ein, und der türkische Dragoman zog sich im stolzen Bewusstsein seiner Pflichterfüllung zurück.
Auf gleiche Weise entgingen alle Beteiligten der Strafe. Fumagalli und Bassitsch suchten auf der amerikanischen Corvette Aufnahme und Ueberfahrt nach, kapitän Ingraham liess ihnen jedoch sagen, sein Schiff sei nicht für Meuchelmörder eingerichtet. Es war ein e n g l i s c h e s Handelsschiff, die "British Queen," das sich zu ihrer Aufnahme bereit erklärte und sie vorläufig nach England führte.
Die österreichische Brigg "Hussar" war unterdessen durch die Ankunft einer Galeotte verstärkt worden, die sofort Befehl erhielt, sich neben die Brigg zu legen. Die drei Schiffe ankerten gegenüber dem preussischen und österreichischen Consulat in der Entfernung von ungefähr 800–1000 Schritt vom land.
Am Morgen des 2. Juli – es war ein Sonnabend – bemerkte man plötzlich besondere Vorbereitungen auf den Schiffen und vom amerikanischen Consulat aus verbreitete sich die Nachricht, dass es zwischen ihnen zum Kampf kommen werde. Eine grosse Menschenmenge versammelte sich sofort am Ufer und hundert Gerüchte kreuzten sich. Von dem Kanzler Griffit erfuhr endlich Welland Folgendes.
In Folge einer am Abend von Constantinopel zugleich mit der offiziellen Bestätigung der Absetzung Ali Pascha's eingetroffenen Ordre der amerikanischen Gesandtschaft hatte kapitän Ingraham dem Commandanten des Hussar mittelst einer Note angezeigt, dass er die sofortige Auslieferung des amerikanischen Bürgers Costa verlangen oder ihn mit Gewalt holen solle. Die Antwort des Majors Schwarz war die eines ächten Soldaten: Sein amerikanischer Kamerad möge das Holen versuchen, das Nichtabgeben sei seine Sache, es sei denn, dass ihm hierüber Ordres seiner Vorgesetzten zugingen.
In Folge dieser Antwort sah man alsbald die Schiffe sich zum Kampf fertig machen.
Die Corvette zählte ein Dritteil Kanonen und Mannschaft mehr, als die beiden österreichischen Schiffe, die Uebermacht war also auf ihrer Seite und Major Schwarz traf demgemäss seine Anstalten. Er legte sich möglichst nahe dem Feind und setzte seine Mannschaft in Bereitschaft, sofort bei dem ersten Kanonenschuss zu entern. Zugleich liess er den Gefangenen aus seiner Haft holen und erklärte ihm mit männlichem Bedauern, dass er genötigt sei, sein Schicksal an das des Schiffes zu knüpfen. Costa wurde auf dem Mitteldeck an den Mast gebunden und eine doppelte Wache an seine Seite gestellt, die den strengen Befehl erhielt, sobald ein Amerikaner den Bord des österreichischen Schiffes betreten werde, dem Ungar eine Kugel durch den Kopf zu schiessen.
Die Amerikaner, welche einsahen, dass es einen Kampf auf Leben und Tod gälte, da Major Schwarz zugleich erklärt hatte, dass er im Fall des Unterliegens sein Schiff in die Luft sprengen werde, fertigten ihre Testamente aus und sandten sie durch ein Boot an das Land.
Hier wurden unterdessen die Verhandlungen eifrig betrieben. Der amerikanische Consul hatte dem General – Consul von Weckbecker ein Ultimatum überbracht, welches die Entscheidung auf vier Uhr Nachmittags aussetzte. Diese Frist benutzte der preussische Consul, um zu dem türkischen Gouverneur zu eilen und hier einen energischen Protest gegen die in einem neutralen Hafen unerhörte und gegen alles Völkerrecht verstossende Handlung der Amerikaner einzulegen, welche die nahe belegenen Teile der Stadt und die Consulate mit bedeutender Gefahr bedrohte. Ali Pascha tat, als höre er jetzt erst von dem ganzen Vorgang, und schlug vor, bei dem amerikanischen Consul zu protestiren und ihn für alle Folgen verantwortlich zu machen. Erst als ihm entschieden erklärt wurde, dass es seine Pflicht sei, in dem eigenen Hafen dergleichen nicht zu dulden und bewaffnet zu interveniren, erklärte er sich bereit, denjenigen teil zu schützen, welcher sich unter die Kanonen des Kastells legen würde.
Mehrere der Consule traten jetzt zusammen und Herr von Weckbecker willigte darein, um unnützem Blutvergiessen und der Gefahr für die Stadt vorzubeugen, dass bis zur Erledigung des Competenzconflicts durch die beiderseitigen Regierungen Costa dem französischen General-Consulat übergeben werde, das sich zu seiner Detention innerhalb des französischen Lazarets bereit erklärte. Um drei Uhr Nachmittags wurde die Convention unterzeichnet, um vier Uhr ward Costa ausgeschifft und nach dem französischen, von hohen Mauern umgebenen Lazaret gebracht. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich am Ufer und in den Strassen versammelt und begrüsste sein erscheinen mit lautem jubel, die Flüchtlinge schienen halb wahnwitzig in ihren Exclamationen und Freudenbezeugungen. Am selben Abend fand man in einer Strasse die Leiche des Schankwirts Andrea, von vielen Dolchstichen durchbohrt.
Nach zwei Tagen war die Haft Costa's bereits eine sehr milde und es gelang Welland, durch Vermittelung des amerikanischen Consuls eine längere Unterredung mit dem Ungar zu haben, in Folge deren er den Freunden auf dem Pagus mitteilte, dass er zur Abreise bereit sei.
Am 6. Juli führte sie eine griechische Barkasse nach Tenedos und Dardanelli.
Fussnoten
1 Lange Rohrpfeife von Weichsel- oder Jasminholz. Nargileh ist die biegsame Wasserpfeife. 2 Hauptmann der Polizeisoldaten, Khawassen. 3 Die h e i l i g e n S t ä t t e n sind Kirchen (9 an der Zahl), welche an den Orten, wo die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben Christi vorgefallen, erbaut wurden. Der Streit über den Besitz derselben zwischen der römischen und griechischen Kirche, die von Frankreich und Russland vertreten werden, ist sehr alt. Die von Frankreich beanspruchen Anrechte datiren von einer im 16. Jahrhundert zwischen Franz I. und Soliman dem Grossen abgeschlossenen Capitulation, von dem Hattischeriff von 1690 und der Capitulation von 1740; die der griechischen Kirche gründen sich auf andere Dokumente. 4 Die Schlusserklärung seiner Note, die wegen der darauf basirten späteren Kriegsereignisse wichtig ist, lautet: "Dass die Verweigerung einer Bürgschaft für die griechisch