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zwei des Jakutzki'schen Regiments formirten die Sturmcolonne, kommandirt von Oberst Sabatinski.

In diesem Augenblick traf der Oberbefehlshaber, Fürst Gortschakoff, mit seinem Gefolge auf dem Schlachtfelde ein.

Die Artillerie gab noch eine Salve, dann wandte sie sich zur Rechten und Linken, und beschoss die Schanze und die Insel, während die Colonne im Sturmschritt vorging.

Der erste Aufstoss war fürchterlichder Tod hielt seine reiche Ernte. Die Geschütze im Quarantainehause schwiegen, bis die Colonne auf hundert Schritt an die Pallisaden heran war, und begannen dann ihr Kartätschenfeuer auf die dichtgedrängte Masse.

Die Colonne wankte, doch der Zuruf der Offiziere hielt sie zusammen und trieb sie vorwärts.

Eine zweite volle Lage begrüsste sie, kaum dreissig Schritt von den Verschanzungen, eine der Kugeln riss den tapfern Veteran zu Boden, der sie führte.

Dies Mal widerstand die russische Tapferkeit nicht, die Bataillone wichen und stürzten in wilder Flucht zurück; zugleich warf sich die zur Seite des Quarantainehauses, zwischen diesem und der alten Schanze gedeckt aufgestellte Kavallerie auf die Weichenden und trieb sie in wilder Flucht vor sich her. Die russische Artillerie vermochte nicht ein Mal, zum Schutz der Ihren zu feuern, so dicht geballt in einander waren Freund und Feind.

"Nun, Fürst, verdienen Sie sich das Hauptmannspatent. Hinunter zu Kolsjaninoff, er soll angreifen und den Leuten Luft schaffen."

Iwan verbeugte sich vor dem Kommandirenden und gab seinem Pferde die Sporen; in wenig Augenblicken war er bei den Ulanen und hatte die Ordre überbracht.

"Abgeschwenkt, erste, dritte und fünfte Escadron rechts, die zweite und vierte links, die sechste in Reserve. Galopp! Marsch!" Die Kommando's erklangen, die Trompeten bliesen, und im Galopp sausten die braven Ulanen über das schlimme Terrain, während durch die Mitte bereits die Spitzen der Fliehenden anlangten.

Die türkische Kavallerie, aus Husaren und syrischen Baschi-Bozuks bestehend, erhielt von zwei Seiten den Stoss und konnte nur schwer widerstehen. Dieselben Ursachen, welche die russische Artillerie behindert hatten, dienten auch jetzt den Gegnern zum Nachteil. Ein wildes Einzelngefecht entspann sich, namentlich auf der Seite der Baschi-Bozuks, die mit ihren Lanzen den Ulanen das Gleichgewicht zu halten vermochten.

Hier, neben Szamarin im dichtesten Gewühl, befand sich der junge Fürst. Sein Gesicht war bleich, doch die Augenbrauen finster zusammengezogen, wie von einem festen Entschluss. Seine Rechte hielt den Degen, doch nur zur Verteidigung, – diese Klinge war noch rein von Blut!

In solcher Nähe war der Kampf mit den wilden Söhnen der syrischen Steppen furchterregend. Die braunen Gesichter mit den blitzenden Augen, die wilden ungewohnten Gestalten in der seltsamen oft zerlumpten Tracht, konnten selbst die Kaltblütigkeit eines alten Soldaten verwirren. Dem Fürsten blitzte und wogte es vor den Augen, bis er einen scharfen Schmerz an seinem linken Arm hingleiten fühlte, ein Lanzenstich, für seine Brust bestimmt, hatte ihn leicht verwundet. Im Augenblick darauf hieb Szamarin den Turkomanen vom Pferde.

"Vorwärts, Kamerad, nicht geschont die ...."

Der schwere Schlag eines Yatagans traf durch den Kalpak hindurch seine Stirn, zugleich durchbohrte eine Pistolenkugel seine Brust, – der Tapfere breitete die arme weit ausin der Faust noch den Säbel hoch geschwungendann stürzte er unter die Hufe der Pferde, die nur den zuckenden Leichnam zertraten. Dies Mal war es der jungfräuliche Stahl, der den Bleich, schwankend auf seinem Ross, den blutigen "Sie sind ein Glückskind, Fürst," sagte der Cornet In der Tat fand man in diesem Reservoir der türkis a n -Pascha, der Führer der Kavallerie des Corps, war.

Der Oberbefehlshaber selbst kam der zurückkehrenden Kavallerie entgegen und hörte die dem Kommandirenden erstatteten Rapporte an, während die Colonnen sich wieder sammelten und formirten. Hierbei wurden auch die in dem Sattelzeug des gefallenen türkischen Führers gefundenen Ordres und Papiere übergeben, und von einem der Offiziere, der türkisch verstand, schnell übersetzt.

Sie schienen von Wichtigkeit, denn während die Artillerie von Neuem ihr Spiel begann, zog sich der General en chef mit dem Kommandirenden des Corps und einigen der älteren Stabsoffiziere zu einem kurzen Kriegsrat zurück.

Derselbe war in wenig Minuten beendet, und indess General Dannenberg auf's Neue seine Befehle für den Angriff erteilte, winkte der Oberkommandirende den jungen Fürsten zu sich. –

"Ich gratulire, Herr C a p i t a i n " sagte er freundlich; "Sie haben sich in Ihrer ersten Affaire ausgezeichnet, wie ich sehe, selbst auf Kosten einer Wunde, und uns zugleich einen wichtigen Dienst geleistet. Ich breche in diesem Augenblick nach Giurgewo auf, wo, wie ich aus den gefundenen Papieren ersehe, unsere Positionen zugleich bedroht sind. Sie bleiben bei General Dannenberg zurück, der Sie später mit Depeschen an General Anrep und General Lüders senden wird. Von Galacz aus begeben Sie sich nach Odessa zurück. Ich hoffe, Herr kapitän, wir sehen uns bald wieder."

Er galoppirte davon und Fürst Iwan schloss sich, nicht ohne geheimen Stolz und dennoch trübe und ernst, dem Stabe des Kommandirenden an.

Der Tag neigte sich stark, es war bereits 4 Uhr. General Dannenberg hatte die Ordre erhalten, noch einen kräftigen Angriff zu machen und die Türken womöglich aus ihrer Position zu verdrängen, jedenfalls aber die eigene Stellung zu halten.

Die Trommeln gaben das Zeichen zum Antreten, und wiederum gingen die Batterieen vor und eröffneten das Feuer. Dies Mal hatten alle acht Bataillons