letzten Orte entfernt, genommen. Der linke Flügel dieser Aufstellung in der Walachei stand unter dem Kommando des Generals Anrep, auf Kalarasch gestützt, den Türken bei Silistria gegenüber, während General Lüders die Moldaugränze bei Galacz besetzt hatte. General Dannenberg hielt die Mittellinie an der Donau und Giurgewo, Rustschuk gegenüber, und General von Fischbach den rechten Flügel an der Aluta bis Krajowa gegen Kalafat, nachdem man törichter Weise den Türken gestattet hatte, sich hier festzusetzen. Fürst Gortschakoff behielt, wie erwähnt, die Reserve des Mitteltreffens bei sich, und die russischen Truppen waren durch das strategische Talent des Generalstabs-Chefs Generals von Kotzebue so geschickt aufgestellt, dass es von dem durch die natur so überwiegend begünstigten bulgarischen Ufer doch nicht möglich war, ihre Verteilung und Bewegungen zu erspähen, während andererseits vierundzwanzig Stunden genügten, um 30,000 Mann russischer Truppen auf einem der Hauptpunkte zu concentriren.
Auf türkischer Seite befand sich das Hauptquartier und der Centralpunkt der Operationen gegen die Donau in Schumla, doch war in diesem Augenblick Omer Pascha bereits an der Donau im Centrum der Stellung eingetroffen. Den rechten Flügel stützte er auf Hirsowa und Silistria, von Izzet-Pascha kommandirt, den linken, bereits über die Donau vorgeschoben, auf Widdin und Kalafat.
Hier kommandirte Sami-Pascha. Der Sirdar befehligte auf dieser ausgedehnten Stellung ungefähr 100–120,000 Mann, teils Nischam (Linie), teils Redifs (Landwehr) und Baschi-Bozuks (Irreguläre)1. Eine Masse europäischer Flüchtlinge aller Länder befand sich nicht bloss in seiner nächsten Umgebung, sondern auch als Offiziere und selbst als Gemeine in dem ganzen Heer, zum grossen teil Renegaten, da durch die Bemühungen des Muschirs bei dem Uebertritt der ungarischen Armee im Jahre 1849 Offiziere und Soldaten in Masse dem Religionswechsel des greisen Generals Bem gefolgt waren. Es wird für die Leser, die nicht gleich eine Karte des damaligen Kriegsschauplatzes zur Hand haben, wenigstens ein übersichtliches Bild gewähren, nachstehend die einander gegenüber liegenden Hauptpunkte des linken und rechten Donauufers angeführt zu sehen. Wir beginnen von der serbisch-österreichischen Gränze aus, den Lauf der Donau bis Galatz, also bis zu dem Punkt verfolgend, wo die grosse Walachei, die Moldau, die Dobrudscha und das russische Gebiet von Bessarabien an ihren Ufern zusammenstossen.
Krajowa Bukarest
Kalafat ––––– Turnul Simnitza Giurgewo Oltenitza – – – – – – Widdin Rahova Nicopoli Schistowa Rustschuk Tuturkai Kalarasch Futestie ––––– Brailow Galatz – – – – Silistria Hassowa Hirsowa Matschin ––––– Isaktscha
Das türkische (bulgarische) Ufer bildet bereits von Matschin aus eine fast ununterbrochen fortlaufende Bergwand, während die walachischen Ufer, mit wenigen Unterbrechungen flach und sumpfig, den Ueberschwemmungen der Donau ausgesetzt sind, so dass die gewöhnlichen Gränz- und Quarantainewachen am Ufer in Wachtäusern kampiren müssen. Die Donau teilt sich an vielen Stellen in mehrere arme und bildet grössere und kleinere Inseln. Ihre Breite ist demnach sehr wechselnd. und zwar von türkischer Seite, bei I s a k t s c h a 2, einer kleinen türkischen Festung in der Dobrudscha, begonnen. Fürst Gortschakoff hatte den Befehl erteilt, dass ein teil der in den Mündungen ankernden russischen Donau-Flotille den Fluss herauf bis Galatz fahren solle, um für etwaige Operationen bei der Hand zu sein. Der Befehl lautete, bei Nacht an den Festungswerken von Isaktscha und den von den Türken dort angelegten Schanzen vorüber zu fahren; der Kommandant, kapitän Werpakhowsky, und alle Offiziere der Flotille erbaten jedoch die erlaubnis, die Festung bei Tage zu passiren, als eine Gnade. Das Geschwader, aus den Kriegsdampfern "Prut" und "Ordinarez", jeder vier Kanonenboote im Schlepptau, bestehend, näherte sich um 81/2 Uhr Morgens den 23. October Isaktscha und sofort eröffneten die Türken das Feuer aus 27 Geschützen, worauf sich eine lebhafte Kanonade von beiden Seiten entspann, die fast andertalb Stunden währte. Zwei der Kanonenboote wurden durch das türkische Feuer so beschädigt, dass sie nur bis Reni gebracht werden konnten, die anderen Schiffe jedoch trafen am Abend in Galatz ein. Ein grosser teil der Stadt Isaktscha war durch die russischen Bomben in Flammen gesteckt; unter den dreizehn toten des kleinen Geschwaders befand sich auch sein tapferer Kommandant Werpakhowsky. Sechsundvierzig Mann wurden verwundet. –
Am 25. October hatten die Türken unter S a m i -Pascha, dem Gouverneur von Widdin, den ersten Uebergang über die Donau unternommen. Die zwischen Widdin und Kalafat belegene Insel wurde von einem Corps von 2000 Mann besetzt und befestigt, ohne dass die Russen, deren schwache Vorposten in Kalafat standen, dies im Geringsten zu hindern suchten.
Selbst als am Nachmittag des 27. von der Insel aus die Türken unter dem Befehl von I s m a ë l -Pascha das linke Ufer unterhalb Kalafat betraten, sahen die russischen Offiziere von dem auf der Höhe belegenen Kaffeehause dem feindlichen Uebergang gemütlich zu, bis es zu spät war, die verlorenen Vorteile wieder zu gewinnen. Die russische Garnison räumte Kalafat, und nach Mitternacht rückte die Avantgarde der Türken dort ein. Die Stärke derselben betrug damals höchstens 7–8000 Mann. Sofort begannen sie die von natur äusserst feste Position durch Schanzwerke zu verstärken und es bildete sich jenes über eine halbe deutsche Meile lange Vollwerk, an dem der Lorbeer des Fürsten von Warschau noch diesseits des Grabes seine ersten Blätter verlieren sollte.
Die ziemlich abgesonderte, und strategisch ausserdem ganz unnütze Position war von dem Muschir kluger Weise eingenommen worden, um jenem grossen Plan der Russen auf die Verbindung mit Serbien und die Erhebung des serbischen Volkes gegen die Türkei