dabei wieder zu sich und schaute ihm fragend in's Gesicht.
"Beruhigen Sie sich, ich stehe Ihnen für die Kur mit aller meiner Kunst."
Maubridge trat heran.
"Es tut mir leid um Sie, aber Sie zwangen mich. Wollen Sie jetzt – wo Sie selbst der Hilfe bedürfen, meine Bitte erfüllen und mir den Aufentalt Ihrer Schwester nennen?"
Caraiskakis machte eine heftige abwehrende Bewegung.
"Sir, stören Sie meinen Freund nicht, der Verband kann leicht aufbrechen und der neue Blutverlust würde ihm schaden."
"Kann ich sonst Etwas für Sie tun? Mein Boot steht zu Ihrer Disposition."
Eine abwehrende Bewegung.
"So leben Sie wohl und warnen Sie Ihren Freund, sich nicht in meinen Weg zu drängen. Kommen Sie, Malcolm."
Er verbeugte sich höflich und ging nach seinem Boot, in dem Beide den Fluss eine Strecke weit hinabfuhren. Adams, der alte Matrose, ruderte sie mit seinen gefährten stillschweigend fort, Maubridge sass in Gedanken, den Kopf in die Hand gestützt. Endlich schaute er auf.
"Nun, Alter, Du hast noch nicht einmal ein Wort für mich, dass ich so gut davongekommen? Ist das Deine alte anhänglichkeit?"
Der Seemann schüttelte den Kopf.
"Ich habe Sie gekannt und Sie jedes Tau, jede Spiere am Bord kennen gelehrt, als Sie ein Bürschchen, lange nicht so gross, wie Ihr Bruder, waren. Aber schon damals waren Sie ein störrisches Blut. Was haben Sie nun davon, den Bruder niederzuschiessen, nachdem Sie die Schwester unglücklich gemacht? Sie wissen selbst, dass er in seinem vollen Recht war."
Der Baronet zog die Stirn zusammen und legte seine Hand auf die Schulter des Matrosen.
"Du bist ein Tor und kennst mich noch eben so wenig, wie alle Andern. Aber einen Dienst musst Du mir dennoch erzeigen. Rudert hinter jenen Felsenvorsprungs und lasst uns dort aussteigen. Wir werden den Weg über das Land zu Fuss machen."
Das Boot schoss in das Versteck. Als eine Viertelstunde darauf der Kaik vorüberfuhr, welcher den Verwundeten und seinen besorgten Freund trug, folgte das Boot des Kriegsschiffs ihm unbemerkt in einiger Entfernung die Küste entlang bis nach Dardanelli.
Hier hatten die drei im haus eines griechischen Kaufmanns ein Unterkommen gefunden, der mit der Familie Grivas verwandt war. Diona warf sich wehklagend auf den Bruder und benetzte ihn mit ihren Tränen. Nur schwer vermochte sie Welland durch die Versicherung zu beruhigen, dass keinerlei Gefahr vorhanden, sei.
Beide teilten sich nun in die Pflege des Bruders, doch war es Welland auffallend, dass die Griechin von Tage zu Tage schwermütiger wurde, und in sich versunken, den Zustand des Kranken wenig beachtete. Ja, er traf sie ein Mal, als sie weinend und aufgeregt ein Papier las, das sie bei seinem Eintreten eilig verbarg.
Er wollte den Freund nicht beunruhigen, dessen Genesung, nachdem die Kugel aus dem Knochen geholt worden, langsam vorschritt, und schwieg deshalb.
Seine Briefe hatte er zum teil nach Constantinopel vorausgeschickt. Zwei Wochen waren vergangen, als ihm plötzlich von dort ein Fremder, der mit dem Dampfschiff gekommen, ein Schreiben brachte. Es entielt nur wenige Worte, aber mit dem geheimnissvollen Zeichen, dessen Untertan er war.
Der Brief befahl ihm, mit dem ersten abgehenden Dampfschiff in Constantinopel einzutreffen und machte ihm Vorwürfe wegen seiner Versäumniss. Welland empfand selbst, dass das längere Verweilen in Dardanelli zwecklos war, und nachdem er sich mit dem Freunde besprochen, für diesen den Schutz des französischen Consuls und des Capitains der Veloce gewonnen, schied er von den Geschwistern. Sobald Gregor ganz hergestellt war, wollte er ihm nach Constantinopel folgen. –
drei Tage darauf war Diona spurlos verschwunden. Caraiskakis, noch an das Lager gefesselt, bot vergeblich alles Mögliche auf, sie zu entdecken. Selbst das Einschreiten der französischen Offiziere hatte keinen Erfolg, denn kapitän Warburne wies nach, dass sein Gast bereits lange vor des Doctors Abreise sein Schiff verlassen hatte.
Die Ungeduld, der bittere Aerger verschlimmerten auf's Neue den Zustand Gregor's und banden ihn an's Krankenlager, so dass er nicht einmal dem Freunde Nachricht zu geben vermochte.
Fussnoten
1 Auf den meisten Karten falsch oder gar nicht eingezeichnet. 2 Midshipman's. 3 Wir wählen für das Schiff absichtlich einen falschen Namen.
D.V.
Guckkastenbilder.
I. Berlin.
Die Madrilena rauschte; Sie warf das süsse entzückende Bein dem Publikum entgegen, das in Logen und Parket, auf Gallerie und im Proscenium in einen gelinden Wahnsinn geriet, sich im "Brava" heiser schrie und sich die hände wund klatschte. Blumen flogen in Masse rechts und links aus den Teaterlogen, obschon eine arge kritische Zunge die unhöfliche Bemerkung machte, dass dieselben Kränze und Bouquets schon nach dem El Ole figurirt hätten. Das war jedoch pure Verleumdung, denn der Berliner Rentier und Banquier ist vollkommen im stand, wo es auf seine Liebhabereien und seinen Entusiasmus ankommt, es sich auch Etwas kosten zu lassen.
Die Kammerfrau sprang zu, den weichen warmen Hermelin um die Schultern der Tänzerin zu hängen.
"Die Blumen! die Blumen?" sagte diese hastig; "rechts das Bouquet!" Dann floh sie in ihre Garderobe.
Bald darauf erschien die Duegna mit den Blumen. Die Senjora, ehe sie noch sich des Costüms entledigte, siel sogleich über dieselben her und riss die zierlichen Bouquets auseinander, dass die Blüten umherflogen.