verkünden zu können, hebt sich wie eine Warte des romantischen Mittelalters in die Luft. Und drüben auf der andern Seite des goldenen Horns – Chrysokeras, wie die Griechen wegen seiner vorteilhaften Lage und seines Reichtums an Fischen diesen schönsten aller Meeresarme nannten, – da wo die Mauer von Galata Pera abscheidet, hebt sich eine wirkliche Warte aus jener Zeit, der alte Genueser Turm, mächtig und frei von dem Berge ab, zu gleichem Zweck dienend, wie der jüngere Gefährte am Seraskiat. Von der Spitze Beider weht die rote Fahne mit dem weissen Halbmond und den weissen Sternen.
Das Bergufer auf der Nordseite des goldenen Horns steigt, wie erwähnt, steiler empor, als das der Türkenstadt, und hier kann man die Strassen und Gassen leichter verfolgen. Massive Gebäude sind hier häufiger, während bei den Türkenhäusern nur das Erdgeschoss von Mauerwerk, der Aufsatz aber von Holz ist. Die Paläste der Gesandten, darunter das grosse, nach der Seite von Tophana abfallende russische Gesandtschaftshotel zeichnen sich aus. Am Ufer des Bosporus liegt die grosse Geschützgiesserei Tophana, von der der Stadtteil seinen Namen hat. – Zwischen dem europäischen und asiatischen Ufer, doch näher an Scutari, erhebt sich, eine kleine Felseninsel aus dem Meer wie Caub im Rhein, der Turm des Leander mit seinem Wasserschloss. Scutari erscheint, selbst aus der Ferne gesehen, – das Meer ist hier eine halbe deutsche Meile breit, – weit freundlicher und lichter, als die europäische Stadt. Nach dem Marmorameer zu erstreckt sich dort dicht am Meeresstrand die neu erbaute kolossale Kaserne, weiss und rot angestrichen, die mehrere Regimenter fassen kann. Auf der Höhe des berges Burgulu, an dessen Senkung sich die Stadt ausbreitet, dehnen sich die meilenlangen grossen Friedhöfe aus, die grössten des Orients, denn auch aus Stambul lassen sich viele Türken hier begraben, um in der heimatlichen Erde der Mutter der Völker, Asiens, zu ruhen. Darüber hinaus in der Ferne hebt der Olymp seine Schneegipfel am Horizont.
drei grosse schöne Schiffbrücken führen über das goldene Horn, diesen prächtigen und grössten Hafen der alten Welt. Jede entält zwei Bogen zum Durchlass der Schiffe, und die Meeresbucht ist so tief, dass selbst die grössten Linienschiffe sie durchkreuzen und bis dicht an's Ufer anlegen können. Hunderte und aberhunderte grosser Schiffe jeder Art wiegen sich auf den blauen Wellen dieses Hafens und am Eingang desselben, riesige Linienschiffe, Fregatten. Kriegsdampfer, dazwischen die Unzahl der Handelsfahrzeuge jeder Form aus allen Gegenden und Zonen der Erde, die Brigg aus den Häfen der Ostsee, der Fregattschooner von New-York und New-Orleans, die italienische Barkasse und die Tartane der afrikanischen Küste, die Nacht und der Prahm, die Galeotte und die plumpe Sloop; der Handel und Verkehr der Erde scheint sich hier ein Rendezvous gegeben zu haben. Dazwischen brausen Dampfer eilig hin und her, legen in jeder halben Stunde an der brücke an, um Passagiere einzunehmen für Scutari, den Bosporus, die Prinzeninseln, oder ankern stolz auf der Rhede, um die weite Fahrt nach den Küsten des schwarzen Meeres, nach dem sagenhaften Trapezunt, nach Smyrna, Saloniki, Alexandrien, Triest, Malta, Marseille und noch weiter hinaus nach den Kreideküsten von Alt-England zu machen. T a u s e n d e von Kaïks, diesen Schwalben des Bosporus, – leichte, schlanke, schmale, auf beiden Seiten spitze Boote, – so eng und leicht gebaut, dass sie gewöhnlich ausser dem Fanarioten oder Moslem, der das Ruder führt, nur eine person tragen, die auf dem Boden des zierlich mit Schnitzwerk und Teppich gezierten Fahrzeugs kauern muss, kreuzen und schiessen in allen Richtungen umher mit wunderbarer Schnelligkeit, gleich leuchtenden bunten Pfeilen über die Flut. Darin sitzt mit gekreuzten Beinen der Türke in weiter orientalischer Tracht, den Turban auf dem geschorenen Haupt, oder in dem neuen unkleidsamen blauen Rock mit dem Fess, – der fränkische Kaufmann oder neugierige Fremde, – der Armenier in seinem schwarzen fliegenden Talar, – die Hanum in ihren weissen Yaschmal und den bunten Feredschi gehüllt – Alles kreuzt geschäftig oder im müssigen Vergnügen von Ufer zu Ufer und in der Meeresstadt umher, deren Häuser und Strassen die Schiffe der Nationen bilden. Es soll dieser Kaïks über 80,000 in Constantinopel geben und der grösste teil derselben ist fortwährend in Bewegung. Die Grossen und Reichen haben deren in Menge von den verschiedensten Grössen mit reichen Vergoldungen; die zahlreichen Bootschuppen am Ufer des Hornes zwischen der Moschee der Sultanin Valide und dem Serail bergen einen grossen teil.
über die Brücken und durch die Gassen zunächst dem Horn und den Bazars – Besestan in Constantinopel genannt – wogt fortwährend ein Gedräng von Menschen, wie kaum die belebtesten Strassen von London es bieten, unvergleichlich in seinem bunten, immer wechselnden Anblick. Die Völker des Morgenund Abendlandes begegnen sich hier in ihrem nationalen Costüm; neben dem Perser mit dem steifen, blauen Kaftan und der hohen spitzen Mütze von schwarzem Lammsfell der englische und französische Matrose; neben dem Derwisch in seinem zerlumpten wollenen Mantel mit der, einem umgestülpten Eimer gleichenden Kopfbedeckung von grauem Filz der fränkische Kaufmann oder Handwerker aus Pera; zur Seite des in seine braune Decke gehüllten Drusen und Kopten die hohe Figur des Tscherkessen, der Arnaut mit dem Arsenal von Waffen in seinem Gürtel, der Baschi-Bosuk aus den Wüsten Syriens oder von den arabischen Horden; der geschäftige Grieche, der Turkomane, der verachtete Jude; – das elegante pariser Frauenkostüm neben den faltenreichen Hüllen der türkischen Weiber; –