Hilfe an, aber ich werde Dich begleiten. Und Du, Freund," er reichte Welland die Hand, "wirst uns gewiss nicht verlassen?"
"Gewiss nicht in einer gerechten Sache," entgegnete dieser; "aber Eines beding' ich mir aus, um Ihrer eigenen Ehre willen, Gregor: kein unnützes Blut, keinen Mord! Sie versprechen mir das Leben des Briten – – hören Sie erst Ihre Schwester, dann entscheiden Sie und fordern Rechenschaft, wenn es notwendig ist. Im Licht des Tages werde ich Ihnen als Freund zur Seite stehen, und so allein können Sie vielleicht die Ehre des Mädchens wiederherstellen. Ich liebe selbst die Nation des Verführers nicht, aber den Mut, dem Gegner sich zu stellen, wird ihr Feind selbst nicht läugnen." Gregor gab das geforderte Versprechen, nach einigen Einwänden auch der Räuber. Während die wilden Gestalten seiner gefährten von verschiedenen Seiten herbeikamen und Alle um das Feuer zur Mahlzeit lagerten, besprach man das Unter nehmen und Mauro brachte Waffen aus den in weiten unterirdischen Gewölben und Gängen der Ruinen befindlichen Verstecken der Bande für die beiden Freunde. – – Die dunkle Nacht lag über dem prächtigen Golf, und Ruhe und Stille über der grossen Stadt, als in der Nähe der Mühlen am diesseitigen Strande zwei Barken abschoben, in denen sich acht wohlbewaffnete Männer und ein Knabe befanden, und ihre Richtung nach Bournabat nahmen. Es waren der Räuber Jan Katarchi und seine gefährten, Gregor Caraiskakis und Doctor Welland. Jan sass mit diesen in einem der Nachen zusammen, den zwei Mann ruderten, die andern drei mit dem Knaben fuhren voraus. Alle waren mit Pistolen und Handjar bewaffnet, Gregor und der Doctor hatten ihre Kopfbedeckung mit einem Fez vertauscht, an dem vorn ein Stück grünen Schleiers zur Verhüllung ihrer Gesichtszüge befestigt war. Jan hatte auf diese Vorsicht bestanden, um späteren Folgen durch ein Wiedererkennen vorzubeugen. In den Kähnen lagen Stricke und Hacken und eine schwere Eisenstange, um nötigen Falls die Tür zu erbrechen.
Auf der Mitte des Wassers sahen sie die Felucke ankern, welche am Morgen Sir M a u b r i d g e und die schöne Griechin nach Tenedos tragen sollte. Jan gab ein leises Zeichen, in aller Stille vorbeizufahren; die Ruderer hoben die Riemen, um sich nicht durch die phosphorleuchtenden Striche einer etwaigen Wache zu verraten, und die Boote trieben in einiger Entfernung am Schiff vorüber, bis sie weit genug waren, um durch den Ruderschlag nicht mehr gehört zu werden; dann griff man wieder eifrig zur Arbeit, und nach einer Viertelstunde war man an der Gartenmauer des Landhauses, das Gregor im Dunkel als dasjenige erkannte, an dem er am Morgen vorher nach der Schwester geforscht. Der Räuber hatte rasch seine Dispositionen getroffen. Welland und zwei der Banditen wurden im Wasserhof zurückgelassen, in dem die Kähne angeschlossen lagen, mit dem Auftrag, hier den Bewohnern den Rückzug abzuschneiden. Einen Andern postirte Jan auf den Weg nach Bournabat, da das Landhaus des Viceconsuls fast das Ende des Dorfes bildete; er selbst mit Gregor, dem Knaben und zwei seiner Leute übernahm es, durch den Haupteingang einzudringen.
An dem Tor angekommen, hob der Räuber den Jungen, der seine Lust an der ihm gewährten Rolle durch fast affenartige Behendigkeit und Geschicklichkeit ausdrückte, auf seine Schultern und liess ihn einen der am Strick befestigten Haken über die Mauer werfen und an jener vollends emporklimmen. Oben auf derselben änderte Mauro bloss die Lage des Hakens und liess sich an dem Seil in den Hof hinab, um von Innen das Tor zu öffnen. Während dem hatte Jan seinen beiden Begleitern fackeln gegeben, um selbe zum Anzünden bereit zu halten. Gregor fasste den Schaft der Pistole in seinem Gürtel und spannte den Hahn.
"Capitano," flüsterte dee Knabe durch die Spalte, "die Tür ist verschlossen, ich kann sie nicht öffnen und höre das Schnarchen des Khawassen."
"Pesta!" fluchte der Sciote, "das ändert unser Spiel und wird blutige Arbeit geben. Sieh, dass Du in's Haus gelangst, Mauro, durch eine der Jalousien. Du hast zwei Minuten Zeit; beim heiligen Prokopio, sei flink, mein Junge!"
Wenige Momente darauf setzte er das Brecheisen zwischen die Fugen des Tors und warf sich mit seiner riesigen Kraft darauf. Zugleich flammten die Pechfackeln der beiden Räuber empor.
Ein türkischer Anruf tönte von inneren.
"Bismillah! Wer ist dort? Was wollt Ihr?"
"J a n K a t a r c h i !" heulte der Ruf des Räubers durch die Luft und alle Vier warfen sich mit aller Manneskraft gegen das brechende Tor. Zwei Schüsse knallten ihnen entgegen, von denen der eine den Mann neben Katarchi in die Schulter traf, dass er zu Boden taumelte. "Nach der Barke!" herrschte ihm der Führer zu, und die Fackel dem Verwundeten entreissend, schleuderte er sie mit gewaltigem Schwunge hinauf auf das platte Dach des Hauses und war mit einem kühnen Satz über die Trümmer des Tors mitten im Hof. Im nächsten Augenblick parirte seine grosse Pistole den scharfen Handjarhieb eines Khawassen und er drückte die Waffe nach dem Türken ab. Aber eingebogen von dem kräftigen Hieb sprang das Rohr bei dem Schuss und die eisernen Splitter stoben umher.
"D i o n a ! D i o n a !" schrie Caraiskakis, und ohne des zweiten mutig den Zugang des Hofes verteidigenden Khawassen zu achten, sprang er wie ein Panter über den Hof und