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Dank zu Füssen legen."

"Lubomirski? – Er hat einen braven Enkel, doch liebe ich die Begegnung mit alten Rebellen nicht; es ist genug, dass ich verzeihe. Es war ja wohl auf Ihre Empfehlung, Nesselrode?"

"Er ist ein alter Mann und hat uns in Paris mancherlei Dienste geleistet."

"Genug; sagen Sie den Herren, ich nähme die Meldung für empfangen an, aber meine Zeit wäre heute allzubeschränkt. Herr Reichskanzler, für morgen früh 6 Uhr. Der Grossfürst Nicolas wird uns begleiten, von Warschau aus der Fürst Stattalter."

"Sire, ich werde die Ehre haben, Eure Majestät auf der ersten Station zu erwarten. Ich beurlaube mich!"

"Adieu, Adieu! – geben Sie mir den Helm, Mansuroff, kommen Sie!" – – –

Der Kaiser verliess das Kabinet. – – –

Wir werden es in einer schweren Stunde wieder betreten!

Fussnoten

1 Djemala-Din, der älteste Sohn Schamiy's, war von ihm im Jahre 1839 bei dem Sturme auf Achulgo, wo er selbst nur wie durch ein Wunder entkam, als ein kaum 7jähriger Knabe dem russischen Gouvernement als Geissel gestellt und er war seitdem auf kaiserliche Kosten in dem Cadetten-Corps erzogen worden. – Wir werden später gelegenheit haben, sein ferneres Schicksal dem Leser vorzuführen. 2 Derselbe wurde wegen seines Gedichts auf Puschkin's Tod: "An Russlands Schutzgeist," als Soldat nach dem Kaukasus geschickt. 3 Historisch. 4 29. August alten Styls. Um die doppelten Bezeichnungen zu vermeiden, geben wir, auch wo die Scene in Russland spielt, nur die Daten des neuen Kalenders, der mit dem älteren um 12 Tage divergirt. 5 Commandeur der Garden. 6 Grossadmiral. 7 Handelsminister. 8 Der Koranin arabischer Sprache geschrieben, aus lein das religiöse, sondern auch das bürgerliche Gesetzbuch. Die Ulema's sind die Ausleger des Korans und bilden daher gleichsam eine Klasse religiöser Rechtsverständiger; Softa's heissen die Schüler und Studirenden. Das Haupt der Ulema's ist der Scheik ul Islam (gleichsam Justizminister). Unter ihm steht an der Spitze der Ulema's jeder Provinz ein Karaskier, der aber in Constantinopel residirt. Diese bilden einen Rat, an den sich der Sultan in wichtigen Dingen mit du Frage wendet, was der Koran entscheidet. Die Erklärung des Rates heisst Fetva. – Der Rat hatte sich für den Krieg entschieden. 9 Katarina II. 10 Väterchen.

III. Wien.

Im Hofraum eines jener alten aristokratischen Palais, deren die Altstadt Wien in ihren krummen, mittelalterlichen Strassen noch so viele bewahrt hat, und welche die hohen Familien wie zu ihrem alten Geschlecht gehörig, sorgsam hegen, hielt ein reichgallonirter Stalldiener zwei prächtige, ungarische Pferde in schwerem Silbergeschirr mit rotseidenem Behang und Zügeln vor einen zierlichen Tilbury gespannt, dessen leichter graciöser Bau mindestens das englische Muster verriet. Ein Jockei, in Grün und Silber gekleidet, stand daneben, während nicht weit davon ein Reitknecht zu Pferde mit einem schönen halbblütigen Reitpferde wartete.

Die Vortreppe des Mittelbaues kamen so eben ein Herr und eine Dame herunter; die Letztere, eine elegante Schönheit, etwa 24 Jahr, von seinen zierlichen Formen. Das länglich schmale, blasse Gesicht mit der seinen gebogenen Nase und den hoch geschwungenen, aber scharf gezeichneten, schwarzen Brauen über den feurigen Augen kündete den sarmatischen Ursprung. Ein tief nach den üppigen Haarflechten des Hinterkopfes zurückfallender, kleiner Damenhut, ein weiter weicher Kashmirshawl um das hoch am Hals hinaufgehende, dollmannartig geschnittene und verzierte Kleid bildeten eine sehr zierliche Tracht und hob den feinen, kaum die Mittelgrösse erreichenden Wuchs. Eine grosse Lebendigkeit und Rastlosigkeit tat sich in allen Bewegungen der Dame kund.

Ihr Begleiter trug die Interims-Uniform eines russischen Capitains mit dein Kasket. Er war ein grosser, schlankgewachsener Mann von nahe an dreissig Jahren und ernster, denkender Gesichtsbildung. Seine Brust schmückte die Miniatüre dreier Orden, eines russischen, eines österreichischen und eines preussischen.

"Da Ihr Onkel mich für die Spazierfahrt im Prater zu Ihrem Cavalier ernannt hat, schöne Gräfin," sagte der Offizier, indem er die Dame auf den Sitz des Wagens hob und Zügel und Peitsche aus der Hand des Stallknechts nahm, "so erlauben Sie, dass ich Jockeidienste verrichte."

"Nichts da, kapitän; lassen Sie Ihr Pferd meinetwegen folgen und setzen Sie sich zu mir. Ader von der brücke ab verwalte ich selbst mein Amt und lasse mir durch Sie das gewohnte Vergnügen nickt schmälern. Sehen Sie, wie Ali und Miss Baba in die Zügel beissen, weil sie die gewohnte Hand vermissen."

"Die Pferde sind in der Tat heute sehr unruhig," sagte der kapitän, indem er sich auf den Sitz schwang und der Jockei hinten auf sprang; "es wird eine Männerhand erfordern, sie zu bändigen."

Er nahm ihre Zügel zusammen und ein leichter Schmitz der Peitsche trieb sie vorwärts und aus dem Torweg.

"Nehmen Sie sich in Acht," lachte die Dame; "ich bin gestern und vorgestern nicht gefahren und meine Pferde sind heissblütig, wie die Söhne ihres Landes."

Der Wagen bog in eine der Gassen, die nach dem Stephansplatz führen. Hoch und kühn streckte sich dieser schönste und berühmteste Dom Deutschlands in die blaue Luft. Nach dem roten Turmtor ging die Fahrt, während deren in den Strassen die Unterhaltung stockte, da die unbändigen Rosse alle Aufmerksamkeit des Führers in Anspruch nahmen; dann