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das Bestimmteste gewarnt worden bin?"

Alle traten unruhig näher, mehrere Gesichter, namentlich das der Wirtin, wurden bleich.

"Unmöglich! Woher wissen Sie das?"

Die Wangen der Gräfin färbte eine dunkle Röte.

"Das 'Woher' ist mein geheimnis. Ich kann Sie jedoch heilig versichern, dass dem so ist."

"Aber wenn die Polizei eine Ahnung hätte, wurde man bereits eingeschritten sein."

"Nicht die Regierung ist davon unterrichtet, wenigstens zur Zeit noch nicht, – andere Personen. Ich glaube, dass wir der Gefahr begegnen werden, wenn wir die heutige Zusammenkunft hier die letzte sein lassen. Ich reise in den nächsten Tagen und Frau von Czezani braucht nur die Empfangsabende aufzuheben und mir zu folgen."

"Aber so geben Sie uns doch einen Fingerzeig, damit wir dem Verräter auf die Spur kommen können," sagte der Abbé.

Der Oberst zog die schwarzen Brauen zusammen. Der scharfe Zug um seinen Mund zeigte entschlossene Härte und Grausamkeit.

"Der Tod muss notwendig seinen Mund verschliessen."

Ein leises kurzes Aechzen scholl durch das GemachAlle sahen sich erschrocken und fragend andann schüttelte Jeder verneinend den Kopf.

Die Augen liefen umher, gleich als könnten sie entdecken, woher der laut gekommen man lauschte nach den Fenstern – –

Da plötzlich wies der Abbé stumm mit dem Finger nach dem Kamin.

Eine hölzerne Vorsatztür verdeckte das Innere. Das scharfe Auge des Priesters hatte eine kaum merkliche Bewegung des Holzes erfasst.

Wie ein Tiger sprang der Oberst auf den Ort los und riss mit einem Griff die Tür heraus – – im inneren des Kamins hockte zusammengekrümmt ein Mensch, mit bleichem, erschrockenem Gesicht, in Bedientenlivree.

Die Hand des Grafen riss ihn heraus, mitten in's Zimmer. Dort fiel die Jammergestalt auf die Knie und streckte stehend die gefaltenen hände empordie Zunge schien ihm vor Schreck und Angst den Dienst zu versagen.

"Johannmein Diener!"

Der Oberst erinnerte sich dessen, was er vorhin zufällig von dem Ausbleiben des Menschen gehört.

"Wie kommst Du hierher?"

"Ach, gnädige Frau, verzeihen Sie mir," jammerte der Elende. "Bei allen Heiligen im Himmel, ich kam zufällig herein und versteckte mich, wie ich die Herren kommen hörte."

Jeder fühlte, dass der Mensch log, – dass er der Spion war, welcher sie verriet. Die beiden Damen zitterten und waren leichenblass.

"Das lügst Du, Bursche!" sagte der Oberst mit kalter Ruhe. "Zunächst wollen wir Dir ein Mal etwas näher auf den Zahn fühlen und Deine Geständnisse hören, zuerst uns aber Deiner versichern. Baron, reichen Sie mir den Shawl dort her!"

"Gnädige FrauSie werden mich doch nicht ermorden lassen! – Ich will ja Alles gestehen! – Zu Hil ..."

Die feste Hand des alten Ungars presste sich auf den Mund des Elenden, dass der Ruf in seiner Kehle erstickte. Zugleich schnürte der Oberst ihm mit Hilfe des Abbé den Shawl um arme und Leib. Dann zog er aus der Brusttasche ein feines glänzendes Stilet, dessen Klinge er vor den starrenden Augen des Unglücklicken auf dem Nagel des Daums probirte.

Gräfin Helene stürzte auf ihn zu und fiel ihm in den Arm.

"Allmächtiger Gott, Sie werden den Menschen doch nicht morden wollen?"

"Wenn es nötig ist, schöne Gräfin, warum nicht? Jeder ist sich selbst der Nächste. Aber beruhigen Sie sich, dies Instrument soll ihn nur ein Wenig schrecken und die Wahrheit an's Licht bringen. Das ist jedoch keine Scene für Damennerven und ich bitte Sie, sich zu entfernen."

"Nicht eher, als bis Sie mir Ihr Wort geben, kein Blut zu vergiessen!"

"Auf mein Ehrenwort, – e s s o l l k e i n B l u t v e r g o s s e n w e r d e n ! Baron R i e p é r e , ich sehe Sie zittern, wie diese Damen; reichen Sie der Frau Gräfin den Arm und führen Sie dieselbe zur Gesellschaft. – Ich bitte, nehmen Sie sich zusammen; unser Aller Freiheit und Leben steht auf dem Spiel."

Der Banquier beeilte sich, dem halben Befehl Folge zu leisten; er war selbst so bleich, wie der ertappte Spion.

Als der Graf Frau von Czezani zur Tür geleitete, flüsterte er ihr zu:

"Schicken Sie mir sogleich Sta Luzia hierher und bringen Sie ihn selbst bis an die Tür." ––––––––––––––––––––––––––––

Nach einer kurzen Zeit kehrte die Dame zurück mit dem Pseudo-Marchese, den der Oberst in das Zimmer schob, dessen Tür er wieder schloss.

"Merken Sie auf und fassen Sie sich," sagte er zu der Zitternden. "Wie ich vorhin hörte, weiss keiner Ihrer andern Leute, dass der Diener bereits zurückgekehrt ist?"

"Niemand hat ihn gesehen; sie schalten noch vorhin auf seine Saumseligkeit."

"Wo schläft der Mensch?"

"Mit dem Kutscher zusammen über den Ställen."

"Wenn ich nicht in der Lokalität irre, so führt am Eingang des Gewächshauses eine dunkle Treppe nach dem obern Stock. Läuft diese bis zum Boden und sind die Türen offen?"

"Ich glaube ja."

"Dann gehen Sie zur Gesellschaft und suchen Sie den Diener und das Mädchen in den Zimmern zu beschäftigen. Hüten Sie