelegt und wird sicher Carriére machen. Sie kennen Madame Fontaille, unsere allerliebste Soubrette? Nicht? Auch gut; sie ist die Schönheit des Tages und unsere Börsenkönige ruiniren sich um sie. Der Graf liess sich ihr im Zwischenakt der grossen Oper vorstellen und bat um erlaubnis, am nächsten Abend eine Tasse Tee bei ihr tête à tête trinken zu dürfen. Madame antwortete ungenirt: 'Ich nehme zu einer Tasse Tee ein Pfund Zukker, aber von dem, der zehntausend Francs das Pfund kostet. So teuren Zucker möchte ich Ihnen freilich nicht umsonst geben und mir doch auch nicht von Ihnen bezahlen lassen. Mir fällt ein Ausweg bei! Bringen Sie die zehntausend Francs in Banknoten mit und wir werden mit diesen die Flamme unter dem Teekessel heizen. Dann beweisen wir Beide gleiche Uneigennützigkeit.' – Der angehende Diplomat findet im Augenblick keinen passenden Rückzug und sagt zu, erzählt aber die Sache einigen Freunden, die diesen Tee allzu gezuckert finden. Ich selbst sagte ihm: Madame die zehntausend Francs geben, es ist teuer, aber es passirt! Sie verbrennen, das wäre Tollheit! Sie richten damit Ihre Carrière zu grund, denn kein Minister des Aeussern wird einen Narren zu Ambassadeur machen! – Am anderen Abend begab sich der liebe Graf, mit dem Päckchen wohlgezählter Banknoten richtig zu der Schauspielerin. Man plaudert und erwartet den Tee. 'Sie bestehen also auf dem Autodafée?' – 'Gewiss und hier sind die Bankbillets.' – Der Graf übergiebt ihr zehn ächte Billets zu tausend Francs. Madame griff fieberhaft danach. 'Nicht wahr, es ist doch schade darum?' – 'Ei, so verbrennen Sie sie nicht.' – 'Nein, es ist ausgemach, wir bleiben bei unserem Progamm!' und sie legt das Päckchen auf einen Tisch, der mit hunderterlei Nippsachen bedeckt ist. Der künftige Vertreter des Kaiserreichs spielt plaudernd mit diesen Kleinigkeiten, nimmt Eines und das Andere in die Hand und im Augenblick als man den Tee bringt, ist die Escamotage, oder Prestidigitaton wie Houdin sagt, geschickt ausgeführt. Die Flamme des Weingeistes leckt mit ihrer blauen Zunge nach dem versprochenen Opfer; Madame ist äusserst erregt und lebendig, tanzt von einem Ort zum andern, erfasst endlich das Päckchen, schwingt sich im Kreis umher und im Hui – wirft sie ein anderes in die Flamme, die sogleich die leichten Blätter verzehrt; das Pseudopäckchen aber ist geschickt in einer vorsichtig zwischen Blumen zurechtgestellten Vase verschwunden. – Kaum hört sie nach Mitternacht den Wagen des Glücklichen fortrollen, so eilt zu dem versteckt, das die geretteten zehntausend Francs bergen soll und zieht hervor – ein Päckchen jener den Banknoten so zierlich nachgeahmten Adresskarten! – Es heisst, die Dame habe bittere Rache geschworen, Monsieur le Comte aber ist, wie Sie sehen, auf dem besten Wege."
Méricourt und Fürst Iwan lachten.
"Der Graf ist kein Gentleman," sagte der Letztere. "Man täuscht ein Weib nicht um solche Bagatelle."
"Pah! Bagatelle!" entgegnete lustig Sazé. "Das man F ü r s t O c z a k o f f sagen, der seine Silberund Goldminen im Ural besitzt und auf seinen Steppenländern die Bauern nach Tausenden zählt, aber nicht wir Franzosen, die höchstens im Börsenspiel noch Millionaire werden können. Doch da ist die Quadrille zu Ende, lassen Sie näher treten."
Die drei jungen Männer erhoben sich und traten an den Eingangbogen zum Salon, durch den eben eine Dame am Arm ihres Tänzers hereinrauschte. Es war die Fürstin,