der allgemeinen Truppensendungen nach Rumelien und zum Heer unter Selim-Pascha bei Tortum und Batum sehr schwach. Der Gouverneur liess daher das Tor des Konaks schliessen und befahl, die Hinrichtung im hof desselben vorzunehmen, während dergleichen sonst in den Strassen der Stadt zur öffentlichen Warnung zu geschehen pflegt. Es ist Gebrauch, die Leichname der Gerichteten eine Zeit lang am Ort der Hinrichtung liegen zu lassen, bis sie den Freunden oder Verwandten überlassen werden.
Als Janos in die Zelle zurückkam, verkündete sein Auge dem harrenden Freunde, den man wegen der Anwesenheit seines eigenen Anklägers nicht zum Gericht zugelassen hatte, das Bevorstehende. Obschon ein eifriger Feind des Glaubens des Propheten, hatte der Wegelagerer doch längst jene Gleichgültigkeit gegen das Leben angenommen, welche den Orientalen im Allgemeinen eigen ist, und er unterwarf sich dem tod, als dem unvermeidlichen "Kismet," mit einer Ruhe und Würde, welche das Erhabene seiner Aufopferung noch erhöhte. Er selbst beruhigte den Tieferschütterten und sprach ihm Mut ein, indem er ihm zugleich das Versprechen abnahm, für den Knaben Mauro zu sorgen und ihn zu seinem Rächer zu erziehen. Der Knabe selbst, der ohne eine Miene zu ändern, dem Gericht des Pascha's zugehört hatte, hielt stumm die Hand seines Oheims. Nur seine keuchende Brust und das wild, ja mörderisch flammende Auge, wenn es sich durch die offene Tür auf die Khawassen richtete, zeigte den Sturm leidenschaftlicher Gefühle in seinem inneren.
So war die Mittagsstunde heran gekommen, die bestimmte Zeit, und ein kurzer Trommelwirbel der aufgestellten Soldatenabteilung verkündete den Beginn der furchtbaren Handlung.
Beim ersten Schlag der Trommel richtete sich der Räuber, der mit Gregor zum Gebet niedergeknieet war, in die Höhe und schlug das griechische Zeichen des Kreuzes. Dann trat er auf den Mann zu, den er einst als Kind aus den Händen der Moslems gerettet und jetzt wieder von Schmach und Kerker mit dem eigenen Leben lösen wollte.
"Gregor Caraiskakis," sagte er ernst, "der dreieinige Gott mit seinen Heiligen und den seligen Geistern derer, die für das Kreuz gestorben, schaut auf uns herab in dieser Stunde. Auch Dein Vater ist unter ihnen und ich hebe meine Hand auf zu ihm und hoffe, dass er Fürbitte einlegen wird für meine Sünden, denn treu und fest zum tod habe ich meinen Schwur gehalten, sein Blut zu retten und zu schützen. – Ich bin alt – mein Weg ging abwärts, der Deine hinauf – der morsche Eichbaum sinkt vor den drohenden Stürmen, der kräftige junge Stamm wird ihnen trotzen. Lebe wohl, Gregor Caraiskakis, und vergiss des gerechten Hasses nimmer, so wahr Dir und mir der Gott unserer Väter barmherzig sein möge!"
Die Gewehre der Wache rasselten auf dem Pflaster, die Khawassen traten in den Eingang der Zelle, als sich Gregor mit männlichen Tränen an die Brust des Verurteilten warf. Auch über dessen braune Wangen rollte das feuchte Auge zwei Tropfen als letzten Scheidegruss an das Leben, dann riss er sich kräftig los.
"Sollen wir Weiber sein vor diesen Moslems in der Stunde des Todes nach einem Leben voll Kampf und Rache? Fluch und Hass ihnen bis zum letzten Hauch! Und Du, Knabe, der Du die geschichte meiner Jugend mit erregtem Herzen angehört, wenn der Todesengel die Hand auf mich legt, gieb mir den Ruf mit hinüber, dessen Erinnerung so oft mir die Brust gehoben: Gott und die Heiligen! – C h i o s und T s c h e sme!"
Der Knabe drückte ihm krampfig die Hand, – keine Träne stand in dem dunkel glühenden Antlitz des Kindes; – als Gregor's Blicke auf dieses fielen, schämte auch er sich des Schmerzes und starr und finster nahm er die andere Hand des Räubers, der in ihrer Mitte ruhig und stolzen Blickes hinaus schritt in den Hof.
Wo der Türke den Henker macht, sind der Vorbereitungen wenige nötig – das furchtbar-feierliche Gepränge, das bei uns die Akte der menschlichen Gerechtigkeit umgiebt, ist dort gänzlich unbekannt.
Am Fenster des Selamlik stand der Pascha, umgeben von seinen Offizieren und ruhig seinen Schibuk rauchend. Wachen der Redifs hatten das Tor und die Ausgänge besetzt, in der Mitte des Hofes bildeten die Khawassen und Tschauschi's einen weiten Kreis, in dessen Innerm die beiden zur lebenslänglichen Galeerenstrafe verurteilten gefährten des kühnen Räubers standen; neben ihnen, in kurze braune Mäntel gehüllt, die zwei Khawassen, welche das Amt des Nachrichters versehen sollten.
Hierher wurde Janos geführt – noch ein Händedruck und der Mann und der Knabe mussten am Eingang des Kreises zurückbleiben.
Mit festem Schritt betrat der Klephte die Mitte, während die letzten Genossen seines wilden Lebens sich trotz der Fesseln an ihren Gliedern auf ihn stürzten und seine hände und Kleider mit Küssen bedeckten. Die Tschauschi's rissen sie von ihm und auf einen Wink des Khawass-Baschi knieete der Räuber, das Zeichen des Kreuzes schlagend, auf den Boden nieder, indess einer der Tschauschi's seine gefesselten hände schnell auf dem rücken zusammen band.
Ein letzter blick – ein letzter Gruss – streifte Gregor, den Knaben, die treuen Genossen, die ihrem Führer zum Kerker gefolgt waren, und das schöne Licht der Sonne!
"G o t t u n d d i e H e i l i g e n ! "
Die helle stimme des Knaben rief es schneidend in den stillen Kreis – die beiden Khawassen neben dem Knieenden warfen die kurdischen Mäntel ab, – in ihren Händen