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der Polizei nach der ersten Affaire gründlich überworfen, eine Kugel in den Leib geschickt, den Andern die Augen ausgedrückt, noch Anderen furchtbare Verstümmelungen beigebracht. Ein Einziger war noch übrig, der Schuldigste von Allen, der Anstifter des Verbrechens, der in seinem haus in Ajaccio sitzen blieb. Als er eines Sonntags zur Kirche ging, warf ihn am hellen Mittag ein Dolchstich auf der Schwelle der Kirche zu Boden. Sta Lucia durchschreitet ungefährdet wie der Engel des Todes die Menge, läuft nach dem Meere und besteigt im Angesicht der ganzen Bevölkerung wieder die Barke, die ihn hergebracht. Später schloss er sich der truppe Garribaldi's an, wo ich um kennen lernte, und lebt jetzt in Constantinopel."

"Aber mein Gott, – ich habe mein ganzes Silberzeug so offen stehener wird doch nicht –"

"Keine Besorgniss, schöne Wirtin. Unser Freund ist Bandit aus Liebhaberei, aber kein Spitzbube. Sie könnten Säcke Gold offen stehen haben, und er würde sie nicht anrühren. Doch ich eile zu unserer kleinen Gräfin, der die Zeit lang werden dürfte. Beschäftigen Sie möglichst alle Uneingeweihten."

Er verliess die Dame und begab sich nach kurzem Verweilen in der Gesellschaft durch das Gewächshaus nach dem daran stossenden Pavillon, der ein achteckiges Gemach bildete, in dem für allen Schein ein Spieltisch arrangirt war, während eine Ampel nur im Halblicht das Gemach erhellte und die Läden fest geschlossen waren.

Er fand die Gräfin Helene Laszlo dort im eifrigen Gespräch mit dem Banquier und seinem Begleiter und einem alten Herrn, dessen faltenreiches Gesicht den scharfen sarmatischen Schnitt trug, Haar und Bart aber die Schneefarbe des Greisenalters.

"Ich sehe," sagte der Oberst zu der jungen witwe, "unsere Freunde sind mir bereits zuvorgekommen, und haben Sie von der wichtigen uns heute Nachmittag zugekommenen Nachricht unterrichtet. Am 26. ist in Constantinopel die Kriegserklärung beschlossen worden, sie wird natürlich sofort erfolgen und die Feindseligkeiten an der Donau werden alsbald beginnen. Damit ist auch für uns die Zeit eines energischen Handelns gekommen. Erringt der Sirdar, was bei der Schwäche der Russen kaum zu bezweifeln ist, an der Donau Vorteile, so kann jeder Aufstandsversuch in Ungarn sich auf ihn lehnen, er wird ihm den rücken decken."

"Aber die Wunden meines Landes sind noch tief und schwer; so sehr ich es wünsche, glaube ich kaum, dass es schon wieder die Kraft haben wird, dem Feinde entgegen zu treten."

"Ein Volk verliert nie die Kraft, für seine Freiheit zu kämpfen, und ob Ströme seines Bluts vergossen werden. Wie aus der Kadmus Saat wachsen aus dieser geharnischte Männer. Ich meine auch keineswegs, dass die Erhebung sogleich erfolgen soll. Es ist vorerst nur nötig, dass das Volk, und namentlich im Süden, auf die Bedeutung des orientalischen Krieges, auf diese gelegenheit, seine Freiheit zu erringen aufmerksam gemacht, und dass die Verbindung mit den Ungarn in Omer's Armee hergestellt wird. Für den erstern Zweck hat das Comité in London entsprechende Proclamationen bereits erlassen. Wir rechnen auf Sie, Gräfin, uns bei der Verbreitung in den Teissgegenden behilflich zu sein."

"Ich habe bereits mit der Frau Gräfin das Nötige verabredet," unterbrach der alte Magyare. "An einem geeigneten Ort auf einem ihrer Güter wird eine Drukkerei errichtet werden. Der Herr Abbé übernimmt es, für ein zuverlässiges Personal zu sorgen."

"Sehr gut, Doctor, wir verlassen uns ganz darin auf Ihre alte Erfahrung. Was den zweiten Punkt anbetrifft, so wird man besondere Vorsicht wegen des verstärkten Gränzcordons anwenden müssen. Es handelt sich vor Allem um erste ausführliche Besprechungen."

"Ich werde von Bisztra aus meine Güter in der kleinen Walachei bei Krajova besuchen. Hier kann die Verständigung leicht erfolgen."

"Das ist der beste Plan. Wenn die Frau Gräfin ihre Einladung nicht zurücknimmt oder mich nicht dringende Geschäfte abhalten, werde ich schon Ende dieses Monats die Ehre haben, ihr meinen Besuch zu machen."

"Mein Retter von heute kann nur willkommen sein."

"Wissen Sie schon, Herr Graf, die Nachricht, die uns hier eben Doctor T o d d aus dem Ministerium des Auswärtigen von Olmütz bringt?" fragte der Banquier.

"Nun?"

"Kaiser Franz Joseph, statt morgen, wie bestimmt war, hierher zurückzukehren, reist mit Herrn von Buol nach Warschau; eine Zusammenkunft zwischen ihm, dem Kaiser Nicolaus und dem Könige von Preussen soll dort stattfinden."

"Das ist neu undgefährlich!"

"Ich hoffe nicht," sagte der Abbé. "Es gilt nur eilig unsere Freunde in Constantinopel zu benachrichtigen, dass alles Mögliche aufgeboten werden muss, eine Verzögerung im Beginn der Feindseligkeiten zu verhindern. Ist der Krieg erst im Gange, so sind alle Vermittelungen unnütz."

Während des Gesprächs war Frau von Czezani auf einige Augenblicke eingetreten.

"Zum Glück habe ich die notwendigkeit sicherer Botschaft vorausgesehen. Ich habe den Boten sogar mit hierhergebracht."

"Ich wollte meine Freundin bitten," sagte die Dame des Hauses, "mit mir nach dem Salon zurückzukehren, man hat bereits nach ihr gefragt, und Vorsicht ist nötig."

"Ich habe Ihnen Allen eine wichtige Mitteilung zu machen, die ich in der Aufregung des Gesprächs beinahe vergessen," rief die junge Gräfin. "Wissen Sie, dass unsere Zusammenkünste verraten sind, dass man weiss, was unsere Gesellschaften verbergen sollen, – dass ich selbst auf