zuvor zu kommen. Wir werden später gelegenheit haben, uns länger mit Kalafat zu beschäftigen und wenden uns daher zu den nächsten Ereignissen im Centrum der Stellung.
Am 1. November waren von den Türken hier gleichfalls mehrere Versuche gegen das linke Donauufer unternommen worden. Von Rustschuk aus etwas stromaufwärts bei Tersentschik war ein Corps von 2000 Mann über die Donau gegangen und plänkelte jetzt gegen Giurgewo, das Rustschuk gegenüber liegt. Hier kommandirte General S s o i m o n o f f . Es erfolgte ein Gefecht längs des Dammes der Stadt ohne grössere gegenseitige Resultate. Am Morgen des 2. hatten die Türken den starken Nebel benutzt, welcher die ganze Donaugegend bedeckte, und einen Dampfer mit mehreren Kanonenböten von Rustschuk gegen Giurgewo geschickt. Die Schiffe waren schon in den Kanal eingedrungen, welcher gegen die Quarantaine führt, als sie von den Russen bemerkt wurden. Es entspann sich alsbald eine lebhafte Kanonade, die nach mehreren Stunden mit einem Rückzug der türkischen Schiffe endete. Am nächsten Tage wiederholte sich dies Spiel.
Von Tuturkai aus wurde der dritte Versuch zur selben Zeit gemacht und hier beabsichtigten, wie die späteren Ereignisse ergaben, die Türken den Hauptstoss. Tuturkai selbst war in der letzten Zeit stark befestigt worden, und unter dem Schutz des buschigen und bergigen Ufers war es gelungen, ein Corps von 14,000 Mann zwischen hier und Tschischatscha zu concentriren, durch die nötigen Reserven gedeckt, ohne dass die Russen die drohende Gefahr bemerkten. Am 1. November setzten die Türken auf die zwischen Tuturkai und Oltenitza, näher am letzteren Ort liegende Insel über und begannen diese zu befestigen. Von hier aus fassten sie am 2. Position auf dem linken Ufer unterhalb Oltenitza. Am Morgen des 3. standen bereits etwa 5000 Mann auf der Insel. Das Buschwerk derselben verhinderte jedoch auch hier die Russen, die Zahl und die Vorbereitungen ihrer Gegner zu erkennen.
Der Commandeur der II. Infanterie-Division des IV. Armee-Corps, General-Lieutenant P a w l o f f , befehligte in Oltenitza, hatte aber nur eine geringe Truppenzahl bei sich.
Dies war die gegenseitige Stellung am Abend des 3. November. –
Fürst G o r t s c h a k o f f mit seinem Adjutanten hatte selbst den Ball des General-Consuls mit seinem Besuch beehrt, und eine grosse Anzahl der Offiziere des Dannenberg'schen (IV.) Corps befand sich aus den umliegenden Stationen auf Urlaub anwesend, da die Gefahr an keinem Punkte sehr dringend erschien und man die Vorposten-Positionen an der Donau für genügend hielt, jeden Versuch zu vereiteln, oder die übergegangenen Streifcorps zurückzuwerfen.
Unter den Gruppen des Balles zog jene die Aufmerksamkeit auf sich, die sich um die Schönheit des Tages gebildet hatte. Es war die Gattin eines erst seit wenigen Wochen aus Paris zurückgekehrten Bojaren aus der reichen und angesehenen Familie der Bibesco, und obschon es sehr gewöhnlich ist, dass die galanten Damen von Paris, wenn sie dort ihre Rolle ausgespielt haben oder durch irgend einen Umstand sich veranlasst sehen, Paris zu meiden, sich von ihren slavischen Anbetern, – und Paris wimmelt in Friedenszeiten von Mitgliedern des reichen slavischen, magyarischen und romanischen Adels, – zu der wilden Heimat entführen lassen, oder auch selbst auf eigene Hand nach Bukarest, Galacz und Jassy kommen, um dort einen goldenen fisch zu angeln und mit ihrer Hand zu beglückken, – so war Madame B i b e s c o doch wohl geeignet, unter allen ihren Nebenbuhlerinnen den Sieg davon zu tragen.
Eine hohe, schlanke Gestalt, das Haar cendré, der Teint sein und leicht gerötet, ein Bild, das dem Leser nur flüchtig am Abend des 5. Juli in der Strasse St. Josef zu Paris von uns vorgeführt worden ist. Der spöttisch verzogene Mund warf rechts und links seine Wortblitze, während das schmachtende Auge durch die brillanten-besetzte Lorgnette achtlos über den Kreis hinaus kokettirte, der sich um sie gebildet hatte.
Plötzlich erbleichte das schöne Gesicht und dann
schoss eine dunkle Röte auf Hals und Antlitz. Frau von Bibesco wandte sich rasch zu einem der Offiziere und begann ein gleichgültiges Gespräch, während dessen sie ihre Aufregung zu unterdrücken suchte. Alsdann wieder das Lorgnon vornehmend, liess sie ihre Blicke nochmals wie zufällig durch den Saal schweifen und endlich an einer entfernten Gruppe älterer Offiziere haften.
"Können Sie mir sagen, Herr v o n S z a m a
r i n , " wandte sich die Dame an einen ihrer Verehrer, einen Ulanen-Major vom Regiment Olwiopol, "wer der junge Offizier ist, so viel ich von Ihren Uniformen verstehe, von der Garde, der eben mit dem Oberbefehlshaber spricht? Mich dünkt, ich müsste dies interessante Gesicht bereits gesehen haben."
"Ich kann Ihnen dienen, gnädige Frau," erwiderte
der Offizier galant. "Mit Ihren scharfen Augen haben Sie einen Adonis der russischen Armee herausgefunden, Fürst I w a n O c z a k o f f , und es ist möglich, dass Sie ihn bereits gesehen, da er einige Zeit der Gesandtschaft in Paris beigegeben war. Ich habe die Ehre, den Fürsten und seine schöne Schwester, die, wie ich höre, leider krank von Paris zurückgekehrt ist, von Petersburg her zu kennen. Er steht augenblicklich beim Stabe des Fürsten Mentschikoff und ist gestern als Courier mit Depeschen von Odessa hier eingetroffen. Befehlen Sie, dass ich Ihnen den Fürsten vorstelle?"
"Sie werden mich verbinden,