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das die Türken mit Gelag und jubel zu feiern pflegen. So war es auch diesmal. Als der Abend auf See und Land fank, kappten wir die Anker und liefen auf Tschesme zu. Schon in weiter Ferne konnten wir den jubel hören, der von den Schiffen durch die Nacht drang, die Feuer schauen, die am Ufer brannten.

Das Schiff, auf dem Dein Vater selbst das Steuer führte, war mit zwanzig Mann besetzt, die übrige Mannschaft auf die beiden andern verteilt. Die strengsten Befehle waren gegeben. Jeder stand auf seinem Posten.

Am Eingang des Hafens wurden die Segel eingezogen, so lagen wir, wie der Tiger auf seine Beute lauert, bis nach und nach auf den türkischen Schiffen Alles verstummt war. Es war zwei Uhr nach Mitternacht, als eine Rakete von unserm Schiff das Zeichen zum Angriff gab. In wenig Minuten flatterten alle Segel im Winde und die drei Schiffe fuhren grade auf die Flotte hinein. Zugleich wurde das am weitesten links in Brand gesteckt und die feurige Lohe, an dem Tauwerk emporleckend, flammte hoch auf gegen den Nachtimmel.

Es war ein furchtbar schönes Schauspiel, als wir das brenende, flammende Schiff auf die dunklen massen vor uns einstürmen sahen. Während ringsum sich der Lärm der Gefahr erhob, Trommeln wirbelten, der Ruf der Führer die trunkene wüste Mannschaft weckte und wildes Geschrei von Bord zu Bord scholl, fuhr das Boot an uns vorüber, das die Mannschaft des entzündeten Branders trug. Sie hatten meiner Meinung nach zu früh gezündet, ehe sie mitten zwischen den Schiffen waren, sonst hätte das Verderben noch riesiger sein müssen. Jetzt gab Caraiskakis das Signal für das zweite Schiff, und in wenig Augenblicken flammte seine Feuersbrunst empor und der Brander trieb mitten zwischen zwei Linienschiffen, die in kurzer Zeit von seinen Flammen erfasst waren. Das Geheul, das Geschrei war furchtbar und überdröhnte den Donner der von allen Seiten gelösten Schüsse. Die Schiffe hieben die Ankertaue durch und suchten das Meer zu gewinnen, eines das andere mit vollen Lagen begrüssend, wenn man sich gefährdend zu nahe kam. Vier Linienschiffe standen in vollen Flammen, eben so mehrere kleine Fahrzeuge. Eine der brennenden türkischen Galeeren wurde von der 'Siegesfahne' mit einer einzigen Salve in den Grund gebohrt, als das brennende Fahrzeug dem Admiralschiff zu nahe kam.

Das aber war die Beute, die wir uns ausgesucht. Wie der Dieb in der Nacht waren wir im Dunkel herangekommen, dicht an der linken Batterie des Schiffes, ehe man uns bemerkte und anrief. Caraiskakis stand am Steuer, ich seines Winkes gewärtig mit der brennenden Lunte an der Hauptluke, die Mannschaft mit Haken und Seilen im Tauwerk. So fuhren wir auf, und im Nu waren die Enterhaken in dem Strickwerk des Feindes, die Taue geknüpft und eine Kette geworfen und am Bugspriet befestigt, dass wir unauflöslich an dem grossen Koloss hingen. Zugleich flammte der Haufen Maisstroh empor, den ich in den Luken und unter den Wänden des Schiffes aufgetürmt hatte. Wie ein Blitzstrahl leckte die Flamme empor und lief an den Tauen und Segeln in die Höhe, dass bald Alles ein Feuerbogen war. Die Verwirrung, das Geschrei auf dem Schiff des Kapudana waren furchtbar. Er selbst war ein tapferer Mann, wenn auch ein Teufel in seiner Grausamkeit. Ich sah ihn auf der Puppe seines Schiffes stehen, wie er unerschrocken Befehle erteilte und die Rasenden, in Furcht Verzweifelnden antrieb, die beiden Schiffe zu lösen. Caraiskakis und die Mannschaft waren bereits im Boot und riefen mir zu durch den Höllenlärm ihnen zu folgen, aber ich vermochte es nicht, mein Auge, mein Herz schien gebannt an das furchtbare Schauspiel, das sich rings um mich entwickelte. Zwei Mal hob ich das Pistol und zwei Mal traf meine Kugel die Offiziere, die sich an unsern Bord gewagt, um einen Versuch zum Absteuern der Schiffe zu machen. Dann sprang ich zur hintern Luke, von der ein Zünder gelegt war bis hinunter zur Pulverkammer. Ich schien mir selbst mehr einer der höllischen Dämonen, denn ein Mensch. Auf dem Schiff der Moslems wuchs die Verzweiflung mit jeder Minute, Viele sprangen in das Meer, um sich zu retten, Andere, darunter der Kapudan selbst mit eigener Hand suchten die Boote auf's wasser zu bringen; jede Disciplin, jeder Gehorsam waren geschwunden, – was da auf dem Schiff atmete, und es sollen ihrer, mit den Fremden zum fest, zweitausend zweihundert und sechs und achtzig Seelen gewesen sein, dachte nur an die eigene Rettung.

Da schien der Augenblick gekommen und meine Hand hielt ohne zu zucken, den Feuerbrand an die Leitung, die zum Pulver führte, dann sprang ich auf der andern Seite des Schiffes über Bord und versank in's Meer. Noch ehe ich wieder empor kam, hörte ich ein dumpfes Dröhnen über meinem haupt, und als ich auftauchte aus den Wellen, da stob und regnete es um mich her aus den Lüften, Flammen und Balken, Trümmer, brennende Segelstücke und zerbrochene Spieren. Wie durch ein Wunder entkam ich der Gefahr, und um mich blickend, sah ich das Admiralschiff, jetzt ein grosser unrettbarer Flammenberg.

Ich wusste die Richtung unseres Bootes und schwamm darauf zu, aber es kümmerte mich wirklich wenig, ob ich es erreichte oder nicht, so stolz war ich in dem Gefühl der vollbrachten Rache. Doch die Hand der Heiligen war über mirbald stiess ich auf die Freunde, die mit Angst meiner harrten und schon, mich verloren gebend,