und Teppiche bringen. Ich hatte Weib und Kind, – eine Tochter von sechszehn Sommer, und bei sankt Polycarp dem Märtyrer, es war ein schönes und gutes Kind. Ich wohnte damals mit meiner Familie in Tschardak am Tschernek-Su, nährte mich redlich und friedlich und zahlte regelmässig mein Kopfgeld. Ein junger Mann unsers Glaubens sah mein Kind und begehrte es zur Ehe. Der Tag der Hochzeit war bestimmt, da reitet der Musselim1 an unserm haus vorbei und sieht Nausika, die ihm Milch reichen muss. Am andern Tage lässt er mein Weib rufen, – ich war gerade mit den Karavanen nach Smyrna, – und frägt sie, ob sie ihm die Tochter verkaufen wolle. Mein Weib erschrickt und bittet ihn, abzustehen, da das Mädchen verlobt sei und man bloss meine Rückkehr erwarte, um sie in das Haus ihres Gatten zu führen. Der Musselim aber streicht sich den Bart, spricht, er brauche ein schönes Weib als Geschenk für seinen gönner, den Mehemet Pascha in Stambul, und wenn sie das Kaufgeld nicht nehmen wolle, werde er das Mädchen umsonst holen. Darauf schickte er nach Vaso, meinem Eidam, steckt ihn trotz seines Glaubens unter den Nizam2 und sendet ihn noch am selben Tage mit einer Schaar fort. Am Abend aber holen seine Khawassen das Mädchen, und als mein Weib stehend folgt bis an die Schwelle seines Hauses, misshandeln sie die Aermste mit Stockschlägen, dass sie krank von den Nachbarn nach haus getragen wird. Als ich fünf Tage später von Smyrna heimkehrte, fand ich mein Weib am tod, mein Kind geraubt und den Musselim verreist. Ich raufte das Haar und begrub mein Weib. Dann tat ich einen Eid bei der heiligen Jungfrau, zündete mein Haus an, die Stätte meines Glücks, und ging davon."
"Aber warum klagtet Ihr nicht, unglücklicher Mann," sagte der Deutsche, "warum wandtet Ihr Euch nicht an die europäischen Consuln oder selbst nach Constantinopel?"
"An die Consuln?" hohnlachte der Räuber. "War ich ein ionischer Dieb oder ein maltesischer Mörder, dass ich auf ihren Schutz Anspruch gehabt hätte? Ich war ja nur ein Ipsarote, Einer der Millionen Christen, die diesen Henkern überlassen blieben mit Leib und Seele! – Gerechtigkeit in Smyrna oder Stambul gegen den Musselim, meinen H e r r n ! – Nein, Signor, ich tat Besseres, das einzige, was dem mann bleibt. Ich lauerte am Wege in den Felsen neun Tage lang, bis der Musselim von seiner Fahrt zurückkehrte, und als er mir nahe war, schoss ich ihm die Kugel in Mitten seiner Khawassen durch das gierige Herz. – Seitdem, Gregor Caraiskakis, seitdem bin ich ein Räuber!"
"Und Deine Tochter?"
"Was liegt an meiner Tochter! Sie wird, wie hundert Andere, an das träge Leben im Harem eines unserer Herren im üppigen Stambul sich längst gewöhnt haben! Die Heiligen wissen, ob und wo sie atmet – für den Vater ist sie gestorben. Ich nahm den Sohn der Schwester meines Weibes mit mir, Ihr habt den Knaben gesehen, und bald waren einige gefährten um mich versammelt, mit denen ich mein Rachewerk begann. Ihrer Verfolgungen kann ich spotten, denn tausend Freunde haben Augen und Ohren für mich in jener Stadt und im ganzen Paschalik."
"Du schmähst auf den Türken, Mann, auf den Erbfeind Deines Glaubens," sagte Gregor mit finsterem Ausdruck; "gehe hin zu Deinen christlichen Brüdern, den prahlenden Beschützern unserer Freiheit und unserer Religion, den Männern, die von den Rechten des volkes in ihren Parlamenten reden und das Glück der Völker im mund führen! Der Moslem nimmt offen seinen Raub und sagt: ich bin Dein Herr! Der Brite aber stiehlt Dir Dein Gut wie Dein Land, wenn es ihm gefällt und macht Dir noch weiss, es geschehe zu Deinem eigenen Besten. Dir ist die T o c h t e r genommen, mir die S c h w e s t e r . Ist die Odaliske des Türken, nach seinen Sitten und seinem Glauben sein Weib, nicht besser als die Metze des reichen Briten?"
Er sprang empor; die Faust des Räubers presste seinen Arm: "Was sprichst Du da?"
Gregor wiederholte das, was er am Mittag dem Freunde erzählt hatte. Der Bandit jauchzte hell auf: "Ei! steht es so! – Du würdest das Vöglein ausgeflogen finden, mein Sohn, wenn Jan, der Kameeltreiber, nicht zufällig dafür gesorgt hätte. Unten im Golf liegt eine Felucke vor Anker, die der Inglesi gemietet hat, um mit seinem Täubchen morgen in der Frühe auf und davon zu fahren. Ich habe gute Spione in Bournabat und hatte dem Franken ohnedem heute Nacht einen Besuch zugedacht, um ihn etwas leichter zu machen. Jetzt wird die Sache ernster. Wenn wir Deine Schwester nicht heule ihm abnehmen, ist sie verloren für Dich. Die Felucke führt nach Tenedos, wo in der Troja-Bai3 die Flotten ankern. – He, Mauro!" Er pfiff gellend, der Knabe sprang wie ein Pfeil herbei; Jan befahl ihm, die gefährten zu rufen bis auf die äusserste Wache gegen die Stadt. "Wir dürfen erst nach Mitternacht aufbrechen und wollen unterdessen unsere Mahlzeit halten. Ehe der Morgen graut, Gregor Caraiskakis, sollst Du Deine Schwester hier sehen."
"Das ist mein eigen Geschäft," erklärte Gregor, "ich nehme dankbar Deine