die Gräfin; bedenken Sie, Freundin, es geht um Tod und Leben."
Sie versprach Alles und eilte davon. ––––––––––––––––––––––––––––
Auf dem Sopha im Pavillonzimmer lag ausgestreckt und festgebunden, ein Tuch in den Mund gedrückt, der Diener. – –
Er hatte gebeichtet, – man wusste, was man wissen wollte, dass bis jetzt nur Unbestimmtes verraten worden und dass die Entdeckung von heute Abend sie gerettet hatte.
Am Kamin standen die drei Männer, – auf der andern Seite des Zimmers lehnte die kräftige Gestalt des Banditen in der Fensternische.
Die drei wechselten nur wenige Worte, – Alle empfanden die schreckliche aber unabweisbare notwendigkeit.
Der Oberst trat zu dem Corfen; auch ihre Unterhaltung war kurz.
"Kein Blut und kein Zeichen von Gewalt?" sagte der Bandit. "Ei, ich weiss ein vortreffliches Mittel; ich habe es bei dem Schuft von altem Advokaten versucht, der meinem Bruder auf die Galeeren half. Am andern Morgen glaubte ganz Ajaccio, der Schlag habe ihn gerührt, bis ich's selbst erzählte. Verschaffen Sie mir nur ein Kissen, Signor Conte."
Der Oberst schaute umher – auf der Lehne der Sopha's lag ein weiches gesticktes Daunenkissen.
"Genügt dieses?"
"Ich denke, ja. Nehmen Sie seine Füsse in Acht."
Der Unglückliche mit weitgeöffneten Augen sah die Mörder auf sich zukommen. Vergeblich waren seine Anstrengungen zu schreien und aus den Tüchern, mit denen er gebunden, sich emporzuwinden. Der Bandit stand jetzt vor ihm und legte ihn das ziemlich grosse Kissen auf das Gesicht. "Ich sehe, Signor, Sie sind ein Geistlicher," sagte er zu dem Abbé, "ich bitte Sie, sprechen Sie ein Gebet für den Sünder." Dann schlug er selbst in der furchtbaren Blasphemie seiner Erziehung und seiner natur das Kreuz und setzte sich mit der ganzen Wucht seines schweren Körpers auf das Kissen. ––––––––––––––––––––––––––––
Pisani und der Abbé traten, im Gespräch begriffen, aus dem Garten in den Salon. Der Letztere war ein wenig bleich, der Oberst ruhig, wie immer; der tiefe Zug von grausamer Energie um Nase und Mund war in die gewöhnliche Falte verschwunden.
An einem der Spieltische stand der Banquier und pointirte zerstreut, die Gräfin sass an dein Klavier, ohne zu spielen, und schien kaum die Worte zu hören, die zwei Herren der Gesellschaft an sie verschwendeten. Ihre Augen richteten sich furchtsam, fragend auf die Eintretenden, auch der Baron warf einen haftigen blick voll Angst auf sie.
"Es wird kühl im Garten," sagte unbefangen der Oberst, "und wir sind wahrlich nicht so vertieft in den schönen Abend, wie der Herr Marchese und ihr gelehrter Landsmann, gnädige Frau, um nicht die Behaglichkeit des Salons vorzuziehen. – Wie steht's, Baron, ist das Glück wie immer auf ihrer Seite?"
Er trat zu den Spieltischen.
"Diesmal droht es mich zu verlassen," entgegnete der Banquier mit Bezug, "die Chancen wenden sich gegen mich."
"Ei was, man muss bei jeder Bedrohung den Mut nicht verlieren. Männer wie wir lassen sich nicht sogleich einschüchtern von einer Ungunst der launischen Fortuna. Ihr Spiel steht am Ende auch gar nicht so schlecht."
"Wollen Sie für mich eintreten?"
"Ich pointire nicht in Karten, ich überlasse nie mein Glück dem Zufall."
"Und sind Sie denn Ihres Erfolges immer gewiss?"
"I c h h a b e i h n g e s i c h e r t ."
Der Banquier atmete tief auf, die Worte wälzten eine Bergeslast von seiner Brust.
Gräfin Helene wurde noch bleicher als vorher. "Ich will nach haus, mir ist nicht ganz wohl – der Schreck von heute Mittag hat mich doch mehr angegriffen, als ich dachte."
Ihr Aufbruch veranlasste weitere Folge. Der Oberst nahm die gelegenheit wahr, sich dabei Frau von Czezani zu nähern, deren Augen ihn schon lange befragt hatten. "Gute Nacht, gnädige Frau, und – wenn Sie morgen zufällig Etwas vom Boden Ihres Hauses holen lassen, so versäumen Sie die sofortige Anzeige bei der Polizei nicht. Ich glaube, der törichte Bursche hat sich in Verzweiflung über seine Dienstentlassung aufgehängt."
Fussnoten
1 Die telegraphische Nachricht wurde in der Tat erst am 3. in London und Paris bekannt.
Am Bosporus.
Wo jenes prachtvolle, seit Jahrtausenden berühmte Meeresbecken das M a r m o r a m e e r – die P r o p o n t i s der Alten – im Nordosten wieder seine Ufer zweier Weltteile näher zusammentreten lässt, liegen einige liebliche Eilande, die Prinzeninseln; – näher und näher drängt sich darüber hinaus Asien an Europa, und ein Golf bildet sich, aus dem zwischen hohen Bergwänden jene weltberühmte Strasse, der B o s p o r u s , über sechs deutsche Meilen lang sich nach dem Schwarzen Meere in zahlreichen Windungen streckt. – Rechts aus Asien hervor springt das Cap Chalcedon; gegenüber auf dem europäischen Ufer beginnt S t a m b u l , als drohende Warte gleichsam dem Reisenden von dem Vorsprung des Ufers das berühmte "Schloss der Sieben Türme" mit seinen blutigen Erinnerungen entgegenstreckend.
Das Meer scheint sich gleichsam hier in drei arme zu teilen; nach Nordosten die Bosporusstrasse, im Süden der weite blick auf das offene Marmorameer, gegen Westen eine prächtige, zwischen zwei Vorgebirgen des europäischen Ufers sich eindrängende Meeresbucht, das G