das Anerbieten der Selbstauslieferung des Räubers gemacht. Wir haben den Fortgang der Verhandlungen gesehen.
Am zweiten Tage, als Janos nochmals zum Gouverneur gerufen worden, machte dieser ihm den Vorschlag, als Renegat in seinen Dienst zu treten und das Amt eines Khawass-Baschi zu übernehmen, ein Posten, der – wie man in Frankreich und selbst in deutschen Ländern die Spitzbuben, Revolutionaire und sonstige anrüchige Personen schon oft mit Erfolg zu Polizeibeamten gemacht hat – in der Türkei sehr häufig das Ende einer Räuberlaufbahn ist. Aber Janos verweigerte trotz aller Vorstellungen des ihm sonst drohenden Schicksals standhaft die Annahme des Vorschlags.
So verging auch der dritte Tag unter den Vorbereitungen, die der Pascha zu dem Gericht über den Räuber treffen liess.
Am Nachmittag hielt Janos noch eine längere Unterredung mit mehreren angesehenen Griechen aus Smyrna und schien an diese seine Verfügungen getroffen zu haben. Als die Sonne im Westen in den prachtvollen Golf von Vurla verschwand und ihre letzten roten Strahlen den Pagus färbten, traten die Khawassen des Pascha's zu Janos und seinen zwei gefährten, die sein Schicksal teilen wollten, und legten ihnen schwere Fesseln an. Die drei Sonnen der Gastfreundschaft waren vorüber, die nächste sollte über dem Gericht aufgehen. Zugleich öffnete sich das gefängnis des Konaks, die noch von dem schweren Krankenlager erschlaffte Gestalt G r e g o r ' s wurde herausgeführt und der Kiaia-Bei verkündete ihm seine Freilassung mit dem Bedeuten, dass er Smyrna spätestens am morgenden Tage zu verlassen habe.
Das Wiedersehen des Hellenen mit dem gefesselten Freunde seiner Kindheit war ergreifend. Er ahnte Nichts von dem heldenmütigen Opfer des Räubers und glaubte ihn auf einem seiner Streifzüge von den Leuten des Gouverneurs gefangen, und mit keinem laut verriet der Bandit sein geheimnis. Gregor warf sich – unbekümmert um das blutige Handwerk des Mannes – wie ein Freund in seine arme und beklagte, des eigenen vergessend, sein Schicksal. Auf den ausdrücklichen Wunsch des Räubers hatte Ismaël-Pascha gestattet, dass der Freigelassene bis zur herannahenden Katastrophe in seiner Gesellschaft bleiben durfte, und Beide verbrachten die Nacht mit dem Knaben Mauro allein in der Zelle des Gefangenen.
Hier erst hörte Janos mit stummem Grimm die neue Entführung des Mädchens, das Duell des Griechen mit Sir Maubridge und die Quelle seiner Verhaftung. Aus seinem mund dagegen erfuhr Caraiskakis, dass bereits am andern Morgen, noch ehe er selbst Smyrna verlassen werde, das Schicksal des Klephten3 entschieden sein würde. Janos täuschte sich keinen Moment über dasselbe und alle seine Worte hatten das ernste Gepräge des letzten Vermächtnisses an einen Freund vor dem schweren Gange zur Ewigkeit.
Seine Rede, der der Mann und der Knabe aufmerksam während der Nacht lauschten, atmete in jedem laut den tiefen Hass des griechischen Volkes gegen seine Unterdrücker und Tyrannen. Sie mahnte Gregor an den Heldentod des Vaters, an die teuren Gelübde, die er der Befreiung seines Volkes und seines Glaubens beim Eintritt in den Bund der Elpis geschworen, und Mann und Knabe wiederholten das Gelöbniss eines nur mit dem Leben endenden Hasses und Kampfes gegen den Halbmond.
Erst gegen Morgen legte sich der Palikare zum Schlaf – es sollte der letzte sein, von dem er auf dieser Erde wieder erwachte.
Der Khawass-Baschi – dessen Nachfolger zu werden er verschmäht – weckte ihn und führte ihn, begleitet von seinen beiden Genossen und Mauro, in die grosse Halle des Konaks, die für die öffentlichen Gerichtssitzungen diente. Hier waren bereits der Gouverneur mit seinen beiden Schreibern, sein Kiaia-Bei, der Kadi-Askar4 Smyrna's und eine Anzahl Mollah's und Mufti's5 versammelt, desgleichen mehrere europäische Consuln und ein zahlreiches Publikum, meist Griechen.
Ismaël-Pascha präsidirte selbst der Gerichtsverhandlung und es wurden zahlreiche Zeugen vernommen, die sich teils selbst in der Gewalt der Wegelagerer befunden, teils Freunde oder Verwandte mit schweren Summen ausgelöst hatten. Auch mehrere Mordtaten wurden dem Gefangenen nachgewiesen und der englische Vice-Consul beharrte gleichfalls auf seiner Klage wegen Einbruchs und Mordes. Das Antlitz des Räubers blieb kalt und teilnahmlos bei all den Anklagen und sich häufenden Beweisen; er versuchte mit keinem Wort, seine Taten zu beschönigen, sondern beschränkte seine Verteidigung einzig auf die Erklärung, dass er nur gegen die Feinde seines Glaubens und seines Volkes also gehandelt habe. Desgleichen weigerte er sich auch jetzt, die Namen seiner Zuträger und Freunde in Smyrna zu nennen und suchte möglichst alle Schuld von seinen beiden gefährten ab und auf sich zu nehmen.
Unter diesen Umständen konnte der Ausgang des Prozesses keinen Augenblick zweifelhaft sein und die Verhandlung wurde nach einer Dauer von kaum zwei Stunden geschlossen. Der Rat der Mollah's fällte das Urteil, dass Jani – genannt Katarchi – als überwiesener Mörder und Wegelagerer die Strafe von fünf Yataganhieben zu erleiden habe. Seine beiden gefährten wurden zu lebenslänglicher schwerer Galeerenstrafe verurteilt, und nachdem der Gouverneur das Urteil bestätigt hatte, verkündete es ein Ausrufer von der Schwelle des Gerichtssaales und in den Gassen der Stadt.
In der Türkei folgt die Vollstreckung des Urteils dessen Ausspruch gewöhnlich auf dem fuss, und von den Tauschi's und Khawassen umgeben wurde der Verurteilte alsbald nach seiner Zelle zurückgebracht, um sich in der kurzen Frist, die ihm noch gegönnt war, zum tod vorzubereiten.
Eine rasche Vollstreckung des Urteils hielt der Pascha um so notwendiger, als sich bereits während der Verhandlungen unter der zahlreichen griechischen Bevölkerung Smyrna's eine grosse Aufregung kund gegeben hatte, die einen gewaltsamen Versuch zur Befreiung ihres Helden und Palikaren fürchten liess. Die Besatzung Smyrna's war zur Zeit wegen