von der hiesigen kunstliebenden Welt so in Anspruch genommen, dass gewiss jeder Ihrer Augenblicke besetzt ist, und ich freute mich, im Hotel zu hören, dass Sie für heute Abend keine Einladung angenommen."
"Ach ja, ich darf über meine Aufnahme in Berlin nicht klagen, man fetirt mich und ich habe zahlreiche Freunde gefunden."
"Leider nur nicht in den Kreisen, in denen man es wünschte. Ihr erstes Auftreten, Madame, gab den Ausschlag. Sie haben einen grossen Kreis von Verehrern, aber in einer andern Sphäre, als in welcher Diejenigen es beabsichtigten und hofften, – von denen Sie wissen."
Die Spanierin errötete leicht und beugte zustimmend den Kopf.
"Aber es ist nicht meine Schuld; man ist hier so prüde und ich glaubte wenigstens das Feld behaupten zu müssen, Herr Major."
"Sie haben auch vollkommen recht gehandelt, Madame. Man hatte nur ein falsches Calcul gemacht, man kennt und würdigt Berlin zu wenig. Die norddeutsche Aristokratie, die preussische Armee sind anderer natur, als man gehofft hat, – ich widersprach sogleich, aber man wollte den Versuch doch machen. Das preussische Offizier-Corps, die Armee insbesondere ist ein in sich abgeschlossenes Ganze, dessen einzelne Glieder keine Individualitäten bilden, den Leidenschaften und der Verführung offen. Hier ist zu sehr die person vom Soldaten getrennt. Der junge Mann kann vielleicht Fehler und Torheiten begehen, und es kommen deren genug vor, aber dieselben werden nie auf den militärischen Geist Einfluss haben. Da kann nicht eine gewöhnliche sinnliche Verlockung Bresche machen in die Phalanx, sondern nur eine grosse, anregende, verführende idee, welche Spaltung in den Gemütern und Ansichten hervorbringt. In dieser Beziehung sind bereits die nötigen Vorschläge gemacht."
"Ich verstehe Sie nicht, mein Herr, – es fehlt doch nicht an Offizieren und vornehmen Herren unter meinen Verehrern."
"Ich weiss, ich weiss! Aber das ist Nichts, – junge Elegants, die der Mode huldigen und das Extravagante lieben, aber nie Ihnen Einfluss auf ihre blinden Gesinnungen gestatten werden. Auch die nordische Aristokratie ist zu exclusiv für solche persönliche Verführungen. Der jüngere teil gehört ohnehin grösstenteils dem Militairstande, und die Aelteren, die von Bedeutung sind, haben eine Tradition und zu viel kaltes Blut, um einer Tänzerin zu Füssen zu liegen. Die Verhältnisse selbst haben Sie, Madame, auf den Boden geführt, wo allein Sie in Berlin glänzen und herrschen können, zu unserer blasirten Finanzwelt, der Eitelkeit der Börse und dem Entusiasmus des pflastertretenden Rentiers."
"Senjor, ich begreife nicht ..."
Der Major lachte leise.
"Sein Sie nicht böse, ich will Ihnen keineswegs Ihre Triumphe schmälern. Sie sind das Entzücken aller wichtigen Leute, die in Berlin den Ton angeben, bis hin und wieder einmal ein ernster Wellenschlag der Zeit ihre Meinung auf die gehörige Nullität reduzirt. Diese süssen Formen, diese nie geschauten Hüftenkünste verzücken eine Klasse bis in den dritten Himmel, welche in Berlin allmächtig geworden und in allen Branchen dominirt, die selbst den Pietismus von seinem Trone gedrängt hat, ich meine das vergoldete und vergesellschaftete Judentum. Aber das gehört ohnehin zum Liberalismus und zur Opposition, so lange es keine Opfer und keine Gefahr gilt. Sind Sie nicht auch das Entzücken der Kritik, so weit es eine solche in Berlin gibt? Freilich ist das, mit wenigen isolirten Ausnahmen, die jämmerlichste Gesellschaft, die existiren kann, und jedes Anspruchs auf Beachtung baar. Aber alle diese Triumphe, Madame, so schmeichelhaft und angenehm sie auch für Sie sind, nützen unseren Zwecken Nichts und werden – so viel ich diesen Entusiasmus veranschlagen kann – auch nur schlecht Ihre Kasse und Ihre Toilette füllen."
Die Spanierin zuckte verächtlich mit dem mund.
"Ich habe mir allerdings Anderes von Berlin vorgestellt. Bouquets! Bouquets! Denken Sie, dass neulich ein – vornehmer Herr sich zum Souper einlud und für sein Couvert einen Fünfzig-Talerschein zurückliess!"
Sie gedachte der Niederlage, die sie noch am Abend erlitten.
"Ich kenne die berliner Renommagen, man verschwendet hier nur mit Worten. Wenn ich Ihnen raten darf, Madame, gehen Sie nach Wien, nach Prag, nach Pest – da ist ein glücklicherer Boden, als die norddeutschen Residenzen. Freilich haben sich seit Achtundvierzig dort auch die Verhältnisse geändert, aber es ist noch immer reiche Empfänglichkeit da von Oben herab. So tapfer die Armee ist, so ist sie doch aus zu vielen Ingredienzien zusammengesetzt, um in den Personen nicht zugänglich zu sein. Es gibt unabhängig von ihr einen lebenslustigen Adel. Sie werden, wo Sie hier Verehrung und Huldigung fanden, dort Begeisterung und Aufopferung haben und Männer finden, die leidenschaft genug besitzen, sich zu ruiniren. Ihr Ruf ist jetzt begründet und Ihnen vorangegangen."
Die Tänzerin wiegte schlau das Haupt.
"Ich habe bereits meinem Agenten Auftrag gegeben, für mich in Wien und Pest abzuschliessen. In acht Tagen trete ich auf."
"Ah schön! ich sehe, wir verstehen uns. Ich werde dafür sorgen, dass Sie in Wien Empfehlungen vorfinden, die Ihnen mehr nützen, als die hiesigen. A propos! Sie zählen doch noch hier zu Ihren Verehrern den jungen Baron H ..... und Herrn von M ....?"
"Die Herren machen mir ihren Besuch und sind alle Abend im Teater, – aber sie sind so jung ..."
"Es handelt sich