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davon fahren wollten; nur Caraiskakis, mein Herr, war dem Drängen nicht gewichen. Erschöpft warf ich mich auf den Boden nieder und sah nach dem in immer furchtbarerer Herrlichkeit sich entfaltenden Schauspiel zurück, während wir eilig entflohen. Unnütze Eil' – Niemand dachte an unsere Verfolgung, Jeder hatte mit sich selbst genug zu tun. Nach allen Seiten stoben die Schiffe auseinander, wie den Pestkranken die fünf Flammensäulen fürchtend, welche die Nacht zum Tage erhellten. Auf zwei Linienschiffen- gelang es zwar, den Brand zu löschen, zwei andere aber brannten bis zum Spiegel nieder, nachdem man die Pulverkammer unter wasser gesetzt. Rechts und links, nach allen Seiten donnerten die Kanonen der brennenden Schiffe, die sich von selbst entluden, und bildeten nicht die geringste Gefahr für die Flotte. Wir waren bereits am Ausgange des Hafens und näherten uns der Brigg, die uns erwartete, als ein Krachen die Luft zerriss, ärger denn zehn Donner. Das Meer schien sich in Flammenwogen gegen Himmel zu wälzendas Admiralschiff des Kapudana mit all' seinen geraubten Schätzen, mit den Hunderten blutgetränkter Mörder war in die Luft geflogen!

Das Zischen der Brände, der durch die Luft fliegenden Gegenstände, der Erzmassen, die bis weit in's Meer hinaus niederfielen, und die tiefe unheimliche Stille der Nacht, die urplötzlich darauf folgtewar grauenvoll. Wir Alle liessen die Ruder fallen, schlugen ein Kreuz und beteten, dann aber brach einstimmig ein wilder rasender Schrei durch die Luft, aus der tiefsten Tiefe der Brust und jubelnd wurde er von den Genossen beantwortet, die bereits am Bord der Venetia unserer harrten.

Der Kapudan schien das Schiff erst kurz vor dem Auffliegen verlassen zu haben, als es unrettbar sich zeigte. Ein brennender Balken hatte das Boot getroffen und zertrümmert, das ihn zum Ufer führte; seine Leute brachten ihn schwimmend dahin und legten ihn unter einem Felsen niedereine lebendige Leiche, denn seine Glieder waren halb verkohlt! Dort starb er, ohne von der Stelle gebracht werden zu können, am zweiten Tage unter den furchtbarsten Schmerzen. Von der ganzen Besatzung der Siegesfahne retteten kaum Zweihundert das Leben.

Gott ist gerecht!"

Eine tiefe Stille war rings umher, als der Kameeltreiber seine furchtbare Erzählung schloss. Der Räuber, der Bandit war vergessennur der Held, der Palikare stand vor ihnen, dessen Hand Chios gerächt.

Das eben ist das Eigentümliche des griechischen Volkes, die erhabene Opferung, das antike Heldentum für die Freiheit, bei der tiefen sittlichen Versunkenheit seiner Lebensgewohnheiten und seines Tuns und Treibens! feurige glühende Diamantenstrahlen unter dem verächtlichen Schmutz der Falschheit, des Lasters und der Gemeinheit.

Welland erhob sich und drückte schweigend dem Freund und dem Räuber die Handdann schied er, von Mauro und einem der Männer zurückbegleitet. Wie anders trat ihm hier die idee der Revolution, der Erhebung des volkes zum Kampf für die Freiheit entgegen, als dies früher im vaterland der Fall gewesen! – Ein unheimlich beschämendes Gefühl überkam ihn bei der Erinnerung.

Doctor Welland hatte mehrfache Gründe, die entwicklung der CostaAngelegenheit abzuwarten und wollte unter allen Umständen seinen Weg nach Constantinopel nicht fortsetzen, ohne nochmals den Versuch gemacht zu haben, denselben zu sprechen.

Da Gregor bei dem, was er beschlossen, der Hilfe des Freundes bedurfte, verschob er gleichfalls die Verfolgung des Briten bis zur gemeinschaftlichen Abreise, die nach dem Rache des mit allen smyrnaer Verhältnissen so wohl vertrauten Räubers mit einem der vielfach kreuzenden griechischen Handelsschiffe geschehen sollte.

Die Vorgänge in Smyrna hatten unterdessen ihren weiteren historisch merkwürdigen Verlauf genommen. Die mehrfachen Klagen der Consuls und Gesandten bei dem Divan über die Untätigkeit und Unfähigkeit des gegenwärtigen Gouverneurs von Smyrna, Ali Pascha, hatten in Constantinopel endlich Früchte getragen, und die Nachricht seiner Absetzung traf in Smyrna ein, vorangehend seinem Nachfolger Ismael Pascha, der den Ruf eines energischen, zuverlässigen und wortgetreuen Mannes genoss. Das Ende des laufenden Gouvernements sollte aber noch durch verschiedene Akte der gränzenlosen Schwäche und Apatie bezeichnet werben, welche, verbunden mit Tyrannei und Willkür, die Regierung der türkischen Provinzen charakterisiert.

Die Namen der Mörder des jungen Hackelberg waren bereits am anderen Morgen in ganz Smyrna bekannt; mehrere Tage gingen sie frei und triumphirend mit ihren Genossen durch die Strassen, und als endlich der General-Consul von Weckbecker so weit sich vor den persönlichen Gefahren gesichert hatte, um die Pflichten seines Amtes erfüllen zu können und von Ali Pascha die Verhaftung der Mörder verlangte, war Fumagalli verschwunden, von Bassitsch aber verlautete, dass er in Diensten des englischen Predigers Louis sich befinde. Der erste Dragoman des Pascha begab sich daher zur Verhaftung des Ungars zum englischen Consul, der ihm auch den freien Zutritt in das Haus des Predigers Louis gestattete. Dieser erklärte jedoch nach vielfach versuchten Ausreden, dass sein Diener allerdings noch bei ihm sei, aber vorgebe, unter a m e r i k a n i s c h e m Schutze zu stehen, er könne ihn also nur dem amerikanischen Consul ausliefern. Anstatt sich nun unter allen Umständen des Meuchelmörders zu versichern, begab sich der Dragoman zum amerikanischen Consul, der unbedingt Bassitsch für einen amerikanischen Bürger erklärte, endlich aber nach vielem Hin- und Herreden seinen Kanzler Griffit zur vorläufigen Verhaftung des Mannes mit zum Prediger Louis sandte. Dort erhielten sie die Mitteilung, Bassitsch kleide sich eben um; als man aber dessen Zimmer öffnete, war es leer. Herr Louis behauptete, das Verschwinden sei ihm unerklärlich und höchst wunderbar, der Kanzler Griffit stimmte hierin