eintrafen, fanden sie bereits den Baronet mit dem zweiten Lieutenant des Niger vor, der ihm zum Secundanten diente. Der alte Matrose Adams hatte sie mit einem Genossen hierher gerudert und betrachtete mit Neugier die Kommenden, da Maubridge ihm mitgeteilt, dass sie unter ihren Angreifern in Burnabat gewesen waren.
Der Baronet, teilnahmlos für die weitern Verhandlungen, belustigte sich mit Pistolenschiessen, wobei der Deckmeister die Aufgabe hatte, die Waffen zu laden. In dem Baronet, von dessen charakter wir noch wenig gesprochen haben, lag eine seltsame Mischung von Eigenschaften, wie sie in der britischen Nationalität häufig vorkommen. An und für sich edelherzig und warmfühlend, war er mit jener Vorliebe für das Seltsame, Ungewöhnliche ziemlich reichlich begabt, die seine Landsleute so häufig zu den Excentrics führt, die in ihrer Ausartung in's Abgeschmackte ihnen den seltsamen Ruf durch die ganze Welt verschafft haben. Damit verband sich jedoch ein unbändiger Starrsinn, ein Eigenwille, der jede fremde Einwirkung von Aussen, selbst bei der erkenntnis des Bessern, beharrlich zurückwies, und eine Caprice, die durch Hindernisse wach gerufen, kein Mittel scheute, ihren Zweck durchzusetzen. Zu dem Allen gesellte sich jene gewisse Kälte und scheinbare Gleichgültigkeit, die den Briten der höhern Stände durch die Erziehung eingeimpft zu werden pflegt.
Welland trat zu dem Baronet.
"Sir," sagte er ernst, "erlauben Sie mir noch ein Mal, Sie daran zu erinnern, dass Ihre Handlungsweise die Ehre einer Familie trifft, deren Name und Abkunft sich sicher mit der jedes englischen Pairs messen kann. Aber sie trifft und bricht auch ein Herz, das in wahrer uneigennütziger Liebe an Ihnen zu hängen scheint, und das Sie nicht das Opfer einer Handlung werden lassen dürfen, von der wir nicht wissen, ob sie Täuschung, ob sie Wahrheit war. Diona, Ihre Gattin nach göttlichem Recht, hat mir diese Zeilen an Sie gegeben und das Versprechen abgenommen, dieselben in Ihre Hand zu legen. Ich hätte es bereits gestern getan, wenn die Umstände es erlaubt."
Der Baronet nahm das Blatt, erbrach und las es. Es schien nur wenige Zeilen zu entalten, die indess einen grossen Eindruck auf ihn machten. Seine schöne hohe Stirn färbte sich wieder, wie bei der ersten Begegnung auf dem Schiff, mit fliegender Röte, und er wandte sich hastig zu dem Deutschen:
"Wo ist Diona, kann ich sie sehen?"
"Sie werden es erfahren, Sir, sobald Sie meinem Freunde jenes Papier ausgeliefert haben, das im Consulat von Smyrna unterzeichnet wurde, oder uns die Erklärung auf Ihr Ehrenwort abgeben, dass Sie die Rechte Ihrer Gattin anerkennen wollen."
Der Baronet biss sich in die Lippen.
"Sie täuschen sich in mir und haben selbst Ihr Spiel verdorben. Diona hätte mich besser kennen sollen. Wir wollen die Sache beenden, wegen deren wir uns hierher bemüht haben, erlauben Sie nur, dass ich die Pistole entlade. Adams, auf!"
Der Deckmeister warf eine Citrone in die Höhe, während sie in der Luft schwebte, hob der Baronet blitzschnell die Pistole und schoss. Die Frucht stob auseinander.
Welland blickte unwillig auf das prahlerische Spiel, und doch zog sich sein Herz krampfhaft zusammen bei dem Gedanken, dass das Leben des Freundes, der im vollen Recht die Ehre seiner Familie verteidigte, der sichern Kugel des herzlosen Mannes verfallen sei. Er wandte sich zu dem Offizier, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Dies war bald geschehen, man wählte ein Paar Schiffspistolen und mass die Entfernung, fünfzehn Schritt, Jeder sollte das Recht haben, nach Belieben zu schiessen.
Als Welland den Freund auf seine Stelle geleitete, drückte dieser ihm herzlich die Hand.
"Sollte der Himmel gegen mich sein und mir ein Unglück passiren, so werden Sie Diona nicht verlassen und sofort an meine Brüder nach Aten schreiben. Die Adressen kennen Sie, und nun mit Gott!"
Maubridge fixirte ruhig den Griechen, es war, als wäre er seines Sieges gewiss. Der Lieutenant gab das Zeichen, einige Schritte ging Caraiskakis vor, dann schoss er.
Schiffspistolen sind eine unzuverlässige Waffe. Die wohlgezielte Kugel streifte den linken Aermel des Baronets und einige Blutstropfen quollen aus dem Rock.
"Schade um den Schuss!" sagte der Brite spöttisch. "Jetzt ist die Reihe an mir, doch zuvor hören Sie einige Worte."
Gregor stand finster vor sich blickend da, er antwortete nicht.
"Wollen Sie mir den Aufentalt Ihrer Schwester nennen und mich das Weitere mit ihr allein verhandeln lassen?"
"Nein!"
"Ueberlegen Sie wohl, ich lasse mir nicht trotzen und schulde Ihnen die Revange für Burnabat."
"Schiessen Sie, Sir! Wenn ich zehn Leben hätte, würde ich sie an Ihre Verfolgung setzen und nicht von Ihrer Spur weichen."
"Dann müssen wir freilich dazu tun, Sie daran zu hindern."
Die Pistole hob sich rasch, ein Blitz zuckte, ein Knall, und Caraiskakis drehte sich um sich selbst, ehe er fiel.
"Sie haben ihn ermordet!"
"Keineswegs, ich müsste denn so schlecht schiessen, wie mein Gegner. Richten Sie ihn auf, die Kugel sitzt in der linken Hüfte und wird Ihren Freund wohl zwei monat von meinem Wege abhalten. Das genügt."
Welland beschäftigte sich mit dem Verwundeten und fand es, wie der Baronet in seiner kalten Ruhe gesagt. Er öffnete dem Freunde die Kleider und legte einen vorläufigen Verband an. Gregor kam