mehrere Personen, unter Anderen dieser Mann. Nochmals also meine Entschuldigung und viel Amüsement. – Allons!"
"elf Uhr – der Bahnzug geht ab!" –
"Was sollen die Albernheiten? – für Bicêtre1 können Sie Ihre Manöver später machen. Mich täuschen Sie nicht. Marsch!"
Ein leiser Schauer schien durch die Glieder des Fürsten zu laufen, als er von zwei Agenten an den Armen gefasst und fortgeführt wurde. Er folgte willenlos, – sein starres Auge wandte sich nicht einmal zur Seite, – unter der Tür hörten die Zurückbleibenden nochmals seine stimme:
"elf Uhr – der Zug geht ab!" –
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Als die Lorette von der Geleitung des Commissairs erschöpft, aufgeregt zurückkehrte, lag Nini ohnmächtig im Arm ihres Bruders.
Fussnoten
1 Ein grosses pariser Armenhaus, zugleich I r r e n a n s t a l t für Männer.
Die Massacre auf Chios.
Der Mond warf seinen klaren durchsichtigen Schein auf Berg und Meer. Dasselbe silberbleiche Licht erhellte die Ruinen des genuesischen Forts auf der Höhe des Pagus von Smyrna, das seinen kalten herzlosen Strahl auf das Märtyrertum Stephana's in den Bergen der Zenta warf.
Wo die Ruinen sich nach dem Meer zu öffnen, das mit seinem ewig schwellenden Busen in jenem Silberschein unruhig zu träumen schien, lag die Bande des Räubers gelagert, der Smyrna beherrschte: auf einer Marmorquader Gregor Caraiskakis; an seine Knie gelehnt, trauernd aber vertrauend zu ihm emporblickend Diona, in deren reichen, nur von einer Spange zusammengehaltenem Rabenhaar die Hand des Bruders spielte. Vor ihnen der Kameelführer und Welland, der treue Freund. Nur wenige Schritte davon schürte Mauro ein kleines tönernes Kohlenbecken, aus dem er von Zeit zu Zeit seinem Oheim oder dem Doctor eine glimmende Kohle reichte, mit der sie ihren Schibuk1 in Brand erhielten. Es ist eine der Liebhabereien der Orientalen, häufig Holzkohlen für ihren Pfeifenkopf zu nehmen, gleich wie die Europäer wiederholt ihre Cigarren anzünden, und Jeder trägt daher im Gürtel eine besondere Kohlenzange in der Scheide bei sich.
Etwas weiter, rings um die Gruppe, aber doch im Bereich des Gesprächs, lagerten die Genossen des Räubers.
Welland hatte bei seiner Ankunft Besseres gefunden, als er nach den Vorgängen der Nacht und den Mitteilungen des Freundes hoffen durfte. Eine schwere beichte des Mädchens hatte stattgefunden, aus der sie jedoch weniger schuldig, als es geschienen, hervorgegangen war. Sie hielt sich für Sir Maubridge's Gattin und nur als solche war sie ihm gefolgt, nachdem in der Nacht vor der Flucht der britische Viceconsul eine Art von Ceremonie vorgenommen, die ihr Liebhaber für genügend und bindend erklärte, und die das Mädchen in ihrer Unbekanntschaft mit den europäischen Gebräuchen und von leidenschaft verblendet, gleichfalls dafür ansah. Bei der Kenntniss, die Gregor bereits von dem Charakter und Treiben des Beamten erlangt hatte, tauchte freilich sofort der Argwohn in ihm auf, dass die Schwester nur das Spiel eines unwürdigen Betrugs gewesen sein könne, und er beschloss mit dem Freunde, sich vorerst darüber Gewissheit zu verschaffen und wo möglich Sir Maubridge selbst zur Rede zu stellen. Der Ceremonie, die, wie Diona ihm mitteilte, einfach nur in Vorlesung und Unterzeichnung einiger in der ihr unbekannten englischen Sprache abgefassten Papiere und in dem Tausch von Ringen bestanden, hatte ausser dem Schreiber des Consuls nur ein alter Matrose, derselbe, den Mauro in der Villa so rechtzeitig aus dem Fenster stürzte, bei gewohnt. Auf die Versicherung Gregor's, sich friedlich und ohne Hass an ihren Gatten wenden und nur die öffentliche Anerkennung ihrer Ehe erzwingen zu wollen, hatte sie ihm vertraut, dass sie Beide am Morgen mit der Felucke nach Tenedos oder Dardanelli hatten abgehen wollen, um dort einige Zeit zu verweilen, da Maubridge Freunde und einen Bruder auf der englischen Flotte hatte. Die Nachricht von dem tod ihrer Mutter warf einen trüben Schleier über die neuen Hoffnungen der jungen Frau und träumend und stumm, aber vertrauend auf den Bruder, sass sie an dessen Knie und horchte nur wenig auf das Gespräch der Männer, an den geliebten Verführer denkend, von dem Mauro die Kunde gebracht hatte, dass er nach einer Fahrt nach Smyrna am Morgen, wirklich am Nachmittag mit der Felucke abgesegelt sei. Der Consul hatte sich noch am Vormittag zu dem Pascha begeben, um energische Reclamationen wegen des Ueberfalls und des Niederbrennens seines Landhauses zu erheben und Jan Katarchi wusste durch seine Spione, dass Ali Pascha sofort Befehle erteilt, Streifzüge gegen die Räuber zu unternehmen. Doch Jan spottete derselben, da er einesteils selbst unter den Khawassen des Paschaliks gute Freunde zählte, teile sie im schlimmsten Fall nicht zu fürchten brauchte. In der Tat war die Schaar, die damals die Polizeimannschaft von Smyrna bildete, nicht viel besser als die Räuberbande selbst, mit Ausnahme der Khawassen der Consulate, die ernste tapfere Männer sind; jedenfalls war sie zerlumpter und schlechter bewaffnet und disciplinirt als die Räuber und der Khawass-Baschi2 keineswegs sehr geneigt, sich mit der gefährlichen Jagd auf den kühnen Kameeltreiber stark zu befassen. –
Die Gruppe an den Ruinen des Forts im Mondlicht gewann durch das schöne Bild der jungen Griechin einen besonderen Reiz. Unter der reichen in den unterirdischen Gewölben des Forts nutzlos zusammengehäuften Beute hatten sich genug weibliche Kleidungsstücke gefunden, um Diona die Mittel zu geben, vollständig in jenem schönen malerischen Costüm zu erscheinen, das die griechischen Frauen und Mädchen, die noch nicht die französische Mode nachgeäfft haben, so wundervoll kleidet. Diona bot den vollen Typus der griechischen Schönheit,