verlassen und Jean hat mich hierher gebracht, und als ich Dich vor acht Tagen im Jardin des plantes traf, da ich gerade die närrischen Bären fütterte, und Du Dich der kleinen Nini erinnertest, ei, da war ich ganz glücklich, denn mit Dir, Celeste, kann ich doch von so Vielem plaudern, was ich selbst Jean nicht sagen mag, obschon er nicht müde wird, mich anzuhören und immer sagt, ich wäre seine Plaudertasche."
Die ältere Freundin wiegte schmerzlich sinnend den Kopf.
"Ich glaube Dir, er liebt Dich von Herzen – doch wie hätte Treue und Neigung bei Männern Bestand. Nur der Genuss ist das einzige Sichere, und den gilt es festzuhalten. Du wirst noch manche schlimme Erfahrung machen, Kind! Was soll aus Dir werden, Dein Starost oder Graf, was er nun sein mag, kann Dich doch nicht ewig lieben?"
"Rede nicht so, was kümmert uns die Zukunft, die ist noch weit! – Jean hat mir gesagt, er solle eine Prinzessin heiratchen, aber er wolle nicht und werde mich lieben, so lange er lebe. Wer will ihn auch zwingen; bah! da kennst Du ihn schlecht. Wenn's uns in Paris nicht mehr gefällt, ei so gehen wir auf Reisen, er hat mir's versprochen, und weisst Du, Celeste, ich nehme Dich mit. Aber wo bleibt der schlechte Mensch, weiss Gott, es ist ja gleich halb elf und schon vor einer Stunde sollten wir auf dem Wege sein."
Die Tür wurde aufgerissen, bleich und hastig, vom raschen Lauf aufgeregt, stürzte ein junger Mann in's Zimmer, – I w a n , der Fürst. Mit einem Sprung war das Mädchen an seinem Halse.
"Böser Jean, Du sollst nicht einen einzigen Kuss erhalten. So lange uns warten zu lassen und den ganzen lieben Tag nicht ein einziges Lebenszeichen von sich zu geben. Ich habe mich wahrhaftig geängstigt um Dich, böser Mensch, und wollte es nur vor Celeste nicht zeigen. Gleich geh' und küsse ihr die Hand für Dein unartiges Ausbleiben."
Der Fürst schob sie liebevoll zurück, nachdem er sie auf die Stirn geküsst, dann warf er sich erschöpft auf das nächste Sopha. Celeste war aufgestanden und sah überrascht sein aufgeregtes Wesen, auch Nini, die sich auf seinen Schooss gesetzt hatte und ihm die Haare aus dem Gesicht strich, bemerkte jetzt seine Zerstreuung.
"Was fehlt Dir, mein Freund, Du bist so seltsam? – Willst Du den Domino nicht nehmen, es ist hohe Zeit"
"Du wirst allein gehen müssen, Nini, ich kann Dich nicht begleiten."
"Fi donc, was sind das für Dummheiten? Willst Du mich foppen?"
Der junge Mann drückte sie an sich.
"Gewiss nicht! Aber ich kann Dich nicht nur nicht begleiten, Nini: wir müssen uns auch trennen, – ich fürchte, auf lange Zeit, – ich verreise."
Das Mädchen wurde leichenblass und fuhr mit den Händen nach dem Herzen. Erst jetzt fühlte sie, wie teuer ihr der war, den sie bisher wie einen gewöhnlichen Liebhaber betrachtet hatte.
"Jean, ich bitte Dich, mache mir nicht unnütze Angst!"
Sie faltete stehend die hände.
Geberde und Worte waren so einfach aufrichtig, so überzeugend bei dem sonst nur Scherz und lachen kennenden Mädchen, dass der Fürst sie in seine arme riss und sie ungestüm und lange an sein Herz gedrückt hielt.
"Nini! teures liebes Mädchen, liebst Du mich wirklich so innig, dass mein Scheiden Dir solchen Schmerz machen würde?"
Ihr zierlicher Kopf lag an seiner Brust, sie schaute ihn schluchzend an.
"Jean! – Verlass mich nicht!"
Sie presste den Mund an sein Ohr und flüsterte errötend, zitternd ein süsses Wort ihn zu.
Liebe, Glück, Verzweiflung wogten in der Brust des jungen Mannes, wie er die Geliebte umschlungen hielt. Die Aussenwelt um sie her war verschwunden – sie bemerkten nicht einmal, dass sie nicht allein waren, denn Celeste war – die unerwartete Scene ehrend – zwischen die seidenen Vorhänge des Fensters getreten.
Da weckte die prächtige Bronce-Uhr auf dem Kamin die Liebenden. Sie schlug Halb.
Der Fürst raffte sich empor und mit Gewalt aus den Armen des jungen Mädchens.
"Höre mich, Nini, und ich bitte Sie, Madame, einen Augenblick für diese arme Kleine, die zu aufgeregt und unerfahren ist, mir Ihre Aufmerksamkeit zu widmen."
Celeste trat näher.
"Ich weiss, Sie sind ihre Freundin schon aus der früheren Jugend. Darf ich hoffen, eine aufrichtige?"
"Meine Hand darauf. Sprechen Sie!"
"Ein ganz unerwartetes, dringendes Geschäft zwingt mich, – vielleicht zum Glück für uns Beide, – auf der Stelle abzureisen, so dass selbst Dispositionen, die ich für einen anderen drohenderen Fall bereits getroffen hatte, unnütz werden. Bei Gott dem Allmächtigen, ich liebe das Mädchen unaussprechlich, und werde sie nie und nimmer verlassen um meines eigenen Glückes willen. Aber ich weiss nicht, ob ich für lange Zeit oder je werbe nach Frankreich zurückkehren können."
Nini schluchzte an seiner Brust.
"Beruhige Dich, Kind. Liebst Du mich wie ich Dich, so wird Nichts uns trennen. Hier in dieser Brieftasche sind einstweilen ungefähr zehntausend Franken in Bankscheinen, – ich habe augenblicklich nicht mehr bei mir, doch wird