den Weissen Halbmond mit dem Stern im roten feld. Bald darauf änderte es nochmals seinen Lauf; die Schiffe waren jedoch einander bereits so nahe, dass bei der starken Maschine der russischen Fregatte an ein Entkommen nicht zu denken war. Da Admiral Kornilow sah, dass das feindliche Schiff schwächer war, als der Wladimir, befahl er nach Seesitte, ihm eine Kugel vor dem Bugspriet vorbeizusenden, als Aufforderung, sich zu ergeben.
Der Türke antwortete mit einer vollen Seitenladung, diese jedoch der noch vorhandenen Entfernung wegen ganz unschädlich blieb.
Damit war das Gefecht provozirt, und der Befehl, zum: "Fertig zum Feuern!" durchlief das russische Deck.
unterdessen dampften die Schiffe parallel mit einander fort und kamen einander bald so nahe, dass die Kugeln und Granaten des fortwährend seine Breitseite abfeuernden Türken über den Wladimir weggingen und die Tackelage desselben beschädigten. Bereits waren ein Mann gefallen und drei Andere verwundet.
Da die Kommandirenden jedoch erkannten, dass das feindliche Schiff keine Spiegel-Kanonen führte, beschloss man, es von Hinten zu bestreichen und so zur Uebergabe zu zwingen. kapitän Butakow, welcher das Manöver leitete, gab seine Befehle mit einer Ruhe und Sicherheit, als ob es einer Schiffsübung gälte.
Der "Wladimir" fiel alsbald ab und in das Kielwasser des türkischen Schiffes, das er mit seinen BugKanonen der Länge nach bestrich. Hierdurch wurde der Gegner genötigt, fortwährend beizulegen, um eine Salve geben zu können und dann wieder eine neue Richtung zu steuern.
Die "Bessarabia" verfolgte unterdessen das zweite Dampfschiff, das durch die Anwesenheit der Escadre unter dem Winde verhindert war, seine Richtung nach Osten zu nehmen, und die hohe See zu halten strebte. –
Der Kampf hatte auf diese Weise bereits drei Stunden gedauert. Obschon es dem Wladimir leicht gewesen wäre, ihn fortzusetzen, die Bemannung des Gegners niederzuschmettern und seinen Rumpf zu durchlöchern, ohne selbst erheblichen Schaden zu nehmen, da die Breitseiten des Türken beim Beilegen über das russische Schiff hinweggingen, – so beschloss der Admiral doch, nunmehr dem Spiel ein Ende zu machen und auf Kartätschenschussweite heran zu gehen.
Die Befehle wurden erteilt, die Fregatte wandte und schoss dann mit der vollen Kraft der Maschine an der Seite, des Feindes auf und gab ihm eine volle Kugellage.
Der Erfolg war in dieser Nähe furchtbar und die Maschine des Feindes hörte sofort auf zu arbeiten.
Dennoch setzte er sich noch zur Wehr und gab eine neue Salve. Eine Granate zerschmetterte die Brust des Lieutenants S c h e l e s n o w , dem der Admiral eben einen Befehl erteilte.
Der Wladimir umfuhr den türkischen Dampfer. Zwei weitere Lagen, die eine mit Kartätschen, durchlöcherten den Rumpf und säuberten die Verdecke.
Jetzt senkte der Moslem seine Flagge; der erste Seesieg in diesem Kriege war erfochten.
Das genommene Schiff war der egyptische Dampfer "Pervas Bachri", von 220 Pferdekraft und mit zehn Kanonen bewaffnet. Von seiner Mannschaft waren der kapitän, 2 Offiziere und 19 Matrosen getödtet, 18 verwundet, und 134 Mann wurden gefangen genommen. Der Rumpf des Schiffes war so durchlöchert, dass es zu sinken drohte. Es bedurfte einer vierstündigen Arbeit, um es in Stand zu setzen, dem Wladimir nach Ssewastopol zu folgen, wo Beide am anderen Tage eintrafen. ––––––––––––––––––––––––––––
Das Schiff, das während des Kampfes die "Bessarabia" jagte, war der "Djerid," ein türkisches Passagier-Dampfboot, das von Varna kam und nach Sinope bestimmt war, Passagiere, Kupfer und Pulver an Bord hatte und eine wertvolle Beute war.
Das Schiffsvolk und die Reisenden hatten sich auf dem Verdeck zusammengedrängt und beobachteten eifrig das sich in der Ferne entspinnende Gefecht. Auf dem Deck, in der Nähe des Steuers, sass der kapitän auf der Bank, den Schibuck im mund, den einer der Schiffsjungen sorgfältig in Brand hielt, um nicht gepeitscht zu werden: ein dicker behäbiger Türke mit grauem Bart. Viel Sauberkeit und Ordnung war auf dem Schiffe nicht zu finden; einige türkische Offiziere mit ihren Mannschaften, die nach Anatolien gingen, armenische und, syrische Handelsleute, mehrere Juden und zwei Kurden mit ihren Sclaven, die einen Trupp Pferde nach Varna geliefert hatten, diese bildeten die überwiegende Zahl der Reisenden. An den Radkästen des schiffes waren in langen Reihen die Knoblauchund Zwiebelstränge aufgehängt, mit jenen Gurken und Früchten, welche die Hauptnahrung der genügsamen Orientalen sind, aber die, Luft keineswegs mit besonderem Wohlgeruch erfüllen. Zuweilen tauchten aus den Luken zu den unteren Kajüten tief verhüllte Frauen auf, sich ängstlich umschauend oder über das Verdeck zum Heerde des Kochs schlürfend um ihr Tandur mit neuen Kohlen zu füllen; doch waltete hier offenbar schon die orientalische Abschliessung des weiblichen Geschlechts in weit höherem Grade ob, als auf den Schiffen im ägeischen Meer und im Bosporus. Man befand sich an der Küste Asiens, fern vom Verkehr der europäischen Völker.
Einer der Passagiere nur erregte und verdiente besondere Aufmerksamkeit. Es war ein hoher schlanker Mann von schönem, etwas hartem Gesicht und hochblonden Haaren. Er trug reiche orientalische Kleidung, doch hätte ein aufmerksamer Beobachter leicht bemerkt, dass sie ihm ungewohnt sass. Auch sprach er nur mit zwei Männern, die offenbar seine Diener waren, einem Griechen und einem Mann, dem die orientalische Tracht noch ungefügiger stand, als dem Herrn. Dieser ging mit sichtlicher Unruhe auf dem Verdeck auf und ab, häufig nach der Treppe der grossen Kajüte blickend, aus der von Zeit zu Zeit eine ältere Frau heraufstieg und ihm eine kurze Botschaft