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-russische Kirche der kaiserlichen Regierung in Zukunft die Pflicht auferlege, sie in ihrer eigenen Macht zu suchen, und dass der Kaiser jede Verletzung des Status quo der griechischen Kirche als bestehenden Verträge und als eine feindselige Handlung gegen Russland betrachten werde, welche Sr. Majestät die Pflicht auferlege, zu Mitteln zu greifen, die er in seiner beständigen sorge für die Stabilität des türkischen Reiches und in seiner aufrichtigen Freundschaft für Se. Majestät den Sultan und dessen erhabenen Vater stets gewünscht habe, vermeiden zu können." 5 Möge der Leser nicht etwa in der Wahl der nachfolgenden Erzählung eine Parteilichkeit, eine Absicht und Tendenz erblicken. Der weitere Verlauf des Buches wird ihm zeigen, wie weit der Verfasser von jeder einseitigen Auffassung und Parteinahme entfernt ist und wie er seine Aufgabe darin gefunden hat, nach beiden Seiten einen tiefen blick auf die Höhen und Tiefen zu gewähren. Er hat die hohe Pflicht, W a h r h e i t zu geben, Tatsachen, welche die Erscheinungen der Gegenwart erläutern, und die Erzählung, die hier vorliegt, ist eine solche Tatsache, ein Stück Historie, das die gegenseitige Stellung der beiden Völker genügend charakterisiren und erläutern kann. Wer zweifelt an den Details, der lese die englischen und französischen Zeitungsberichte vom Frühjahr 1822, und er wird die Wahrheit bestätigt finden. – Auf der eben beendeten grossen Kunstaustellung in Paris hat ein mit der goldenen Medaille gekröntes grosses Bild Massacre von Chios," mit entsetzender Schilderung in das Gedächtniss des Publikums zurückgerufen.

D.V.

6 Das Harz der Mastixbäume, das, mit Zucker versetzt, die beliebteste und in grossen Quantitäten consumirte Näscherei der türkischen Frauen bildet. Auf Chios werden überhaupt die feinsten und beliebtesten Confitüren des Orients gefertigt und in den Handel gebracht, z.B. eingemachte Rosenblätter, Geranium, Weichseln, Limonen, Cedern, Quitten etc. 7 Silber, ungefähr 60,000 Tlr. Ein Beutel Gold gegenwärtig 10,000 Tlr. 8 Elpis, die Hoffnung, eine Abteilung der grossen Verbrüderung der H e t ä r i e , welche sich über alle griechischslavischen Völkerschaften erstreckte und hauptsächlich die Erhebung von 1821 vorbereitete. 9 Der neugriechische Name für das Aegeische Meer. 10 Er meint die Donau. Fürst Alexander Ypsilanti, der in der russischen Armee als GeneralMajor diente, überschritt auf den Ruf seiner Landsleute mit einigen hundert Mann am 6. März 1821 den Prut und erhob die Fahne des Aufstandes in der Moldau und Walachei. 11 Im Treffen bei Dragachan (19. Juni). 12 Es ist Tatsache, dass der Divan damals damit umging, die ganze griechische Nationalität zu vernichten. Das energische Auftreten des russischen Gesandten Grafen Stroganoff, der am 31. Juli die diplomatischen Verbindungen aufhob und mit der Drohung eines Krieges nach Odessa abreiste, unterbrach allein dies Vertilgungssystem, das bereits die furchtbarsten Grausamkeiten hervorgerufen hatte. Erst Mitte des Jahres erlangten die europäischen Gesandten, namentlich Lord Strangford, dass dem Morden Einhalt getan und die Muselmänner entwaffnet wurden. 13 Das Oberhaupt der orientalischen Kirche wurde am Osterfeiertage in seinem Festgewande vor der Hauptpforte seiner Kirche aufgeknüpft. 14 In den ersten Tagen des April. 15 Ali Pascha von Janina, der später von dem Pascha von Morea, Churschid Achmed, durch Verrat besiegt und erwürgt wurde. 16 Ortsvorstände. 17 Er wurde im Juni von der neugebildeten Regierung in Morea deswegen verbannt. 18 1822. 19 Historisch, wie überhaupt alle hier folgenden Angaben. 20 Auch Chios streitet um den Ruhm, die Geburtsstätte Homer's zu sein. Ausserdem waren der tragische Dichter Jon, der zur Zeit des macedonischen Philipp lebende Geschichtsschreiber Teopompus, der Sophist Teokrit und der Arzt Metrodorus Eingeborene von Chios. 21 Eine historische Scene unter den tausend ähnlichen jener furchtbaren Metzelei. 22 Einehistorischvielfach vorgekommene Marter! 23 Ein auf dem asiatischen Ufer liegender nur durch eine Meerenge von Chios getrennter Hafen. 24 Der Smyrna'er Spectateur oriental vom 24. Mai meldet, dass bis zum 20. Mai schon d r e i ss i g t a u s e n d Weiber und Kinder als Sclaven zollamtlich ausgeführt waren. – Es ist Tatsache, dass von einer wohlhabenden Bevölkerung von 120000 Seelen etwa n e u n h u n d e r t auf Chios zurückblieben.

Die Flotten.

T r o j a ! – welche Erinnerungen, welche Jahrtausend alte Historie knüpfen sich an diesen Namen! Wo ist der gebildete Mensch Europa's, aus dessen Jugendstudien nicht jene sagenumgürtete Welt herüberklingt, der götterbevölkerte O l y m p , die P e l o p o n i d e n , A g a m e m n o n , des Atreus Sohn, der lanzenschwingende zornige Held; – A i a s der Telamonier; N e s t o r , das dritte Geschlecht der Menschen mit seiner Weisheit beherrschend; – D i o m e d e s , den Kampf mit den Göttern nicht scheuend; – O d y s s e u s mit seinen wunderbaren Fahrten, und endlich der schnellfüssige A c h i l l , unwiderstehlich in der Schlacht und furchtlos im Rat, unbändig in seinem Zorn, mit dem er P a t r o k l o s , den geliebten Jüngling, rettet, und zärtlich in der Liebe zur schönen Sclavin B r i s e ï s und der göttlichen Mutter, der Nereide.

Und dort am meerumgürteten Strande das hohe Ilion selbst, – der mächtige Gipfel