1855_Goedsche_156_292.txt

Herr Major."

"Aber nur unter der Bedingung, schöne Frau, dass wir dabei nicht zu kurz kommen, und Fürst Oczakoff, der doch nach dem deutschen Reiterliede nur 'im Sturme um den Minnesold werben! Kann', Sie uns nicht entführt."

Der Major verliess die Gruppe und näherte sich dem Fürsten, der jetzt, von dem General en chef entlassen, mit mehreren jungen Offizieren plauderte.

Die Blicke der Dame folgten ihm nicht ohne Unruhe, – nur zerstreut setzte sie die Unterhaltung mit ihrer Umgebung fort.

"Sie haben eine Eroberung gemacht, Fürst," sagte scherzend Herr von Szamarin zu diesem, "ohne dass Sie es wissen. Madame Bibesco, die Königin des Balles, wünscht, dass ich Sie ihr vorstelle."

"Ich habe nicht die Ehre, die Dame zu kennen."

"Eben deshalb will ich Sie vorstellen. Kommen Sie, Fürst. Die schöne Celeste Bibesco ist eine Pariserin und wird Sie dort wahrscheinlich gesehen haben, wenigstens glaubt sie es."

Halb gezwungen folgte Fürst Iwan dem Kameraden, der ihn zu der schönen Bojarenfrau führte. "Hier, Madame, erlaube ich mir, Ihnen unsern gefährlichen Nebenbuhler um Ihre Gunst vorzustellen, Fürst Iwan Oczakoff. Er stammt aus dem land, wo Achill einst vor dem trojanischen Krieg verborgen wurde, und ich hoffe, er hat für die Pfeile aus Ihren schönen Augen auch nicht einmal die verwundbare Stelle, die sein berühmter Landsmann besass." "Man muss nach Russland kommen," sagte die Dame lächelnd, "um die pariser Complimente noch übertroffen zu sehen. Ich höre, Sie waren noch in diesem Sommer in Paris, mein Fürst?" – Ihr Auge lag scharf und deutungsvoll auf ihm. "So ist es, Madame." "Und wann verliessen Sie es?" "Am Abend des 5. Juli." "So bald schon? Ich glaubte, Sie noch später dort gesehen zu haben. Es scheint, dass der 5. Juli ein wichtiger Tag für viele Personen gewesen ist, auch mir war er ein solcher." Der Fürst wurde aufmerksamer. "Meine Abreise kam plötzlich, deshalb habe ich das Datum genau behalten, Madame." "Ich zweifle nicht daran, mein Prinz. Ungewöhnliche Ereignisse haften fest in der Erinnerung, wie es scheint, fester selbst als Gefühle." Ihr blick flog rasch umherdie umgebenden Herren hatten sich rücksichtsvoll einige Schritte zurückgezogen und plauderten, – sie sah sich unbeachtet und benutzte den Augenblick. "Ich hätte kaum geglaubt, Sie glücklich und so bald nach jenem furchtbaren Abend wiederzusehen."

"Madame – –"

"Jetzt wird es mir freilich klar, auf welche Weise es Ihnen gelang, sich zu befreien. Die arme Nini!"

Der Fürst war sehr bleich, in seinem inneren kämpfte sichtlich eine grosse Aufregung.

"Madameich verstehe kaum – –"

"Ei, mein Gott, warum sich der kleinen Avantüre schämen, mein Prinz! Ich bin, wenn Sie es wünschen, die Discretion selbst, nehme aber natürlich auch die Ihre in Anspruch. Wenn Sie Lust haben, weiter mit mir zu plaudern, so sage ich Ihnen den zweiten Contretanz zu. Im Augenblick bin ich engagirt und ich sehe eben meinen Tänzer nahen. Au revoir, mon Prince!"

Am Arm ihres Cchapeaus rauschte sie in die sich bildenden Reihen, während das Orchester den wilden Mazurka begann.

Der Fürst starrte ihr nachseine Augen blieben in ernstem Nachdenken auf die unerwartete Erscheinung gerichtet. Dann legte er die Hand sinnend an die schöne Stirn und suchte eines der Nebenzimmer auf, wo er ungestört seinen Gedanken nachhing.

Erst die Takte, welche zum Antreten der Quadrille riefen, weckten ihn. Er schien seinen Entschluss gefasst zu haben und eilte in den Saal zu seiner Tänzerin, die ihn bereits mit Ungeduld erwartete.

Während die Touren wechselten, spann sich das Gespräch lebhaft weiter.

"Darf ich fragen, ob Sie Nini wieder gesehen haben?"

"Nein, Madame."

"Ich dachte es mir," sagte die schöne Frau mit sichtlicher Erleichterung. "Sie haben demnach gleich nach dem entsetzlichen Auftritt Paris verlassen?"

"So ist es."

"Es konnte Ihnen natürlich nicht schwer werden, Ihre Identität zu beweisen. Doch war es edel und schön von Ihnen, mein Prinz, sich für Ihren Gegner zu opfern."

Der Tanz unterbrach die Unterhaltung.

"Und Nini?" fragte der Fürst, von der Tour zurückkehrend.

"Mon Dieu! die Kleine begleitete ihren Bruder und war am andern Morgen spurlos verschwunden. Wir hatten uns alsbald getrennt, um jede Spur zu verwischen, und ich wagte es erst einige Zeit nachher, unter der Hand mich zu erkundigen. Aber seltsam, auch die Polizei hatte keine Nachfrage angestellt, obschon der Mensch schrecklich kompromittirt sein musste."

Sie schien die Sache mit einiger Verlegenheit zu umgehen. "Sie sind mir die Erzählung Ihres weitern Abenteuers schuldig, mein Prinz."

Der Tanz hatte geendet, der Fürst führte die Dame nach ihrem Platz. "Ich fühle ganz die Pflicht, die ich habe, und sie zu lösen ist für mich wichtiger, als es für Sie von Interesse sein kann, nur scheint hier kaum der Ort dazu. Würde Frau von Bibesco nur wohl erlauben, ihr morgen meine Aufwartung zu machen?"

"Fürst Oczakoff wird mir stets willkommen und ich werde von zwölf Uhr an für ihn