aber die Mittelwache in Tätigkeit bleiben. Aendern Sie gefälligst von Zeit zu Zeit den Cours und vermeiden Sie einen Segelstrich mit dem Franzosen. Es ist offenbar, dass der Narr uns seine Schnelligkeit zeigen will."
Der erste Lieutenant tippte an den Hut und ging, um das Commando an den zweiten Lieutenant zu übergeben, der die Mittelwache hatte. kapitän Warburne spazierte mit seinem Gast auf dem Deck weiter umher.
Die "Veloce3" schoss unterdessen näher heran, stattlich und leicht, wie ein Schwan durch die Wellen streift, einer jener schönen zierlichen Bauten, die selbst das Auge eines britischen Seemannes entzükken mögen. Es ist bekannt genug, dass zu Ende des vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts die englische Marine ihre besten Schiffe den siegreichen Gefechten mit der französischen Marine verdankte.
dicht unterm Spiegel des Niger wendete der Dampfer und schoss an seinem Backbord vorüber, so dass alle auf den Decks befindlichen Gruppen gegenseitig vollständig gesehen werden konnten.
Wir haben die englische Fregatte bereits beschrieben; versetzen wir uns einige Augenblicke vor der Begegnung auf das Hinterdeck des französischen Dampfers.
Alle, die beim Beginn des grossen Krieges die gelegenheit hatten, die britischen und französischen Kriegsschiffe zu besuchen, sind erstaunt gewesen über den grossen Unterschied, der sich auf den Schiffen beider Nationen bemerklich machte, und den überwiegend vorteilhaften Eindruck, welchen die französische Marine gewährte. Während Offiziere und Schiffsvolk auf den britischen Schiffen fast durchgängig etwas Steifes oder Plumpes, ja Brutales an sich haben, und in dieser Art sich der ganze Dienst kamaschenartig regelt und abspinnt, erscheint auf den französischen Schiffen Alles bei strenger Regelung und Ordnung frisch, frei und beweglich. Es herrscht statt des drohenden Gespenstes der neunschwänzigen Katze, welche noch immer und allein das Tier im britischen Matrosen zähmen kann, ein natürlicher Geist anständiger Ordnung und Disciplin unter den französischen Seeleuten, der der Individualität eines Jeden vollen Spielraum lässt. Leben und Heiterkeit, ein Scherz, ein Spass mitten im regen Diensteifer, kurz ein gewisses point d'honneur, das nicht bloss im Bulldoggenmut besteht, herrscht auf dem Vorderdeck eines französischen Kriegsschiffs.
Noch greller tritt der Unterschied in den beiderseitigen Offizier-Corps und in dem verhältnis der Vorgesetzten zu den Untergebenen hervor. Wenn man Gentleman's suchen will, so möge man sie auf dem Deck der französischen Schiffe suchen, vom jüngsten Aspiranten bis zum kapitän ist es Jeder unbestritten. Ohne der achtung und dem Range Etwas zu vergeben, herrscht zwischen den Offizieren des Schiffes ein überaus freundlicher und kameradschaftlicher Ton. Bei den zahlreichen Ausflügen mit den Dampfern nach Constantinopel, wie später, als die Flotten im Bosporus ankerten, sah man die älteren und jüngsten Offiziere stets in Gesellschaft, Arm in Arm, heiter und plaudernd und überall leicht Bekanntschaft machend, während die Engländer impertinent und abgeschlossen sich zeigten und das Schiffsvolk, jeder Ausschweifung hingegeben, sich so roh und brutal gegen die Bevölkerung benahm, dass häufig blutige Händel daraus entstanden. Während die englischen Schiffe am Bosporus lagen, wurden tatsächlich, auf Befehl des Seraskiers, alle Abende und Morgen die betrunkenen Matrosen von den türkischen Wachen auf den Gassen aufgesammelt und in Böten am Bord der nächsten Schiffe abgeliefert. Wir finden später einige Scenen dieses Treibens. – –
Auf dem Hinter- und Vorderdeck der Veloce waren Sonnenzelte ausgespannt, unter deren Schutz Offiziere und Mannschaft in zahlreichen Gruppen versammelt waren. Der kapitän, ein Mann von einigen dreissig Jahren, unterhielt ein Gespräch mit zwei Fremden, von denen der Eine die griechische Kleidung trug.
"Als wir uns in Paris trafen, Doctor," sagte er lachend und blies den Rauch der Papiercigarre in die Luft, "hätten wir Beide schwerlich geglaubt, dass unser nächstes Wiedersehen am grab des Achilles stattfinden werde. Der Kaiser hat uns seitdem tüchtig umhergeschickt und man scheint mir auch hier Adjutantendienste bei der Flotte aufbürden zu wollen. Wäre eine Vacanz auf meinem Schiff und hätten wir hier nicht einen so lieben alten Freund, der vortrefflich mit unserem inneren und äussern Menschen umzugehen weiss," – er reichte freundlich dem unfern mit mehreren Offizieren sich unterhaltenden Schiffsarzt die Hand – "so liesse ich Sie wahrhaftig nicht wieder fort, am wenigsten zu dem schlimmen Geschäft, das Sie vorhaben."
"Der Mensch kommt und geht, kapitän, Sie wissen das am besten," sagte Welland, denn er und Caraiskakis waren es, die wir am Bord der Veloce wiedertreffen. "Freilich möchte es schön sein, diese herrlichen Gewässer auf dem Schiff eines Freundes zu durchstreifen, wenn auch die Freundschaft oder Ihre Güte sich nur aus der Bekanntschaft im Café Carozza herschreibt, das wir Beide besuchten, während Sie im Marine-Ministerium antichambrirten. Doch freute ich mich aufrichtig, kapitän, als ich in Dardanelli die Namen der ankernden Schiffe erfuhr und darunter den des Ihren, nicht bloss weil ich Unterstützung von Ihnen in dem Zweck, der mich hierher führt, hoffte, sondern auch weil es mir Vergnügen machte, Sie wiederzusehen."
"Merci! ich wünschte, ich könnte meine Freundschaft Ihnen nur energischer beweisen, als durch diese Kreuz- und Querfahrt hinter einem alten englischen Segelschiff. Doch Sie wissen bereits, Doctor, die Ordres der Admiralität sind sehr streng und wir müssen Alles vermeiden, was irgend Veranlassung geben könnte, die entente cordiale auch im Kleinen zu stören."
"Ich würde unter keinen Umständen auch weiter Ihren Beistand annehmen, kapitän F o n t a i n . Sie haben schon mehr als genug getan, indem Sie uns Ihren allgemeinen Schutz gewähren. Ich kann