5 Kadi's und Mollah's heissen die Richter, Mufti's überhaupt die Rechtsgelehrten. 6 Torwächter. 7 Lastträger. Dieselben schleppen auf dem rücken die erstaunlichsten Lasten durch die bergigen Strassen.
Oltenitza.
I. Des Donners Grollen.
Ein glänzender Ball beim preussischen General-Consul in den Donau-Fürstentümern hatte eine Anzahl Offiziere des russischen Heeres und die Elite der vornehmen Welt von Bukarest versammelt.
Herr v o n M e u s e b a c h , einer der wenigen Glücklichen, die sich für mutiges conservatives Auftreten in den Sturmjahren von Achtundvierzig und Neunundvierzig eines offiziellen Dankes zu erfreuen hatten, wenn auch hors de Berlin durch eine Mission in's Land der Wilden oder Halbwilden, hat seine gemütliche und furchtlose Ruhe, mit der er einst der erbitterten Linken das Mene Tekel: "Die Versammlung riecht nach Leichen!" von der Tribüne entgegen warf, auch unter den Bojaren bewahrt und vertritt dort die Flagge seines Königs, wie schon mehrere Gelegenheiten bekundet haben, würdig und nicht ohne Glanz. Junggesell, mit Vermögen und von lebenslustigem Charakter, hat er sich vielfach den orientalischen Sitten bequemt und bildet einen Centralpunkt für den geselligen Verkehr der Fremden und Einheimischen von Bukarest.
Es ist bekannt, dass bald nach der Besetzung der Donau-Fürstentümer das russische Ober-Kommando seine Macht auch auf die administrative Verwaltung ausdehnte und am 23. Juli den Hospodaren befahl, die Verbindung mit Constantinopel abzubrechen und den Tribut nicht mehr nach Constantinopel zu senden, sondern in der Staatskasse zu belassen. Bereits unterm 25. Juli forderte demnach Reschid Pascha die Hospodare, die Fürsten Stirbei in Bukarest und Ghika in Jassy auf, die Fürstentümer zu verlassen und nach Constantinopel zu kommen. Die eigentümliche Zwitterstellung, welche die Regierung der Moldau und Walachei seit langer Zeit zwischen der Oberhoheit des Sultans und dem fremden, namentlich russischen und österreichischen, Einfluss eingenommen, veranlasste die Fürsten, dem Befehl durch Zögerung auszuweichen, obschon derselbe am 30. August wiederholt wurde. Die Stellung der machtlosen Fürsten zwischen den beiden Gewalten liess sich unmöglich länger halten und sie erklärten, die Regierung niederlegen zu wollen. Fürst S t i r b e y verliess mit Bewilligung des russischen Oberbefehlshabers am 29. October Bukarest und ging über Herrmanstadt nach Wien. Die Regierung blieb einem ausserordentlichen Verwaltungsrat übertragen, während bald darauf General von Budberg zum russischen Commissar und ausserordentlichen Civil-Bevollmächtigten in den Fürstentümern ernannt wurde und an die Spitze der obern Leitung trat. Ebenso verliess der Fürst G h i k a Jassy, um gleichfalls nach Wien zu gehen, und der General Fürst Usuroff trat dort an die Spitze des Administrationsrates. Viele Bojarenfamilien folgten den beiden Hospodaren und zogen sich nach Oesterreich zurück, andere – die zum teil von den Verhältnissen Nutzen zu ziehen hofften – blieben jedoch im land.
Die neue Administration brach allen Verkehr mit der Türkei ab und benachrichtigte davon die fremden Consuln. Ein Erlass versprach den Walachen, die in die russische Armee treten wollten, verschiedene Vorteile, und die Einverleibung der moldau-walachischen Contingente wurde vorbereitet.
England und Frankreich hatten bereits im Juli gegen die Besetzung der Fürstentümer protestirt und erklärt, dass sie eine Dauer derselben nicht dulden würden.
Am 31. October, an demselben Tage, an welchem Kaiser N i c o l a u s das Manifest an sein Volk mit der Ankündigung des Krieges richtete, – erhielten die englischen und französischen Generalconsuln und Consuln in den Donaufürstentümern den Befehl ihrer Regierungen, das Land zu verlassen.
Dies war im Augenblick – jenes fest, das wir zu Anfang dieses Kapitels erwähnt, fand am 3. November statt, – die administrative Lage in den occupirten Ländern auf dem linken Donauufer. Es ist nötig, dass wir zunächst einen Ueberblick über die militairische Lage und die letzten Ereignisse geben.
Offenbar hatte sich das russische Cabinet über den Erfolg sehr getäuscht, welchen ein gewaltsames Vorgehen von seiner Seite zur Lösung der schwebenden fragen haben würde. Die Türkei hatte in militairischer Beziehung die Zusage und den Schutz Frankreichs und Englands hinter sich, an die Kaiser Nicolaus noch immer nicht glauben wollte, und das andere Europa – wie selbst von Denen nicht geleugnet wird, die auf russischer Seite in dem grossen Kampfe standen, – war des mit Unvorsichtigkeit und Anmaassung dominirt habenden russischen Einflusses müde.
Der Glaube an die Macht dieses Einflusses hatte Russland zu seinem Vorgehen verführt, ohne dass genügende militairische Vorbereitungen getroffen waren. In anderer Beziehung ist diese Unterlassung wieder Bürge dafür, dass man die Zwecke ohne E r o b e r u n g zu erreichen glaubte.
Im Ganzen hatten nur ungefähr 77,000 Mann den Prut überschritten, nämlich das vierte Corps, eine Division und die Reiterei des fünften, und das war natürlich eine zu geringe Macht, um damit einen Krieg gegen die Türkei zu führen. Eine Division des fünften Armeecorps rückte später von Odessa nach, und erst als die Ereignisse zeigten, dass die Türken den Kampf aufnehmen würden, erhielt das dritte russische Armeecorps, geführt vom General von Osten-Sacken, Befehl, die Armee zu verstärken und rückte in Eilmärschen nach der Moldau, die sein Vortrab am 14. November betrat.
Der grösste teil der russischen Occupationsarmee – wie gesagt circa 80,000 Mann – hatte seine Stellung in der Walachei genommen und dehnte sich entlang der Donau aus. Fürst Gortschakoff hatte sein Hauptquartier teils in Bukarest, teils in Budeschti, einem kleinen Flecken zwischen Bukarest, Giurgewo und Oltenitza, etwa fünf Meilen von dem ersteren, drei von dem