1855_Goedsche_156_214.txt

auf die Dame anbetrifft, so hat Sir Maubridge das Beispiel der Entführung gegeben, und mein Freund, Herr Gregor Caraiskakis, der Stiefbruder der Dame, konnte damals noch nicht wissen, dass Sie dieselbe bereits zu Ihrer rechtmässigen Gemahlin gemacht hatten."

Der Baronet hatte jetzt seine volle Ruhe wiedergewonnen. Um seinen Mund zeigte sich ein kalter hochmütiger Zug, der von Zeit zu Zeit sein sonst schönes Gesicht entstellte.

"Ah! also eine der gewöhnlichen Familienpressereien, von denen ich in Smyrna so Manches gehört! Nun wohl, meine Herren, ich gestehe, dass ich einen törichten Streich gemacht habe. Ihr Himmel ist heiss, aber dergleichen lässt sich hier leicht in Ordnung bringen. Was verlangen Sie für die Dame, die mich einige Zeit mit ihrer Gunst beehrt hat und von der ich nur bedaure, dass sie sich so früh schon von mir getrennt hat."

"Sir!"

"Nun ja, Sie werden denn doch nicht glauben, dass Sie von einer wirklichen Lady Maubridge sprechen. Ich bin zu jedem Ersatz bereit."

"Sie läugnen, dass Sie das junge Mädchen unter dem Versprechen der Ehe entführt haben? dass eine Trauung oder eine diese ersetzende Ceremonie im englischen Consulat stattgefunden hat und Diona Grivas Ihre rechtmässige Gemahlin ist?"

"Was vorgefallen, Sir, darüber werde ich Ihnen keine Rechenschaft geben. Das aber mögen Sie und dieser Herr, der wahrscheinlich kein Englisch versteht und daher die Rolle des schweigenden Bruders spielt, wissen, dass ich den Anspruch auf den Namen meiner Gattin zurückweise und sie in ihrem eigenen Interesse wohl tun wird, eine so tolle idee nicht weiter zu verfolgen."

"Sie weigern also bestimmt die Anerkennung."

"Ich werde mich nicht so lächerlich machen, darauf weiter einzugehen; haben Sie Beweise, so legen Sie Ihre Klage bei dem britischen Gesandten ein. Und nun, meine Herren ..."

"Einen Augenblick noch," sagte der Grieche, indem er auf ihn zutrat. "Sie irrten, wenn Sie glaubten, ich verstände Ihre Sprache nicht. Ich hoffe, dass Sie eben so gut die Sprache eines Mannes von Ehre verstehen werden, der Ihnen sagt, dass Baronet Maubridge wie ein ehrloser Schurke gegen ein schutzloses Mädchen gehandelt hat!"

"Sir!"

"Die Willkür und das Unrecht, welche Ihre Nation dem griechischen Volk antut, müssen wir leider tragen, aber Gott sei Dank, noch ist der Einzelne im stand, das angetane Unrecht zu rächen. Ich werde Sie zwingen, meiner Schwester den Namen zu geben, der ihr gebührt."

"Bah!"

"Bestimmen Sie Zeit und Waffen!"

"Ich schlage mich mit einem griechischen Banditen nur bei einem Angriff und Ueberfall, Sie wissen das."

"Wohl, so nehmen Sie dies als Angriff ..." er hob die Hand zum Schlage, doch Maubridge kam ihm zuvor und fasste den Arm.

"Halt dakeine Beleidigung, für die ich Sie todtschiessen müsste; es sollte mir leid tun. Dieser Herr wird wahrscheinlich Ihr Secundant sein."

"Ich bin es."

"Wohl. Der meine wird Sie noch heute aufsuchen. Wo findet er Sie?"

"Ich werde ihn in Tenedos im griechischen Kaffeehause am Hafen von der nächsten Stunde ab erwarten."

"Well! Auf Wiedersehen."

Er wandte sich kalt und hochmütig um und trat zu dem kapitän, der ein stummer Zeuge der ganzen Unterredung gewesen war, indess die beiden Freunde ihr Boot anriefen und sich entfernten.

"Sie sehen, Warburne, es ist Aussicht da, dass Sie auch Ihren zweiten Midshipman zu Gunsten einer erledigten Baronetschaft verlieren. Lassen Sie uns zu Tische gehen."

"Sie werden doch nicht toll genug sein, sich mit dem griechischen Landstreicher zu schlagen?"

"Es wird nichts Anderes übrig bleiben, da er sich unter den Schutz unserer guten Freunde, der Franzosen, begeben zu haben scheint, und ich diesen doch unmöglich sagen lassen kann, auf Ihrem Schiff wären ein Paar Pistolenschüsse geweigert worden. Sie werden mir einen Ihrer Offiziere leihen, Warburne, denn ich muss nun schon die Sache zu Ende bringen."

"Gott verdamm', ich hab' es Ihnen gleich gesagt, es kommt nichts Gescheutes heraus, wo ein Weiberrock im Spiel ist. Unter uns gesagt, mein Junge, scheinen Sie in der geschichte auch nicht besonders viel Recht zu haben."

"Nicht das geringste," sagte der Baronet ruhig, "es ist auch sehr leicht möglich, dass ich ganz anders gehandelt haben würde, wenn die Narren mir nicht hätten Zwang antun wollen. Die Kleine ist verteufelt hübsch und ich würde aufsehen mit ihr in London gemacht haben. – Doch sprechen wir nicht mehr davon, – die Burschen müssen ihre Lection haben."

Der Stewart des Capitains meldete zum zweiten Mal, dass angerichtet sei.

Wo der Skamander aus dem weiten Bergtal tritt, in dessen Hintergrund der grosse Hügel liegt, den man das Grab des Achilles nennt, und sich durch die Ebene des Ufers zum Meer schlängelt, während der Hitze des Sommers oft kaum so gross, dass er einen Kahn zu tragen vermag, liegen im Myrtengebüsch einige jener Säulentrümmer, die am südlichen Ende der Bucht sich noch so massenhaft zeigen. Hierher, um nicht zu weit entfernt von Dardanelli zu sein, hatte der Arzt das Rendezvous für den nächsten Morgen bestimmt.

Als die Freunde in der besprochenen frühen Stunde dort mit ihrer Barke