Häusern begränzt, in deren Parterre einige Kaffeestuben und Conditoreien sind.
Hierhin wandelt Jahr aus Jahr ein jeden Abend der fränkische Kaufmann, der Fremde, der Beamte, und atmet nach des Tages Arbeit bei einer Tasse Kaffee, einem Glase Eis oder Limonade die erfrischende Abendluft ein. Alle Sprachen Europa's sind hier vertreten. über die Cypressen des den Bergabhang dekkenden Campo's hinweg erfasst das Auge einen im Sternenlicht glitzernden Streifen des goldenen Horns und darüber hinaus das aufsteigende Häusermeer des westlichen Stambuls mit seinen Minarets und Kuppeln und den zahllosen Lichtern. Zur Zeit des Beirams gewährt das einen prachtvollen Anblick am Abend, da die Kuppeln der Moscheen, wie die Rundgänge der schlanken Nadeln gleichen Türme dann mit Kränzen farbiger Lampen illuminirt sind.
Der andere Vergnügungsort ist ein Garten in der Verlängerung der Perastrasse, auf dem Wege zum grossen Campo, zwischen Häusern und Mauern versteckt und ziemlich europäisch eingerichtet. Hier findet man gegen ein kleines Entree ein nicht schlechtes Concert von italienischen und deutschen Musikern. Trotz der verhältnissmässig grossen Zahl der Europäer in Pera und Galata ist der Garten doch nur sehr mässig besucht.
In einer Laube desselben, dem Vortrag der Ouvertüre der Lucia lauschend, sassen drei Männer, in deren Einem wir Doctor W e l l a n d wiederfinden. Der Zweite war eine grosse aristokratische Gestalt von den Manieren eines Weltmannes, etwas Avantürier und gascognirend, aber interessant und überaus gewandt, der seiner Zelt in zwei Weltteilen und in den verschiedensten Verhältnissen vielbekannte Baron O e l s n e r v o n M o n t m a r q u e t . Ein ganzes Collier von Orden an seinem Frack unterstützte den etwas zweifelhaften Titel.
Der Dritte schien ein Italiener, obschon er in der Unterhaltung geläufig deutsch sprach, ein herausforderndes, etwas unverschämtes Gesicht, seit 4 bis 5 Jahren in Pera als Banquier und Geschäftsmann ansässig und überall zu finden. Eine breite Narbe am linken Schlaf zeichnete das Antlitz aus.
Mit beiden Personen war der Doctor durch Briefe, die er an sie überbracht, bekannt geworden und in häufigem Verkehr, da sein Leben in Constantinopel bisher ziemlich langweilig und beschäftigungslos gewesen war, eine Musse, die er zum Studium der zahlreichen historischen Merkwürdigkeiten, der türkischen Sprache und der türkischen Sitten benutzte. Er hatte sich zum Eintritt als Arzt bei der Armee in Bulgarien im Seraskiat gemeldet, doch durch allerlei Verzögerungen seine Anstellung bis jetzt hingehalten gesehen.
Das Treiben des baron war für den Deutschen ziemlich rätselhaft, denn Jener schien mit allen Parteien in Constantinopel aus gleichem Fuss zu verkehren und von allen Vorgängen und Intriguen in der genauesten Kenntniss. Die bedeutenden Geldmittel, über die er offenbar disponirte, vermehrten diesen Einfluss, und selbst Welland hatte sich ihm nicht ganz zu entziehen vermocht; denn, nachdem er den Baron von einem jener leichten Uebel durch seinen ärztlichen Rat befreit hatte, die häufig im Orient sich einstellen und nur durch Vernachlässigung gefährlich werden, hatte der Genesene ihn mit Diensten überhäuft und war sichtbar bemüht, ihn an sich zu fesseln.
P a d u a n i , der Dritte, gehörte als Lombarde zur liberalen Partei und zeigte seine Gesinnung mit einer gewissen Ostentation, die namentlich gegen Oesterreich Partei nahm. Dabei verkehrte er viel mit den Führern, der Flüchtlinge und Emigrirten, die jetzt, von jeder Nation, Constantinopel zu überfüllen und einen ähnlichen Uebermut an den Tag zu legen begannen, wie dies im Frühjahr und Sommer der Fall gewesen war. Offenbar trug dazu der Bruch des russischen und das Sinken des österreichischen Einflusses bei, während der französische und englische Schutz jetzt allgewaltig waren. Dennoch hatte Welland bald die Beobachtung gewacht, dass man dem Italiener nicht recht zu trauen schien. Da er jedoch mit den Personalverhältnissen in Constantinopel sehr vertraut war, hielt sich der Deutsche, der erhaltenen Instruktion gemäss, in Verbindung mit ihm.
Das Gespräch drehte sich, wie jetzt überall der Fall, im Kreise der grossen Tagesfragen. Die Kriegserklärung war am 26. September im grossen Rat der Pforte, aus 172 Mitgliedern bestehend, beschlossen worden. Kaiser Nicolaus hatte mit dem österreichischen Kaiser am 26. bis 28. eine Zusammenkunft im Lager von Olmütz gehabt, aus der unter Aegide des österreichischen Premiers ein neues Notenproject hervorgegangen war, das zwar das wiener Kabinet in Paris, London und Wien befürwortete, doch erwies sich die Zeit den Ausgleichungsvorschlägen keineswegs mehr günstig und die Forderungen und Gegenforderungen verwickelten sich immer mehr. Während die drei Monarchen der heiligen Allianz am 3. October noch eine Zusammenkunft in Warschau hielten, erliess der Sultan, von allen Seiten gedrängt, am 4. October – am 1. Muharem nach türkischer Zeitrechnung – ein Manifest an sein Land mit der Kriegserklärung gegen Russland, und Omer Pascha richtete auf den Befehl der Regierung unterm 6. die Aufforderung an den Fürsten Gortschakoff, den Oberbefehlshaber der russischen Besatzungstruppen, die Fürstentümer bis zum fünfzehnten Tage zu räumen, widrigenfalls die Feindseligkeiten eröffnet werden würden. Der Fürst erwiderte in sehr gemässigter Weise, dass er keine Vollmacht habe, Krieg zu führen, Frieden zu schliessen oder die Donaufürstentümer zu räumen.
Während noch immer Friedensvorschläge sich von Constantinopel, Wien, Paris und London her kreuzten und so einer sich im andern aufhob, drangen die Gesandten der Westmächte in den Sultan, die Flotten aus der Besika-Bai in den Bosporus zu berufen, und erlangten endlich nach langem Sträuben des Grossherrn am 15. den Ferman dazu. Admiral D u n b a s , der Oberbefehlshaber des englischen Geschwaders, hatte zugleich die Anweisung seiner Regierung