1855_Goedsche_156_243.txt

Russe macht sich Nichts daraus und kommt immer wieder auf seine Füsse."

Er beschäftigte sich eifrig um sie, die mit Gewalt die Aufregung überwand und sich schnell erholte.

"Wir rechnen sicher auf Ihr erscheinen, Gräfin, – es ist dringend, ich muss Sie sprechen."

"I c h w e r d e k o m m e n . – Doch wo ist Herr von Meiendorf?"

Sie wandte umherblickend das schöne Haupt, – ihr Auge traf auf den kapitän, der kaum zwei Schritt von ihr stand, finster die Gruppe messend, beschmuzt vom Staub des Weges, den Uniformrock an mehreren Stellen zerrissen. –

Die Gräfin stand rasch auf und reichte ihm die Hand.

"Welcher Gefahr haben Sie sich um meinetwillen ausgesetzt, – Sie konnten sich tödten!" – Indem bemerkte sie dunkle Blutstropfen, die seine linke Manchette färbten und an der Hand herunterrollten. – "Mein Gott, Sie blutenSie sind schwer verletzt?"

"Nur unbedeutenddas scharfe Eisen ritzte mir den Arm. – Diesmal," fügte er mit kaltem Lächeln hinzu, "blute ich wenigstens f ü r Ungarn."

"Es ist unser Handwerk," sagte der Graf, "und der Herr kapitän achtet dessen um so weniger, als vielleicht russisches Blut bald in Strömen vergossen werden wird."

"Vielleicht bietet sich auch die gelegenheit, die Farbe des sardinischen zu erproben!"

"Ich hoffe," entgegnete der Oberst stolz, "dass Seine Majestät, der König Victor Emanuel, uns diese durch seinen Beitritt zu den Westmächten gewähren wird."

Die Gräfin unterbrach die bitteren Worte, die wie Pistolenkugeln herüber und hinüber flogen.

"Die Pferde sind beruhigt, Dank Ihrer mutigen Geschicklichkeit, Herr Oberst. – Ich glaube, ich kann ohne Gefahr meinen Sitz wieder einnehmen."

"Darf ich mir erlauben, meine Dienste anzubieten, da der Herr kapitän wahrscheinlich vorziehen wird, die Rückkehr seines Dieners mit neuen Kleidern aus der Stadt zu erwarten?"

"So wollen wir das gemeinschaftlich tun; ich bitte, kapitän, senden Sie rasch."

"Es ist bereits geschehen," sagte der Offizier, der seinem eben herbeigekommenen Reitknecht den Befehl gegeben und den Zügel seines Reitpferdes in die Hand genommen hatte. "Indess bitte ich dringend, gnädigste Gräfin, sich meinetwegen nicht aufzuhalten. Ich werde im nächsten Café die Rückkehr meines Dieners erwarten und bedaure mir, dass der Unfall mich hindert, die mir vom Fürsten, Ihrem Oheim, übertragene und von mir schwer vernahlässigte Pflicht besser zu Ende zu führen. Der Herr Oberst wird sicher aufmerksamere sorge tragen."

Sie sah ihm erstaunt in das Auge, das kalt und gemessen dem ihren begegnete. Dann ging sie stolz nach dem Wagen, an dem die beiden Begleiter des Grafen noch hielten. Die Pferde hallen sich vollständig beruhigt, der Jockei stand an seinem Platz.

"Darf ich das Glück haben, den Rosselenker zu machen?"

"Nein," sagte sie kurz abgestossen, "ich will selbst fahren; man würde sonst glauben, ich hätte mich gefürchtet."

"So erlauben Sie mindestens, dass wir Sie zu Pferde begleiten; unmöglich können wir Sie allein lassen."

Sie nickte stumm und liess sich auf den Sitz heben, wo sie die Zügel aus des Jockei's Hand empfing. Während die Cavaliere sich auf die Pferde schwangen, wandte sie sich noch ein Mal zu ihrem früheren Begleiter, der mit kalter Höflichkeit an der Seite des Wagens stand.

"Werde ich Sie noch sehen vor Ihrer Abreise?"

Ein eisiger blick begegnete ihrem fast zärtlich fragenden Auge.

"Die Gräfin von Laszlo hat der Freunde so viele, die sie s e h e n und s p r e c h e n muss, dass ich ihre kostbare Zeit nicht beschränken darf."

Der Wagen flog dahin, – er sah die Träne nicht, die sie im stolzen Zorn zwischen den dunklen Wimpern zerdrückte.

Aber am Boden sah er es weiss schimmern, das Tuch der Gräfin, das ihr entfallen. Das hob er auf und presste es an das heisse Gesicht und barg es auf dem tief verletzten Herzen. – – ––––––––––––––––––––––––––––

In der Nähe des Palais beurlaubten sich die Reiter von der schönen Gräfin, und Oberst Pisani kehrte nach seiner wohnung zurück. Als er dort ankam, fand er am Haustor lehnen und auf ihn harren einen Mann von wildem kühnem Aussehen. Der Fremde mochte an zehn Jahr mehr als der Oberst zählen, der eben das vierzigste angetreten, doch zeigten nur wenig ergrauende Haare am Scheitel und in dem kräftigen Bart, der den untern teil des Gesichts bedeckte, das beginnende Alter. Obschon der Mann in gewöhnlichen wenig auffallenden Kleidern steckte, schien doch sein ganzes Ich nicht hinein zu gehören, und hätte über dem funkelnden schwarzen Auge der bänderverzierte spitze Calabreser gesessen, wäre die breite gewölbte Brust statt von Rock und Weste von dem roten silbergestickten Latz des römischen Banditen bedeckt gewesen, mit seinen Uhren, Ketten, Ringen und Amuletten beladen, – um den Leib die neapolitanische Binde geschlungen mit den Pistolen darin und den Stilets, – das hätte der passende Anzug geschienen für die sehnige mittelgrosse Gestalt, die kräftigen Beine, die den Bergbewohner verrieten, und das ganze Wesen des Mannes, dass, die Flinte in der Faust, den Gegner auf Tod und Leben zu bedrohen schien.

"Ah, Signor, das nenn' ich pünktlich," sagte der Sarde