schlug einen Angriff bei Nacht mit Böten vor, ein Dritter gar, die Stadt an allen Ecken anzuzünden. Je abenteuerlicher und entsetzlicher die vorgeschlagene Tat, desto stürmischer war der sinnlose Beifall. Vergebens suchte in diesem Tumult Welland zur Ruhe und überlegung zu mahnen; verzweifelnd wollte er sich abwenden und den Platz verlassen, als er im Gedränge einen Zettel in seine Hand gedrückt fühlte. Rasch wandte er sich um, doch unbekannte, nur mit der aufregenden Versammlung beschäftigte Gesichter zeigten sich rings umher. Er flüchtete aus dem Gewühle und las den Zettel. Ein Kreuz, ähnlich dem, das Costa ihm gezeigt, war in flüchtigen Zügen mit Bleistift auf das Papier gezeichnet. Darunter standen die Worte: "Keine Gewalt! die Zeit ist noch nicht gekommen. Gehen Sie morgen zum amerikanischen Consul und verlangen Sie seinen Schutz für Costa als amerikanischen Bürger. Die Hilfe wird zur rechten Zeit bereit sein. Gehorsam!" – Welland trafen die Zeilen wie ein Blitzstrahl, freudig, dass sich eine Aussicht zeigte, den Gefangenen zu retten, überraschend, dass auch hier in so weiter Ferne eine unsichtbare geheimnissvolle Macht seine Handlungen zu leiten, Alles zu überwachen schien. Er drängte sich mit Gewalt zu Fumagalli durch und zog ihn bei Seite. "Wenn Sie nicht Alles absichtlich verderben und Costa's Blut über sich und uns Alle bringen wollen, so stehen Sie von diesen wahnwitzigen Handlungen ab!" sagte er ihm. "Gehen Sie meinetwegen mit einer Deputation zu dem österreichischen Consulat und fordern Costa's Freigebung, um die aufgeregte Menge zu beschwichtigen, aber keine Gewalttat heute! Sie wissen, dass Costa dem Bunde angehört, im Namen dieses Bundes und als Ihr Vorgesetzter befehle ich Ihnen, den morgenden Tag abzuwarten. Bis dahin wird Hilfe zur Stelle sein, die den Ungar schützen kann, den wir heute nur verderben würden." – Mit Widerstreben versprach der Italiener, die Menge zu beruhigen oder wenigstens so zu leiten, dass es bei den Drohungen bliebe und keine offenbare Gewalttat die Lage verschlimmere. Von ihm erfuhr Welland auf seine Nachfrage auch, dass in der wohnung Costa's sich nur wenige und unbedeutende Papiere vorgefunden und diese bereits in Sicherheit gebracht worden seien. Ein Pass war nicht darunter gewesen.
Während Fumagalli auf's Neue zu dem Kreis der Flüchtigen sprach, mit Hilfe seiner Vertrauten die Wahl eines Comitee's zu stand brachte und dann vorschlug, nach der Stadt zurückzuziehen, suchte Welland den Freund auf und fand ihn unter den Trümmern des Schlosses am Rand einer Cisterne sitzen. Die Sonne verschwand eben am Horizont und in der beginnenden Dämmerung, die, wie es im Süden der Fall, rasch zunahm, hörten sie die wilden Revolutionsgesänge der abziehenden Haufen. Sie waren die Einzigen, die noch zurückgeblieben, und Welland mahnte trotz des erhabenen Eindrucks, den die Stille des Abends und der einbrechenden Nacht verbreitete, zum Aufbruch, da ihm die Erzählungen von der Unsicherheit der Umgebung einfielen. Aber es schien bereits zu spät. Als sie den Ausgang suchten, streckte sich ihnen plötzlich ein Gewehrlauf entgegen und eine barsche stimme rief sie in griechischer Sprache an. Sie sprangen zurück und griffen nach den verborgenen Terzerolen, die Beide trugen, doch ein leichtes lachen machte sie sich umwenden, und sie erblickten hinter sich, aber in griechischer Tracht und auf eine lange Flinte gestützt, den Unbekannten, welcher sich gestern auf der Marina bei Caraiskakis Namen so ergriffen gezeigt hatte.
"Ich danke Ihnen, Signori," sagte der Fremde mit leichtem Spott, "dass Sie meiner Einladung dennoch Folge geleistet. Freilich etwas spät – doch in diesem land kommt alles Gute spät, oft zu spät, meist gar nicht. Wollen Sie mir folgen, Sie sehen, jeder Widerstand ist unnütz, und bei sankt Procopio, meinem Schutzheiligen, ich wollte mir eher die Augen ausreissen lassen von diesen türkischen Hunden, ehe ich zugäbe, dass Ihnen etwas Uebles widerfährt."
Welland und der Grieche sahen sich um und sich von neun bis zehn dunklen Gestalten umgeben, deren Waffen im Sternenlicht funkelten, – Widerstand wäre töricht gewesen – nach wenigen deutsch gewechselten Worten erklärten sich Beide bereit, dem Fremden zu folgen.
Dieser – offenbar der Anführer der gefährlichen Schaar – erteilte derselben einige kurze Befehle und ging dann voran, von den beiden Freunden gefolgt, denen sorgsam zwei der Banditen jede unebene und gefährliche Stelle zeigten. Der Weg führte sie mitten in die Ruinen der alten Akropolis und nach kurzem gang sahen sie aus einem der verfallenen Bogen den Schein eines Feuers leuchten. Sie traten durch die Pforte in einen kleinen von Mauern umgebenen Raum, in dessen Mitte ein Feuer brannte, von dem Knaben angeschürt, der ein Hammelviertel am Spiess briet. In der Nähe lagen auf riesigen Marmorquadern ein Schlauch voll des schwarzen aromatischen Brussaweins und andere zur Mahlzeit gehörige Gegenstände.
Der Fremde schritt zuerst auf den Stein zu, nahm einen Maiskuchen, bestreute ihn mit Salz und brach ihn in drei Teile, von denen er einen jedem der Freunde gab. "Nehmt und esst," sprach er, "der Gast ist dem Wirte heilig." Gregor und Welland assen einige Bissen, und Beide, die schöne Sitte des Morgenlandes kennend, fühlten sich beruhigt.
"Jetzt, M a u r o ," sagte freundlich der Unbekannte zu dem Knaben, "entferne Dich und halte Wache, dass uns Niemand stört, ich habe mit diesen Männern zu reden." Das Kind gehorchte; auf einen Wink des Mannes setzten sich