Verkehr nach der türkischen Position zu verhindern.
Als am Morgen die feuchten Novembernebel sich verzogen, erblickte der türkische Oberbefehlshaber seine ganze Stellung im rücken bedroht. Die Batterie, welche die Russen in schnell aufgeworfenen Werken am Donauufer wie durch Zauber errichtet hatten, bestrich nicht allein die türkische Position an den alten Schanzen, sondern auch den rücken des Quarantainehauses und die brücke über den Argisch. Seine Verbindung mit der Insel und dem jenseitigen Ufer war auf das Höchste gefährdet, wenn die Russen, worauf die fortwährend zuziehenden Verstärkungen an Mannschaften und Geschützen deuteten, von dieser Seite aus einen Angriff zugleich mit einem Frontalsturm unternahmen. Die Gefahr erschien um so dringender, als die fortwährenden Regengüsse den Strom angeschwellt hatten, so dass die Unterhaltung der Verbindung ohnehin mit jedem Tage schwieriger wurde. Unter diesen Umständen riet Klapka selbst zum Rückzug und der Muschir musste sich der notwendigkeit fügen. Nach einigen leichten Scharmützeln begannen die Türken am Nachmittag ihren Rückzug, indem sie die eigenen Verschanzungen, das Quarantainehaus und die brücke in die Luft sprengten und anzündeten. Fürst G o r t s c h a k o f f beschränkte sich auf die strategischen Operationen und drängte die Gegner nur leicht, da seine Truppen in den furchtbaren Kämpfen der letzten drei Tage schwer gelitten hatten. Am Morgen des 13. hatten die Türken vollständig das linke Donauufer bei Oltenitza wieder geräumt und sich auf Tuturkai zurückgezogen. Der türkische Verlust war namentlich stark unter den Albanesen und Irregulären, doch verhältnissmässig bei weitem geringer, als der auf Seite der Russen. Man schätzt den letzteren an den vier Schlachttagen auf ungefähr 5000 tote und Verwundete. In den Reihen der Moslems befanden sich bei dem Treffen, ausser General Klapka, die Engländer Lord Worslei, kapitän Baturst und Herbert Wilson und Lieutenant Bucklei, der sardinische Genie-Offizier Graf Camieri und General Prim.
Fünf Tage darauf hatte die türkische Armee auch Tuturkai geräumt und sich teils auf Schumla zurück, teils stromaufwärts nach Widdin hin gezogen.
Auch bei Giurgewo hatte am 12. ein Kampf stattgefunden. Mit Hilfe der eingetroffenen Brücken-Equipagen unternahm General Szoimonoff am Morgen mit acht Feldgeschützen, einem Bataillon Tomsk-Infanterie, einer leichten Batterie und zwei Escadronen Husaren einen heftigen Angriff gegen die auf der Insel Mokan wieder postirten und von dort aus Giurgewo noch immer beunruhigenden Türken, und vertrieb sie gänzlich von der Insel. Unter dem Schutz des Feuers und ihrer schweren Batterieen in Rustschuk auf der rechten Donauseite und des bei der Insel stationirten Dampfers, das den Russen jedoch nur geringen Schaden brachte, flohen die Moslems in die Boote und erreichten das sichernde Ufer.
Die Russen stellten nach diesem Rückzug zur Verhinderung weiterer Versuche zwei Lager von je 5000 Mann bei Frateschti nächst Giurgewo und bei Sokaritschi nächst Kalarasch auf, errichteten eine Batterie beim dorf Tape, gegenüber der Mokan-Insel, und verstärkten den früheren Posten bei Oltenitza durch 2 Batterieen, 4 Eskadronen Ulanen und 1000 kosacken, indem sie zugleich auf den den Uebergang beherrschenden Anhöhen bei den Dörfern Dobrény und Newgesti Batterieen aufwarfen.
Am 15. machten die Türken einen neuen Versuch, bei der Festung Nikopolis über die Donau zu gehen und sich Turnuls zu bemächtigen, um von der Mündung der Aluta aus, welche die Grenze zwischen der kleinen und grossen Walachei bildet, auf Rusweda loszugehen und gemeinschaftlich mit den von Kalafat vorbrechenden Schaaren Szlatina anzugreifen, – wo General Fischbach mit 15,000 Mann postirt stand. General Prim führte mit Tefik-Pascha die aus 2000 Mann bestehende Avantgarde des Corps, wurde aber vom Oberst-Lieutenant Schaposchnikoff vom kosacken-Regiment (Nr. 37) angegriffen und über die Donau zurückgeschlagen.
Somit war das Ufer der grossen Walachei wieder vollständig im Besitz der Russen und der Plan des Muschirs, ihre Linie zu durchbrechen vereitelt. Nur bei Kalafat noch standen die Türken diesseits der Donau und verschanzten die von natur aus feste Stellung. Doch begnügten sich hier beide Teile mit kleinen Streifzügen und Vorpostenscharmützeln, deren fast jeder Tag mit abwechselndem Glück und Erfolg brachte.
Fussnoten
1 Walachischer Bauer. 2 Scharfer Brantwein aus Pflaumen. 3 Die Zahl der Zigeuner in der Moldau und Walachei beträgt über 80,000. Sie ziehen teils frei umher, teils leben sie auf den Gütern der Bojaren als Sclaven und werden auf das Härteste behandelt. In neuester Zeit (1856) ist von dem Gouvernement in Bukarest ihre Emancipation beschlossen worden und sie sollen – wo man sie nicht freiwillig der Regierung abtritt – aus der Gewalt ihrer Herren freigekauft werden. 4 Geistlicher, Ortspfarrer; Metropolitan: Bischof. 5 Walachischer offener Wagen. 6 Okna. Aleko Pelin wurde im Januar 1856 vom Divan zu Bukarest als überwiesen, seit drei Jahren das Räuberhandwerk getrieben zu haben, zu zweijähriger Kettenarbeit in den S a l z g r u b e n (Okna) verurteilt. 7 Polizeidiener. 8 Landdragoner, walachische Gensd'armerie. 9 Gebüsch, Dschungl in den walachischen Sümpfen.
Im Pontus.
I. Gefangen!
Stürmisches – böses – liebliches Meer! G e f ü r c h t e t , seit die geschichte Deinen Namen kennt! b e g e h r t , seit Völker an Deinen Ufern wohnen! Blaue wogende Wellen, die Iphigenie auf ihrer Verbannung durchschiffte, die Orest durcheilte, als er die Schwester suchte. Jason mit der Argonautenschaar holte von euren Küsten das goldene Vliess; der Perserkönig Darius sandte seine Schiffe auf eurem rücken gegen die trotzigen Scyten und Tracier; Philipp der Macedonier durchschiffte euch! Die Galeeren der Römer trugst du; an deinen Ufern, o