in Schönbrunn, dessen Zusammenhang die Polizei vergeblich zu erforschen suchte. Und mit Schmerz muss ich es sagen, ratz Gräfin Helene, die Zierde Wiens und ihres Vaterlandes, diesem dunklen Treiben nicht fremd ist, es wenigstens kennt und billigt."
Die schöne witwe war während dieser Entüllung bleich geworden, ihre feingeschnittenen Lippen kniffen sich fest auf einander.
"Es ist wahr, – was soll ich es leugnen," sagte sie endlich stolz; "ich weiss von jener Abscheulichkeit Nichts, aber ich werde gern eine Märtyrerin sein für mein Vaterland, wie so viele bessere Frauen gewesen sind unter der Staubrute des Prangers, wie in dem Moder österreichischer Kerker. Glauben Sie wirklich, dass das Blut der Batyani, das in meinen Adern fliesst, vergessen kann, dass mein Verwandter den Galgen zierte, dass es vergessen kann, Ungarns Rechte und Freiheiten?"
"Aber Ihr Oheim, Ihre Vettern sind auch Ungarn und doch gute Oesterreicher wie tausend Andere."
"Sie sind Diener und Anhänger des Kaiserhauses. Ich aber habe die Milch meines Landes getrunken und bin in ihm gross geworden. Doch das sind Anschauungen des Gefühls und der Entscheidung jedes Einzelnen. Um Vieles nicht möchte ich Kummer auf das weisse Haar meines Onkels bringen und danke Ihnen deshalb für Ihre Warnung. Ich werde in drei Tagen auf meine Güter am Maros gehen. Will kapitän Meiendorf einen teil der Jagdzeit auf meinem Schloss Bisztra zubringen, das er kennt, so findet er dort – wenn auch nicht durchgängig angenehme – Gesellschaft und wird willkommen sein."
Der kapitän schwieg einige Augenblicke.
"Ich verlasse Wien wahrscheinlich noch früher wie Sie, Gräfin."
"Wie das?"
"Man erwartet jeden Augenblick von Constantinopel eine entscheidende Nachricht. Der Kaiser ist gestern, wie Sie wissen, nach Warschau zurückgereist und wird sie dort in Empfang nehmen. Ist die Pforte wahnwitzig genug, die Kriegserklärung zu beschliessen, so werde ich wahrscheinlich als Courier zum Fürsten Gortschakoff gehen müssen. Ohnehin ruft mich dann meine militairische Pflicht in die Reihen der Donau-Armee."
"Wissen Sie, kapitän, dass ich Ihnen dort näher sein werde, als Sie glauben?"
"Wie meinen Sie das, Gräfin?"
"Von der Familie meiner Mutter habe ich zwei Güter am Schyl in der Nähe von Krajowa geerbt. Sie sehen daraus, dass ich schon als gute Untertanin des Sultans, meines Oberherrn, Ihre Gegnerin sein muss. Ich denke, noch in diesem Herbst, spätestens im Frühjahr, meine Walachen zu besuchen."
"Das dürfte doch leicht zu gefährlich sein. Sollte es wirklich geschehen, so würde es mir hoffentlich leicht werden, ein Kommando in jener Gegend zu erhalten, um zu Ihrem Schutz bereit zu sein."
"Sie sind zu galant, kapitän," lächelte die Gräfin mit leichter Coketterie; "ich kann kaum annehmen, dass meine kleine person wirklich einen Anspruch auf Ihr Interesse hat."
Der Offizier bog sich über den Sitz weit vor.
"Sollte Gräfin Helene in der Tat nicht wissen, welches Bild in diesem Herzen lebt, seit ich sie damals auf Schloss Bisztra am Lager Ihres kranken Gemahls zuerst erblickte?"
Die Gräfin schwieg – Zügel und Peitsche ruhten achtlos in ihrer feinen Hand.
"Es in eine eigentümliche gelegenheit, es auszusprechen." fuhr der kapitän mit bewegtem Tone fort, "aber Sie wissen, dem Soldaten gehört der Augenblick. Seit jener Zeit, seit ich Sie sah, Helene, liebe ich Sie innig und fest, so lange dies Herz schlagen wird. Als Mann von Ehre d a r f ich jetzt keine Frage an Sie richten, da ich im Dienst und bei den drohenden Verhältnissen nicht Herr meiner Selbst bin; ich m ö c h t e es nicht – weil ich in Kampf und Tod wenigstens die Hoffnung mit mir tragen will, in diesem stolzen Herzen ein Gedächtniss zu finden. – Aber sagen, sagen musste ich es Ihnen, ehe ich scheide – und jetzt, Gräfin von Laszlo, wissen Sie, warum ich in Wien blieb."
Eine lange Pause folgte dem inhaltschweren geständnis; auf Stirn und Wangen der schönen Magyarin zeigte die Röte ihre innere Erregung. Ein Kampf schien in ihrer Seele vorzugehen.
"Ich muss und will Ihnen dennoch eine Antwort geben, Herr kapitän. – Wissen auch Sie, warum ich aus den Reihen der Equipagen in dir einsame Allee einbog?"
Er schaute sie fragend an. Ihr dunkles Auge war zu Boden geschlagen, – sie achtete es nicht, wie leicht die Zügel ihrer Hand entglitten.
"Ich glaubte, – ich wusste, dass Sie mir das sagen würden, was ich eben gehört."
"Helene!"
"Halt, mein Freund! – Sie wissen, dass ich jung einen greisen Gatten erhielt, den ich kaum zwei Jahre lang als meinen Vater ehrte."
"Ich habe ihn gesehen. Sie pflegten den Greis wie einen beliebten."
"Familienverhältnisse liessen mich seine Gemahlin werden, – er sah den Ausgang der Erhebung unseres Landes voraus, den sichern Ruin unserer Familie vor Augen und wollte mich, die er als Kind geliebt, retten und mir eine Zukunft bereiten. Ich wurde die Erbin aller seiner Güter."
"Gräfin!"
"Still! was kümmert es uns, ob diese reich oder gering sind, ob diese Hand eine ihres Goldes wegen so vielbegehrte ist! – Krankheit fesselte meinen Gemahl an sein Schloss während des ganzen Krieges, obschon er