zu bringen schien.
Der Passagier war Sir Maubridge, der sich mit Diona, einer Griechin zu ihrer Aufwartung und zwei Dienern in Varna eingeschifft hatte, um sich nach der anatolischen Küste zu begeben und dort die Niederkunft seiner Geliebten abzuwarten, für die er eine zärtlichere Liebe empfand, als er den Drohungen des Bruders gegenüber zugestanden. Um desto weniger Aufmerksamkeit zu erregen, hatten Alle die orientalische Kleidung angelegt.
Sir Maubridge war von lebhafter Besorgniss bewegt, weil Diona, schon von der Seefahrt angegriffen, im Schreck über die plötzlich hereinbrechende Gefahr erkrankt war. Unmutig trat er bereits zum zehnten Male zu dem kapitän, um ihn zu fragen, ob Aussicht vorhanden, dem russischen Kreuzer zu entgehen. Der bequeme Moslem aber tat, als verstehe er weder das Italienisch, noch die wenigen türkischen Worte des Engländers, und schüttelte nur mit seinem ewigen "Bismillah" bedächtig den Kopf.
Ungeduldig rief der Baronet endlich seinen griechischen Diener herbei, um mit dessen dolmetschender Hilfe das begonnene Gespräch fortzusetzen.
"Frage dieses Faultier von einem Menschen," befahl er ärgerlich, "ob es nicht möglich sein wird, die Schnelligkeit unserer Fahrt zu verstärken? Mich dünkt, die Entfernung hätte sich schon bedeutend verringert!"
Der Grieche wiederholte die Frage auf Türkisch. Der kapitän aber blies den blauen Rauch in die Luft:
"Was kann ich tun? – Ein Schiff ist ein Schiff, und diese Russen haben den Teufel im leib. Bak alum, wir werden sehen!"
Aber er sah nicht, sondern blieb ruhig sitzen.
Der Engländer ballte entrüstet die Faust.
"Sie werden uns nach Sebastopol schleppen!"
"Inshallah! wie Gott will. Es ist unser Kismet, Effendi mou!"
"Frage das türkische Vieh, ob er sich denn nicht zu verteidigen gedenkt? Wir haben vier Kanonen an Bord und hände in Menge!"
"Der Beisädih6 ist toll," meinte der kapitän auf die etwas höflicher übersetzte Frage. "Ich habe den Vätern und den Müttern der Moskows das Nötige erwiesen; wir sind keine Kriegsleute, um zu sagen: Puf!"
Er hörte mit Gleichmut, freilich ohne sie zu verstehen, die Ehrentitel an, die der erzürnte Brite ihm gab, der überzeugt war, dass das schöne in England gebaute Schiff bei nur einiger Anstrengung und guter Leitung leicht den Russen entgehen könne, und der nun einer, wenn auch kurzen, doch unangenehmen Gefangenschaft entgegen sah.
Die Bessarabia war unterdessen immer näher gekommen und ein scharfer Schuss an dem Bug des Djerid vorbei mahnte die Türken, beizulegen. Indessen zeigte sich auch hier die Zähigkeit und Sorglosigkeit des National-Charakters; denn statt dem eisernen Winke Folge zu leisten, setzte das Schiff nach wie vor seinen Weg fort.
Eine Hand berührte jetzt den Arm des Baronets, es war das griechische Weib, Diona's Dienerin.
"Herr," sagte sie, "der Schrecken hat über Eure Dame das Wehe der schweren Stunde gebracht. Sie windet sich in den Schmerzen, die dem weib süss sind."
Maubridge fuhr auf.
"Verstehe ich Euch recht, sie sieht einer Niederkunft entgegen, einer zu frühen Geburt?"
Die Frau bejahte.
"Ich will zu ihr."
"Halt, Herr! Ihr würdet das Harem verletzen und die Moslems sind streng darin."
"Was kümmern mich die Narren," sagte der Brite aufgeregt. "Ich will zu meinem weib!" Alle die vom Stolz und Trotz unterdrückte Liebe zu dem Mädchen brach in der vollen Kraft durch die Schranke, die sie so lange eingeschlossen.
Mit zwei Sätzen, während ein zweiter Schuss des russischen Dampfers donnerte und die Kugel durch die Tackelage, des Djerid schlug, sprang der Baronet die Treppe zum Pavillon hinab und wollte die Tür desselben aufreissen, als eine kräftige Faust ihn zurückstiess.
"Bosch! Was willst Du?"
"Atsch! – öffne! ich muss hinein!"
"Das ist das Haremlik meines Herrn, kein Mann darf ihn betreten!"
Die drohende Geberde, mit welcher der schwarze Sclave sich vor die Tür warf, zeigte besser als die ihm unverständliche Sprache das Verbot.
Zugleich suchte flehend die ihm nachgeeilte Griechin sich zwischen ihn und die Tür zu drängen.
"Ihr wisst nicht, was Ihr tut, Herr; die Türken ermorden Euch!"
Auf den türkischen Schiffen ist eine der Kajüten ausschliesslich für die Frauen bestimmt und wird gleich dem Haremlik geachtet. Kein Mann darf eintreten. Hierzu kam, dass einer der anatolischen Kaufleute, ein strenger Moslem, zur Sicherung seiner mitgeführten Weiber den Sclaven an die Tür postirt hatte.
Der Streit rief Neugierige herbei; wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch das Schiff: ein Mann verletzt den Schutz des Haremliks. Die Moslems drängten sich heran; denn der drohende Frevel gegen die geheiligte Sitte bewegte sie mehr, als die Gefahr von aussen, die ja in Allah's Hand stand.
"Wer ist der Hund, dass wir ihm das Seine tun? seid Ihr ein Sohn des Teufels, dass Ihr es wagt, uns in den Bart zu speien?"
Wilde Drohungen umtobten den Briten, Waffen erhoben sich gegen ihn und vergeblich suchte sein englischer Diener sich zu ihm Platz zu machen.
Auch der kapitän war herbeigekommen.
"Tut ihm Nichts zu Leide, er ist ein Beisädih! Was wissen diese Inglis von Gott und dem Propheten! Sie sind tolle! sie haben Frauen und Pferde, aber sie lassen die Einen nackend umherlaufen