viele!"
Der junge Mann errötete tief, indem er ihr ein Silberstück in den Schoos warf.
"Die Alte ist längst schon wahnwitzig" sagte er; "lassen Sie uns aufbrechen."
Sie verliessen die Hütte, aus welcher der eintönige Gesang des Weibes durch die Nacht ihnen nachscholl.
Die Zigeunerin Zinka und ihre Tochter schritten voran auf dem Wege den sie gekommen waren. Der kapitän folgte mit dem jungen Walachen.
"Sie sind mir noch den Schluss der Erzählung schuldig," sagte der Offizier. "Wenn ich auch Vieles erraten konnte, möchte ich doch gern Näheres wissen. Was war das Ende von der Laufbahn des Räubers, den Sie so sehr bewundern?"
"Der Tod durch Verrat. Die Frau, die vor uns durch das Moor schreitet, war Diejenige die Tunso liebte mit aller Kraft seiner Seele. Auch sie liebte ihn, aber der Teufel blendete sie und fand ihre schwache Stelle in ihrer Gier nach Gold. Als Tunso aller Nachstellungen spottete und seine Verfolger mit blutigen Köpfen davon schickte, griff man zum Verrat. Der Aga der Itschoglans7 berückte die Seele Zinka's mit Bildern von Glanz und Reichtum, und auf das Versprechen von zehntausend Dukaten verriet die Zigeunerin den Geliebten ihres Herzens, den Vater ihres Kindes."
"Er wurde ergriffen und gerichtet?"
"Nein, kapitän, dem Henker entging die edle Beute. An der brücke, die über den Argisch führt, auf der Strasse von Bukarest nach Giurgewo, legten sich auf den Wink Zinka's die Itschoglans und Slugitori8 in den Hinterhalt. Zur bestimmten Stunde des Abends rasselte die Keroutza mit Tunso und elf seiner tapfern gefährten heran. Da sprangen die Häscher hervor und umzingelten die Kühnen. Zehn wurden bei dem Kampf erschossen und in's wasser des Argisch geworfen, die beiden Andern entkamen: es waren Tunso und sein Lieutenant. Aber einer der Slugitori, ein gewandter Läufer, eilte ihnen nach und fand bald die Spur des Hauptmanns. Dieser glaubte, es sei sein Gefährte, und liess den Verfolger heran kommen, bis dieser nahe genug war, um ihm zwei Kugeln durch den Leib zu schiessen. Trotz der tödtlichen Verwundung gelang es Tunso, zu entkommen und einen Makis9 zu erreichen. Vergebens suchten ihn die Slugitori mit fackeln dort. Aber der Schmerz der Wunden war so gross, dass Tunso erkannte, seine Stunde sei gekommen, und selbst die Häscher herbeirief. Sie brachten ihn auf einer Tragbahre nach Bukarest, wo ihm schneller ärztlicher Beistand wurde. Doch die Wunden waren tödtlich und am dritten Tage starb er."
"Und Zinka?"
"Vor seinem tod beschied er sie zu sich. Die Verräterin liebte ihn noch immer und sank wehklagend an seinem Lager nieder, als er sie rufen liess. Er vergab ihr und starb."
"Aber der Sohn Zinka's?"
"Der Aga, um die zehntausend Dukaten zu sparen, liess sie in seinen Harem bringen. Als er kurz darauf nach Constantinopel zurückkehrte, verstiess er das Opfer seiner Willkür; der Gefangene ist ihr und sein Sohn. Seitdem sie den Schutz des Moslems nicht mehr genoss, war sie von Allem, was Walache heisst, verachtet und verabscheut. Der ärmste Bauer schloss vor ihr die Tür und ihr eigener Stamm verstiess sie. So flüchtete sie mit ihren Kindern in diese Wildniss und lebt hier seit Jahren in Elend und Verachtung."
"Und Sarscha?"
"Sie ist Tunso's echte Tochter, stolz, mutig und entschlossen. Doch das Gesetz ihres Volkes, das von den Kindern unbedingte Hingebung an den Willen der Eltern fordert, ist ihr heilig dabei. Der Bauer öffnet ihr gern seine Hütte, jeder Walache ehrt in ihr die Tochter Tunso's. Aber nur der Tapfre, Kühne, Freie wird die Liebe dieser Zigeunerin gewinnen."
"Nehmen Sie sich in Acht, Herr Pelin," sagte der kapitän warnend, "dass es Ihnen nicht geht wie Tunso. Die Jugend ist leicht verführt und sieht für Freiheit und Tapferkeit an, was im grund nur Zügellosigkeit und Verbrechen ist."
Sie waren an die ersten Vorposten gekommen und das Gespräch verstummte, da die Gesellschaft jetzt zusammen ging. kapitän Meiendorf führte sie direkt zum Quartier des Oberbefehlshabers, das im haus des Gutsherrn aufgeschlagen war, und liess dringend um sofortiges Gehör bitten.
Hier vernahm er, dass auch vom General Anrep eine Meldung angekommen sei. Derselbe war am Morgen des Tages von Tikodeschti abmarschirt, um dem Befehl zur Verstärkung der Colonnen vor Oltenitza Folge zu leisten. Sofort machten die Türken auch hier den Versuch, in seinem rücken von Silistria aus über die Donau zu gehen. Der General erhielt jedoch zeitig genug Kunde, machte Halt und warf mit seiner Arrieregarde, aus kosacken und einigen Geschützen bestehend, die Türken über die Donau zurück.
Die Audienz des Capitains hatte nur kurze Zeit gedauert, als Zinka, die Zigeunerin, schon in das Zimmer des Oberkommandirenden gerufen wurde. Bald darauf eilten die Ordonnanzen durch den Ort.
Kaum eine Stunde nachher marschirte das Ochotzki'sche Jäger-Regiment unter Oberst Bibikoff mit zwei Sotnien kosacken und der leichten Batterie Nr. 6 in der Richtung nach den Sümpfen ab. An der Spitze des Zuges, neben dem Pferde des Adjutanten kapitän Meiendorf, schritt, in ihre Decke gehüllt, die hohe Gestalt der Zigeunerin Zinka.
Jedes unnötige Geräusch war bei harter Strafe verboten; die Posten in der Richtung nach dem Schlachtfelde von Oltenitza waren verdoppelt, um jeden