nur um eine gefälligkeit. Auch interessiren sie mich weniger, als ihre Väter und Verwandten, die, wie Sie vielleicht wissen, besondere Stellungen bei hof haben. Ich besitze da zwei Schützlinge, zwei arme Bedienten, die unverschuldet ausser Brot gekommen sind und neue Condition in vornehmen Häusern suchen. In den Familien der gedachten Herren sollen nun zwei Dienerstellen vacant sein; Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie meine Schützlinge wie zufällig Ihren Verehrern, Jedem einen, empfehlen wollten."
Der Major hatte seinen Wunsch mit möglichster Gleichgültigkeit hingeworfen, der schlauen Tänzerin jedoch entging es nicht, dass das gerade die Pointe seines Besuches war, und um sich für die früheren kleinen Zweifel in die Macht ihrer Reize zu rächen, schaute sie ihm fest in's Gesicht und fragte:
"Ist dies ein Auftrag der unbekannten Beschützer, denen ich zu gehorchen habe, Senior?"
Der Major biss sich auf die Lippen.
"Sie haben aus dem Zeichen aus meiner Karte gesehen, dass ich nicht aus Galanterie Ihnen meinen Besuch mache, Madame; weiter wird mir dies in Ihren Augen Vollmacht geben" – er nahm aus seiner Brieftasche ein seines schwarzes Kreuz von jener Form, dir wir bereits mehrfach erwähnt haben, mit fünf Silberstiften geziert – "und ich bitte Sie daher, das, was ich Ihnen vorhin in Bezug auf Wien und Pest sagte, als aus gleicher Quelle kommend anzusehen. In Betreff der beiden Diener werden Sie die Empfehlung so wie zufällig bei den bezeichneten Herren anbringen; Sie werden sagen, diese Leute wären dienstlos, Sie hätten im Hotel davon sprechen hören und dieselben hätten bei Ihnen in Dienst treten wollen, oder was Ihr Witz Ihnen sonst eingiebt. Morgen früh werden sich beide Diener bei Ihnen vorstellen; mit guten Attesten sind sie reichlich versehen, so dass sie Ihrer Empfehlung Ehre machen werden. Und nun, Madame, erlauben Sie mir, Ihnen das Vergnügen auszudrücken, bei dieser gelegenheit die persönliche Bekanntschaft der gefeierten Schönheit des Tages gemacht zu haben und mich Ihnen zu empfehlen."
"Wie, Senjor, Sie wollen schon fort? ich hoffte, Sie würden mir die Ehre erzeigen, mit mir zu soupiren."
"Ich weiss das Glück zu schätzen, Madame, aber meine Geschäfte nehmen mich noch in Anspruch. Ich hoffe, Sie wiederzusehen; ist es nicht hier, doch später an einem anderen Ort Ihrer Triumphe. Leben Sie wohl, Senjora."
Er empfahl sich, und während die schöne Spanierin sich nachsinnend in die Ecke ihres Sopha's kauerte, schritt er rasch die Linden entlang, unter denen noch reges fröhliches Leben herrschte, nach dem Brandenburger Tore zu. –
Nachdem der Major seinen Weg durch verschiedene Strassen und Hintergassen genommen und vielleicht dreifach gemacht hatte, wie als wolle er jeder Beobachtung entgehen, blieb er vor einer niedern Gartenmauer stehen, zog einen Schlüssel hervor und öffnete die schlecht verwahrte Hintertür. Dann schritt er durch die hohen Laubgänge und Parkanlagen bis in die Nähe des Vorderhauses, eines mächtigen stolzen Gebäudes von aristokratischem Typus, das sich vor ihm in die Nachtluft erhob. Aus dem grossen Fenster des ersten Stockwerks im Seitenflügel, dem einzigen, das nach dem Garten heraussah, schimmerte durch die Gardinen ein ruhiges Licht. Nach aufmerksamem Umherlauschen und Schauen pfiff der Major leise aber scharf einige Takte und sogleich erschien der Schatten einer weiblichen Gestalt an dem offenen Fenster, die Vorhänge wurden fortgezogen und eine Dame lehnte sich heraus.
"Bist Du es, Ferdinand? Ist Alles sicher?"
"Wenn Du oben unbehindert bist, so komm."
Einige Augenblicke darauf verschwand das Licht, aus dem Fenster rollte, die dunkle Epheubekleidung der Mauer entlang, eine kurze Strickleiter von schwarzer Seide herunter, und die Dame schwang sich kühn und mit der Sicherheit der Gewohnheit über die Fensterbrüstung und stieg auf den schwanken Schlingen herunter, wo sie der Erwartende in seinen Armen auffing und mit einem Kuss begrüsste.
"Ich glaubte schon, Du würdest nicht kommen, Ferdinand," sagte die junge Dame, eine hohe schlanke Figur im dunklen Capuchon und in ein weites kostbares Shawltuch gehüllt; "es war so spät und ich hatte mich längst freigemacht."
"Es ist elf Uhr vorbei, Marie, und ich habe Dir oft schon gesagt, dass die frühe Stunde uns leicht verderblich werden kann. Ueberdies hatte ich dringende Abhaltung. Doch nun komm'."
Er verbarg vorsichtig das Ende der Strickleiter in den Epheuranken und führte dann die Dame, die sich zärtlich an ihn schmiegte, weiter hinein in die dunklen Bosquets des Gartens bis zu einer Bank unter hohen Ulmen und Kastanien, wo er sie niedersitzen liess.
"Wie, werden wir heute nicht zu unserm kleinen Engel gehen, Du versprachst es mir doch das letzte Mal, Ferdinand?"
"Du sollst ihn sehen, gewiss, Marie, aber ich wiederhole Dir, es ist noch zu früh, die Strassen sind noch zu belebt. Ueberdies habe ich Einiges mit Dir zu sprechen. Höre mich ruhig an, ich bitte Dich, Marie."
Sie setzte sich dicht an ihn, Hand in Hand, den andern Arm um ihn geschlungen und blickte ihm zärtlich in das harte stolze Auge. –
"Du weisst, Marie, und wir haben es hundert Mal besprochen, dass unter den jetzigen Verhältnissen keine Aussicht und Hoffnung für uns ist. Das Glück hat uns besonders wohlgewollt, dass wir vor dem Auge Deines Vaters und Bruders Deine Schwangerschaft zu verbergen vermochten, ihre häufige Abwesenheit und Dein