des Ida, auf dem P a r i s die schöne Griechin gewann und A e n e a s das Geschlecht der Dardaner beherrschte. P r i a m o s , H e k u b a , K a s s a n d r a die Unheilverkündende und der Liebling Apollo's, der männerwürgende furchtbare H e k t o r , wie er in banger Ahnung von A n d r o m a c h e scheidet zum Kampf mit dem P e l i d e n ! Sind das nicht Namen und Erinnerungen, die jede Phantasie bewegen?
Doch nicht allein die Erinnerungen des gebildeten
Europäers sind es, die diese jetzt öde Stätte bevölkern: dem ganzen volk der Hellenen sind die Gesänge seines grossen Dichters wohl bekannt, und der niedere Grieche der Inseln, der Matrose, der auf der Tartane das Meer durchstreift, naht mit Ehrfurcht jener Stelle und fühlt sich in seinem Elend stolz auf die Namen der grossen Vorfahren.
Die Bucht von Troja – in der Zeitgeschichte be
kannt unter dem Namen der B e s i k a - B a i – liegt1 nordöstlich gegenüber der Insel Tenedos, sich in weitem Bogen in das kleinasiatische Ufer hineinziehend. Ein Hafen auf der Westseite der hohen und felsigen Insel wird als derjenige bezeichnet, in dem sich die griechischen Schiffe nach ihrem Abzug verbargen, um nach des Odysseus gelungener List im Dunkel der Nacht zurückzukehren.
Die Meerenge zwischen Tenedos und dem asiati
schen Ufer ist an den schmälsten Stellen etwa eine halbe deutsche Meile breit. Die Nordostseite der Bai wird von einem breiten Landvorsprung gebildet, dessen nördliches Ufer den Eingang der Dardanellen beherrscht. Von der hier gelegenen kleinen, mit starken Festungswerken versehenen Stadt Dardanelli erreicht das Auge noch die Bai.
Alexandria Troas, von den Türken Eski Stambul genannt, liegt südlich an der grossen Bucht und bietet noch, zum teil mit einem Eichwald bedeckt, eine interessante und reiche Trümmerwelt. Hunderte von Säulen sind in allen Richtungen zerstreut um den alten Hafen, eine Reihe davon steht unter wasser und schäumend bricht sich die Brandung an ihnen. Ungefähr zweitausend Schritt vom Meere ab erheben sich noch die grossartigen Trümmer und schönen Bogen eines Gebäudes, das die Schiffer den Palast des Priamus zu nennen pflegen. Das alte Troja ist nordöstlich von der Bucht landeinwärts gelegen, im Tal des Skamander (Mendere). Nur wenige Erdwälle und künstliche Hügel geben dem Altertumsforscher hier einen Halt. Das Ufer ist am Meeresstrande flach und sanft aufsteigend. Dann folgen waldige Anhöhen, die zu einem Amphiteater von Bergen emporsteigend, unter denen der schneebedeckte Gipfel des Ida, das Tal des alten Skamander umkreisen. ––––––––––––––––––––––––––––
Wiederum lag, von Westen gekommen, eine Kriegsflotte auf den blauen Wellen der Trojabai, – nicht jene zwölfhundert Schiffe, die einst von den ionischen und ägeischen Küsten die griechischen Helden hierhergeführt, sondern die riesigen hölzernen Rosse Alt-Englands, der Stolz des stolzen Grossbritanniens, die kühn emporstrebende Seemacht Frankreichs, die alte Rivalin zu überflügeln drohend. Kinder eines andern Jahrtausends, einer neuen Zeit im Schaffen und Denken! Die riesigen Kolosse mit den drei- und vierfach übereinander starrenden Reihen von Feuerschlünden, bewegt durch die dämonische Kraft des Dampfes oder der wallenden Segel, boten sicher einen andern Anblick als die griechischen Schiffe vor fast dreitausend Jahren, doch Land und Meer und Himmel und Felsen waren noch dieselben wie damals, als sie die Achaïer getragen und des Protesilaos Blut zuerst den Sand des trojanischen Ufers färbte.
Am 23. Juni erschien die englische Flotte auf die Ordre des britischen Gesandten in Constantinopel, Lord Stratford de Redcliffe, unter Vice-Admiral D u n d a s am Eingang der Dardanellen und warf in der Besika-Bai Anker. Sie bestand aus zwei Dreidekkern, vier Zweideckern, einer Segelfregatte und vier Dampffregatten, nebst einigen kleinen Schiffen. – Bald darauf erschien auch die französische Flotte unter Vice-Admiral L a S u s s e und legte sich im Halbkreis neben die englische. Sie zählte acht Linienschiffe, darunter die prachtvollen, das englische Schiff Sanspareil weit überragenden Schraubendampfer Napoleon und Charlemagne, und fünf Dampffregatten.
Das verhältnis war damals zwischen beiden Flotten durchaus kein sehr freundschaftliches und versprach wenig für die vielgepriesene "entende cordiale". La Susse war ein bitterer Gegner der Engländer und nur deshalb später auf dem Ankerplatz erschienen, um die englischen Schiffe bei ihrer Ankunft nicht begrüssen zu müssen. Die Stellung der beiden Admirale hatte bereits zu mehreren Verwickelungen und zur Abberufung von La Susse geführt, dessen Dienstzeit abgelaufen war. In seine Stelle ward zum Commandanten des Geschwaders der Seepräfect von Toulon, Vice-Admiral H a m e l i n , ernannt.
Auf der Rhede von Brest wurde bereits ein zweites grosses Geschwader unter Vice-Admiral B r u a t ausgerüstet, gleichwie die Engländer in Spitead mit Anstrengung tätig waren. ––––––––––––––––––––––––––––
Die Schiffe lagen in drei grossen Gruppen am Ufer der Bai entlang vor ihren Ankern. Einige Fregatten und kleinere Schiffe kreuzten durch die Bucht, um unter der leichten Brise ein Segelmanöver zu machen.
Wir führen den Leser an Bord einer der erstern, der englischen Fregatte Niger.
Die Mannschaft der Wache war in voller Tätigkeit beim Manövriren, denn der erste Lieutenant verstand sie in Atem zu halten und hatte Augen für jeden Fehler. – Während er auf dem Gangweg auf- und abschritt, Takelwerk und Segel im Auge, lehnte kapitän W a r b u r n e an der Gallerie des Hinterdecks in der Nähe des Steuers mit einem Herrn in feiner