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Wexbecker, den österreichischen Consul, war von diesem, dernachdem die Sache einmal verfehlt angegriffen warsich männlich und consequent benahm, abgewiesen worden. Die Flüchtlinge und der zahllose Janhagel von Smyrna, der sich ihnen angeschlossen, tobten durch die Frankenstadt, drohten das österreichische Consulat zu stürmen, warfen einige Fenster ein und liessen es bei den Drohungen. Noch bis tief in die Nacht wogte die Bevöllkerung auf und ab durch die Strassen. Bei der Alltäglichkeit von Feuersbrünsten in den grossen türkischen Städten, wo die Regierung selbst oft ganze Quartiere abbrennen lässt, um die Bewohner zum zweckmässigeren Neubau zu zwingen, war der Brand jenseits des Golfs zwar bemerkt worden, aber Niemand achtete darauf, noch weniger fiel es Jemand ein, hülfe dahin zu bringen.

Am nächsten MorgenWelland hatte von der Erregung der Nacht bis in den Vormittag hinein geschlafen, – begab er sich sofort zum amerikanischen Consul und reclamirte der erhaltenen Weisung gemäss Costa als amerikanischen Schutzangehörigen auf Grund eines Passes, den der Ungar von den Vereinigten Staaten erhalten haben sollte. Zu seiner Verwunderung fand der Arzt den Consul sofort bereit, auf das Verlangen einzugehen. Es schien, als ob er bereits darauf vorbereitet gewesen und er teilte ihm mit, dass am Morgen eine amerikanische Corvette von Constantinopel angekommen sei und im Hafen Anker geworfen habe, ein glücklicher Zufall, der ihrer Forderung den nötigen Nachdruck geben musste. Eine Stunde darauf trat, durch einen Boten herbeigerufen, der kapitän der Corvette in Begleitung eines seiner Offiziere bei dem Consul ein und begab sich mit demselben zu Herrn von Wexbecker, um die Reclamation einzulegen. Der österreichische General-Consul empfing sie zuvorkommend, und obgleich er die Begründung der Ansprüche bezweifelte, erklärte er sich bereit, die Amerikaner an Bord des "Hussar" zu begleiten, um durch eine eigene Unterredung mit Costa ihnen genauere Information zu verschaffen. Welland erwartete in aufregender Spannung im Consulats-Gebäude ihre Rückkehr, und als er endlich das Boot von der Brigg wieder abstossen, zur Corvette rudern und dann zum land zurückkehren sah, eilte er ihm auf die Marina entgegen. Der amerikanische Consul brachte jedoch schlechte Nachrichten. Costa hatte trotzig sich als Ungar erklärt und zwar angeführt, dass er sich einige Zeit in Amerika aufgehalten und von dort nach Smyrna gekommen sei, aber über seine Schutzangehörigkeit oder das Vorhandensein eines Passes keine, einigermassen zum weiteren Einschreiten berechtigende Angaben machen können. Unter diesen Umständen hatten die Amerikaner von der Reclamation Abstand nehmen und den Ungar seinem Schicksale überlassen müssen, das er übrigens mit ungebeugtem Sinne trug. – Welland war sehr bestürzt über die Nachricht, der Consul jedoch führte ihn bei Seite und versicherte ihm, dass in der Angelegenheit noch Nichts verloren sei, da Herr von Wexbecker sich weiter bereit erklärt hatte, vor der Abführung Costa's mit dem nächsten Lloyddampfer nach Triest erst die weitere Entscheidung der beiden Gesandtschaften in Constantinopel abwarten zu wollen, an die sofort die nötigen Berichte gesendet werden sollten. Der amerikanische kapitän war bereits angewiesen, sich jeder früheren Wegführung des Gefangenen nötigenfalls mit Gewalt zu widersetzen. Für das Weitere, meinte mit schlauem Lächeln der Amerikaner, werde man schon in Constantinopel sorgen. Beruhigt schied Welland von ihm und wandte sich wieder zu Marina, um den Fremden Costa's diese tröstliche Nachricht mitzuteilen, denn rasch hatte sich die Kunde von der verweigerten Auslieferung in der Stadt verbreitetet. Eine Zeitung zur Hand nehmend, setzte er sich am Eingang des englischen Café's (Café Paulo) nieder.

Es war der Abend des 23. Juni. Das Belvedere des Caffeehauases begann sich nach und nach mit Fremden und Einheimischen zu füllen. Bald darauf traten Arm in Arm zwei junge Offiziere von der österreichischen Brigg auf den offenen Raum, liessen sich an dem zweiten Tisch von Welland nieder und forderten Eis und Limonade. Es waren der Schiffslieutenant v o n A u e r h a u m m e r und der Marine-Aspirant Baron v o n H a c k e l b e r g , der einzige Sohn des Feldmarschall dieses Namens. In dem Zweiten erkannte Welland den Offizier, welcher am Morgen seiner Ankunft zum Egytto gekommen und das Boot der Italiener zurückgewiesen hatte. – Die beiden jungen Leute, keck die allgemeine Missstimmung herausfordernd, lachten und scherzten ziemlich laut und hatten, wie man später erfuhr, schon während des ganzen Morgens sich unachtsam durch die Strassen Smyrna's umhergetrieben. Viele Blicke ruhten missbilligend oder ängstlich auf ihnen, dennoch ahnte Niemand die schreckliche Katastrophe, die folgen sollte.

Auch Welland hatte mit einer gewissen Unbehaglichkeit und Besorgniss die kecke Haltung der beiden hübschen jungen Männer bemerkt, und dies um so mehr, als kurz nach ihrem erscheinen sein Wiener Reisegefährte sich für einige Augenblicke einfand, heimlich mit den beiden Offizieren sprach und einzelne auf ihn fallende Blicke zeigten, dass von ihm die Rede sei. Er wollte, um dem widrigen Eindruck zu entgehen, sich eben entfernen, als mit Lärmen und Geräusch, offenbar sehr erregt, eine neue Gesellschaft den Platz betrat und am Tische neben Welland, gegenüber dem der Offiziere, Platz nahm. Es waren F u m a g a l l i , der Ungar B a s s i t s c h , dessen Hand fortwährend in der Brusttasche spielte, Lepicq, ein französischer Fechtmeister, zwei andere lombardische Flüchtlinge, B u d o l i und C u g i n i , und der Pole S c z u k o w s k i . Aller Blicke hafteten sogleich