1855_Goedsche_156_279.txt

blinkten die schweren Yatagans mit dem bleigrauen Glanz der ächten Klingen.

Ein letztes Zeichen des Baschi's, die Trommel wirbelte und der Eine der Khawassen führte den ersten Streich.

Das Urteil der fünf Yataganhiebe ist nur eine Formel, – die Henker der Türkei sind ihres f ü n f t e n Hiebes sicher. V i e r M a l hob sich der Yatagan und fiel auf den Nacken des Klephten, kaum die Haut blutig ritzend, dann sprang der Khawass zurück und der Zweite im selben Moment herbei.

"R a c h e f ü r C h i o s ! – F l a m m e n v o n Tschesme!"

Der schrille Ruf der Knabenstimme übergellte laut den Trommelwirbel und das Zischen des Hiebes – – weit von dem Nacken rollte das Haupt auf den Boden hin. Krampfhaft öffnete und schloss sich der Hals, Ströme von Blut ausspritzend, – dann fiel der Leib des Gerichteten schwer vorn über zur Erde.

Durch den Kreis der Khawassen, der sich rasch loste, brach der Knabe Mauro und warf sich mit wildem Geschrei auf den blutenden noch lebenswarmen Körper seines Schützers und Verwandten. Der kühne Trotz war gebrochen, die leidenschaftliche griechische natur machte sich geltend in ihrer vollen Heftigkeit, und Schrei auf Schrei durchgellte die Luft, vermischt mit wilden Klagen und Verwünschungen gegen die Moslems.

Neben ihm und der Leiche knieete Gregor Caraiskakis im stillen Gebet.

Ohne sich um die Tränen und Verwünschungen zu kümmern, nahmen die blutigen Diener der türkischen Justiz das Haupt des Gerichteten und befestigten es auf einer eisernen Spitze über dem Tor. Zugleich wurden dessen Pforten geöffnet und das Volk strömte unbehindert in den Hof und zur Richtstätte.

Der Pascha hatte sehr richtig gerechnet, die Vollziehung des Urteils hob jede Gefahr auf und brach die Aufregung des Pöbels. Wohl erging sich derselbe in Geschrei und bitteren Verwünschungen, indess auf solche achtet der Türke nicht; in der Türkei herrscht unbedingte Redefreiheit, und wo der Hass und der Schmerz Worte findet, wird er selten zur Tat.

In dem Gebet an der Leiche des Getreuen störte Caraiskakis eine Hand, die sich auf seine Schulter legte, eine stimme sagte ihm leise:

"Im Namen und Auftrag Jani's des Palikaren soll ich Euch mit mir führen von dieser Stätte, die Euch Gefahr droht. Ich habe gelobt, für Eure Sicherheit zu sorgen."

Als Gregor emporschaute, sah er einen alten Mann in dem fliegenden schwarzen Gewand der Armenier vor sich. Fast willenlos gehorchte er der Aufforderung und erhob sich. Er sah, wie ein anderer Mann den Knaben Mauro an die Hand nahm und folgte dem Unbekannten, nachdem ihn dieser versichert hatte, dass für die passende Beerdigung der Leiche bereits gesorgt worden.

Sein Führer geleitete ihn durch die Gassen der Türkenstadt zu dem fränkischen Quartier und hier in eines der Häuser, deren Hof bis an's Ufer des Meeres stösst. Hier wurde ihm eine kurze Erholung gegönnt, und da er jede Erfrischung von sich wies, bestiegen die Vier alsbald ein Boot, das sie zu dem auf der Höhe des Hafens ankernden Lloyd-Dampfschiff führte, das binnen zwei Stunden seine Fahrt nach Constantinopel fortsetzen sollte.

Der Greis in armenischer Kleidung hatte für Pass und Passagierbillet gesorgtAlles schien bereits vorbereitet. Auf dem Verdeck nahm der Alte die Hand des Griechen und führte ihn an eine einsame Stelle des Bollwerks, von der sie hinüberschauen konnten nach der ausgedehnten Stadt.

"Ich bin Ihr Landsmann und Glaubensgenosse, Herr," sagte er, "und habe dies Gewand nur angelegt, um weniger beachtet zu werden. Mein Auftrag ist erfüllt und ich habe Ihnen jetzt nur noch wenige Worte zu sagen und Einiges zu übergeben. Wenn auf Ihrer ferneren Laufbahn Ihr Gedanke oder Ihr blick nach jener Stadt zurückkehrt, dann erinnern Sie sich, dass dort ein Grab ist, das für Sie geöffnet worden. Janos, der Kameeltreiber, ist für Sie gestorben, und diese Schrift, mit seinem Lebensblut bespritzt und nach seinem Befehl von der Brust seiner Leiche genommen, wird Ihnen Kunde davon geben. Janos war von uns zu hohen Dingen bestimmt, e r hat uns auf Sie verwiesen, als jünger und geeigneter für den grossen Kampf, der sich bereitet. Wir wissen, dass Sie mit Ihren Brüdern der Elpis angehören und nie im Kriege gegen unsere Unterdrücker nachlassen werden. Was Janos besasskein Tropfen griechischen Blutes, kein Para griechischen Geldes klebt daran, – hatte er bei uns niedergelegt und zu einem Vermächtniss für Sie bestimmt, auf dass Sie es im Kampfe für unsere heilige Sache und zur Verfolgung Ihres Feindes verwenden mögen. Die Griechen der Hetärie von Smyrna haben das Fehlende hinzugetan, und ich überliefere Ihnen hier hunderttausend Piaster in drei Wechseln auf Constantinopel, Varna und Odessa. Möge der heilige Demetrius Sie schützen und segnen, Sie und diesen Knaben."

Er reichte dem von der unerwarteten Kunde zu Boden Gedrückten die Hand, wehrte die stürmischen fragen des Griechen zurück, ihn auf den Knaben verweisend, und bestieg die Barke, die ihn nach Smyrna zurücktrug.

Das war es, was G r e g o r C a r a i s k a k i s dem Freunde am Morgen nach der blutigen Tat an Paduani erzählte, indem er ihm zugleich das heilige Dokument seiner Befreiung zeigte. Eine finstere, entschlossene Ruhe, ein noch strengerer Ernst, als er schon früher stets gezeigt, schien sich über das ganze Wesen des Griechen gelagert zu haben, ganz gegen