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reduziren, während es die russische Macht auf 25–30,000 Mann angiebt. Bis jetzt ist noch keine irgend zuverlässige und brauchbare geschichte des Donaufeldzuges bekannt, selbst die offiziellen Rapports sind spärlich und unvollständig und die Zeitungsmitteilungen geben, namentlich über die Treffen bei Oltenitza, die widersprechendsten Nachrichten. – Unter diesen Umständen dürfte das vorliegende Buch, da dem Verfasser besondere Privatquellen zu Gebote standen, zugleich das Verdienst einer ersten übersichtlichen und detaillirten geschichte haben. Nach diesen Quellen war das ganze, bei Tuturkai concentrirte Truppencorps, 14,000 Mann, über die Donau gegangen und wurde durch Zuzüge bis zum 4. verstärkt. Die Reserven blieben auf dem rechten Donauufer. 4 Nach dem Etat hätten die kommandirten russischen Truppen betragen müssen: Jedes der beiden Infanterie-Regimenter der 11. Division: 4008 Mann Combattanten und 89 Offiziere 8194 Mann, 6 Escadrons à 187 Mann inclusive Offiziere 1122 Mann, 2 Batterieen à 178 Mann 356 Mann, kosacken 300 Mann, 2 Geschütze 60 Mann,

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10,032 Mann,

mit 18 Geschützen. Hierzu die zusammengezogenen Vorposten-Linien der kosacken. Die russischen Regimenter waren jedoch, wie erwähnt, damals so unvollständig, dass schon die Gesammtzahl 8000 eine sehr hochgegriffene ist. Offiziere, welche die Affaire mitgefochten haben, behaupten, dass nur 6000 Mann versammelt waren, und der Ausgang scheint diese Annahme zu bestätigen.

II. Die Schlacht.

Von allen Seiten rückten am 6., 7. und 8. die disponiblen russischen Corps nach Oltenitza heran. Es galt, den Kriegsplan des türkischen Oberfeldherrn in seiner ersten entwicklung zu brechen.

Während, wie oben erwähnt, der äusserste linke Flügel des Muschirs in der Stellung von Widdin-Kalafat die Verbindung mit Serbien verhinderte und die Russen in der kleinen Walachei beschäftigte, hatte Omer Pascha seine Hauptmacht bei Tuturkai und Rustschuk concentrirt und beabsichtigte, von beiden Punkten aus die russische Position zu durchbrechen und concentrisch gegen Bukarest vorzudringen. Zugleich sollten ein dritter Uebergang bei Silistria die linke Flanke der russischen Stellung isoliren und ähnliche Versuche an andern Punkten ihre Donaulinie in Allarm halten.

Von diesem Plan war bis jetzt nur der Uebergang und die Festsetzung bei Oltenitza gelungen und auch hier durch den raschen Angriff des Dannenberg'schen Corps ein weiteres Vorgehen verhindert worden.

Wir haben bereits zu Anfang des Kapitels mitgeteilt, dass auch die Versuche auf Giurgewo am 1. bis 3. gescheitert waren.

Dennoch gab der Muschir das Unternehmen nicht auf. Er war jetzt selbst im Lager von Tuturkai eingetroffen, zugleich mit ihm von Constantinopel der berühmte Insurgenten-General K l a p k a , und unter dessen Leitung wurden die Anstalten getroffen, die Stellung in Oltenitza auf's Neue zu befestigen. Die fortwährend seit dem, 4. über den Strom zugeführten Verstärkungen hatten es möglich gemacht, die russischen Vorposten bis hinter Oltenitza und auf ihre etwa einen Kanonenschuss hinter diesem Ort befestigte Reserveposition zurückzuwerfen.

Am 8. standen 25,000 Mann Türken in den neu befestigten Schanzen und um das Quarantainehaus in der nämlichen Aufstellung, die bei dem Kampf am 4. so tapfer verteidigt worden war. General Klapka, der ausgezeichnetste Artillerist der ungarischen Armee, kommandirte die Artillerie und hatte zur Herstellung der Verbindung der Ufer über die Mündung des Argisch Brücken schlagen lassen.

unterdessen concentrirten sich die russischen Streitkräfte bei Budeschti und am Morgen des 9. waren in den nächsten Umgebungen von Oltenitza 35,000 Mann versammelt unter'm Kommando, des Oberbefehlshabers. Zwei berühmte Artillerie-Generale standen also hier einander gegenüber.

Auch bei Giurgewo hatten die Russen ihre Stellung befestigt und unweit davon in der Richtung nach Bukarest ein verschanztes Lager von 7–8000 Mann bei Foreschti gebildet, um die Türken bei einem Uebergange zu verhindern, von hier aus der russischen Stellung in die Flanke zu fallen.

Am 8. setzten die Türken von Rustschuk auf die zwischen den beiden Städten liegenden Donauinseln über und befestigten die grössere derselben, die Mokomen-Insel. Die Position war gefahrdrohend, und General-Lieutenant S z o i m o n o f f , der Kommandirende der 10. Infanterie-Division, dem die Verteidigung dieses Teils anvertraut blieb, beschloss, die Gegner von der Insel zu vertreiben, ohne erst die von Bukarest nach Giurgewo dirigirte, wegen der schlechten Beschaffenheit der Wege aber noch nicht angelangte Brücken-Equipage abzuwarten.

In der Nacht zum 9. liess daher der General 24 Stück schweres Geschütz, dessen Räder, um jedes Geräusch zu vermeiden und auf diese Weise dem Feind die Annäherung zu verbergen, mit Stroh umwickelt waren, an das Donauufer führen und am andern Morgen, sobald der den Strom bedeckende Nebel gefallen, aus diesen das Feuer gegen die Position der Türken auf der Mokomen-Insel eröffnen.

Nach drittehalb Stunden waren die Türken, die hier wegen der Breite des Flusses vom eigenen Ufer aus nicht genügend unterstützt werden konnten, genötigt, die Position zu räumen. Dagegen behielten sie ihre Stellung auf einer nahe gelegenen und durch die Terrain-Formation besser gedeckten Insel.

Zur selben Zeit befahl Fürst Gortschakoff den Angriff auf die Verschanzungen der Türken in und bei Oltenitza Die Oberbefehlshaber der beiden Heere kommandirten hier gegen einander.

Am 9. und 10. bestand der Kampf grössenteils in Artillerie-Gefecht, doch wurde am letztgenannten Tage Oltenitza von den Russen mit dem Bajonet genommen und wieder verloren. Am Abend des 10. hatte der Muschir noch unverändert seine Stellung inne.

Das Wetter war so schlecht, dass die Artillerie oft nicht feuern konnte. Dennoch wurde der Kampf mit geringen Unterbrechungen Tag und