. Sie werden Pferde aus meinem Marstall nehmen."
Er winkte zur Entlassung und wandte sich zu einem andern Offizier.
Der Fürst trat ab ziemlich betroffen und misslaunig, denn er schien grosse Wichtigkeit auf die Unterredung mit Frau von Bibesco gelegt zu haben und sah diese jetzt vollständig vereitelt. Major Szamarin begegnete ihm.
"Ich höre, Sie werden dem Scharmützel im Generalstabe beiwohnen. Doch wollen wir uns sputen, dass wir mit den lieben Moslems fertig sind, ehe Sie kommen. Gute Nacht oder guten Morgen, Kamerad, ich muss zu meiner Escadron, die Kerls werden sich freuen, dass endlich der Tanz losgeht."
Beide reichten sich die Hand und trennten sich, der Major, um mit seiner Escadron aufzubrechen, der Fürst, um rasch noch seine kurzen Vorbereitungen zu treffen.
Zwei Stunden darauf wirbelten die Trommeln durch die Strassen und eine Infanterie-Colonne setzte sich bei Sturm und Regen in Bewegung.
Beim ersten Dämmern des Tages folgte ihr der Oberbefehlshaber mit seinem Stabe nach Budeschti. –
O l t e n i t z a , wo der erste grössere Kampf dieses Krieges ausgefochten werden sollte, ist ein kleiner Ort an dem Flüsschen Argisch, kurz vor dessen Einfluss in die Donau, die hier etwa 630 Schritt breit ist und in deren Mitte, doch näher dem linken Ufer und Oltenitza gegenüber, wie wir bereits erwähnt haben, eine ziemlich grosse, stark bewaldete Insel liegt. Links von dem etwas landeinwärts gelegenen Städtchen befindet sich näher am Ufer der Donau das grosse steinerne Quarantainegebäude, in dessen Nähe mehrere alte, nach der Landseite offene Schanzen und Erdwerke vorhanden waren, von den Russen in früheren Kriegen gegen die Türken aufgeworfen. Der Argisch bildet an seinem Ausfluss sich bis an's Donauufer erstreckende Sümpfe, welche die Position beengen und schützen.
Hier hatte wegen der geringeren Breite der Donau auch bei dem Feldzuge von 1828 die russische Armee mit 40,000 Mann am 23. Juni ihren Uebergang nach dem bulgarischen Ufer bewerkstelligt.
Wir haben bereits angeführt, dass die Türken am 2. im Schutz des Nebels ein kleines Corps von der Insel aus auf das linke Ufer geworfen und sich dort in jenen russischen Schanzen festgesetzt hatten. M u s t a p h a - P a s c h a und der spanische Abenteurer General P r i m von Reuss, ein ehemaliger preussischer Lieutenant, der durch die Weiberwirtschaft in Spanien sich zu solchem Range emporgeschwungen hat und mit der Speculation nach der Türkei gekommen war, mindestens e i n Oberkommando zu erhalten, – leiteten die Unternehmung. Im Laufe des 3. – es war ein Donnerstag – hatte sich die Zahl der übergesetzten Truppen bedeutend vermehrt und drängte die russische Vorpostenlinie auf Oltenitza und die in Kanonenschussweite hinter dem Ort belegene befestigte Reservestellung zurück. Am Nachmittag entspann sich ein Gefecht, bei dem die Russen – grösstenteils nur kosacken – sehr im Nachteil waren und Oltenitza räumen mussten, während die Türken ihre Stellung überaus befestigten, auf der Donauinsel zwei Batterieen errichteten und das Quarantainehaus zu einer solchen umgestalteten. Fortwährend kamen zugleich Verstärkungen vom rechten Donauufer an.
Diese misslichen Umstände waren es, die General Pawloff dem Höchstkommandirenden am Nachmittag des Dritten nach dem etwa acht Stunden von Oltenitza entfernten Hauptquartier gemeldet hatte.
Am Freitag Morgen – der Freitag ist der Sonntag der Moslems – standen bereits 14–15,000 Türken3 verschanzt auf dem linken Donauufer in überaus vorteilhafter Position. Dieselbe lehnte sich rechts an die Donau, links an den Argisch. Ihr rechter Flügel war überdies durch mehrere terrassenförmige Batterieen von zusammen 40 Geschützen am rechten Donauufer und auf dem alten Schloss von Tuturkai, ihr linker Flügel durch die beiden bestreichenden Batterieen auf der Donauinsel gedeckt. Die Front, in deren Mitte das steinerne mit 6 Kanonen besetzte Quarantainehaus stand, war durch Schanzkörbe und Pallisaden geschützt, welche sie vom rechten Donauufer herüber gebracht hatten.
Während des ganzen Morgens und Vormittags feuerte die Artillerie gegen einander, doch in solcher Entfernung, dass wenig Erfolg auf beiden Seiten sich zeigte. Gegen Mittag endlich klärte sich das Wetter auf und zugleich rückten von Mutréni-Fundéni und Szanzowa her die consignirten Truppen des Generals von Dannenberg in die ihnen bezeichneten Stellungen.
Dieselben waren, Alles in Allem, 8000 Mann stark4, da die Regimenter alten Schlages, das heisst sehr unvollständig, waren.
General von Dannenberg hatte sich mit dem Stabe unfern Oltenitza aufgestellt. Die kosacken plänkelten auf beiden Seiten, obschon die Stellung des Feindes jeden Flankenangriff hinderte. Das Selenginski'sche Infanterie-Regiment (Nr. 21) unter Oberst Sabatinski, und das Jakutzki'sche Regiment (Nr. 22), geführt vom Oberst Bjalui, standen in Kanonenschussweite in spitzem Winkel aufgestellt, die Mitte für die Artillerie freilassend, die General-Major Wedowitschenko kommandirte. Die Ulanen unter General-Major Kosljaninoff bildeten die Reserve.
Da die Stellung der Türken nirgends umgangen werden konnte, beschloss der General den Frontalangriff. Schon während der Aufstellung der Truppen hatte die türkische Artillerie ihr Feuer aus allen Geschützen und selbst aus einigen auf dem rechten Ufer aufgestellten Mörsern begonnen.
Um ein Uhr gab der russische Befehlshaber das Zeichen zum Angriff und sandte die beiden Batterieen Nr. 3 und 5 bis auf etwa 13–1400 Schritt Entfernung von den feindlichen Schanzwerken vor, wo sie abprotzten und sofort das Feuer gegen die türkischen Verschanzungen eröffneten.
Während einer Stunde spielte die Artillerie, auf beiden Seiten trefflich bedient, wobei es jedoch der russischen gelang, bis auf Kartätschenschussweite vorzugehen.
Die Trommeln wirbelten nunmehr zum Angriff und vier Bataillone des Selenginski'schen, nebst