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! 4 Die Nahia von Glubotina oder RietschkaNahia, der mittlere teil von Czernagora, der an der Mündung des Czernojewitsch und der Moratscha das nördliche Ufer des Skadar-Sees begränzt und die wildesten Berggegenden entält, zählt fünf Stämme: die Lubotini, die Kozieri, die Zeklini, die Dobarski und die Gradjani. Das Tal der Moratscha zwischen Zabljack bis Podgoritza heisst die Zenta. 5 Schicksal. 6 Czarew-Laz (des Kaisers Abhang), wo 1712 ein Heer von 50,000 Mann unter Achmed Pascha von den Kriegern der schwarzen Berge fast gänzlich vernichtet wurde. 7 Benenuung aller serbischen Stämme der Küstenländer. 8 Türkenfrau. 9 Dergleichen Abscheulichkeiten sindhistorischleider noch im letzten Kriege vorgekommen. Wir erzählendie Feder versagt fast den DienstTatsachen! 10 Gemeinde.

Lorette und Grisette.

Wir haben Fürst Iwan auf dem Place de la Madeleine am Abend des 5. Juli verlassen, indem er der Fürstin, seiner Schwester, seine Ehre verpfändete, noch vor elf Uhr auf dem Nordbahnhof zu sein.

Aus den finsteren blutgetränkten Bergen Czernagora's führe ich darum den Leser zurück in das bunte, glänzende, vergoldete Leben der modernen Weltstadtnach Paris. –––––––––––––––––––––––––––– ––––––––––––––––––––––––––––

In einer jener Strassen, welche die Rue Montmartre mit der Rue Montorgueil und Poissonnière verbinden, in der Rue St. Josef No. 10, entielt der zweite Stock eine kleine, aus einem Vorzimmer, Salon und Schlafgemach mit einer Mädchenkammer bestehende wohnung, die mit einer gewissen überladenen Eleganz und jenem Luxus eingerichtet war, welcher mehr als alles Andere beweist, dass der Besitzer oder die Besitzerin nicht in der Gewohnheit des Reichtums geboren sind, und dass es ihnen an jenem guten Geschmack fehlt, der das Erbteil der Geburt oder der Erziehung ist, und das Gold des Luxus mit der Noblesse der Einfachheit zu verbinden versteht. Verschiedenartige und überzahlreiche Möbel, vielfarbige Teppiche, Spiegel, Kunstgegenstände und Nippsachen ohne Auswahl füllten den Salon, in dem in diesem Augenblicke zwei Frauen sich befanden, beide jung, beide schön, beide Kinder des Pariser Lebens, Tagfalter der Jugend, wie sie dahin flattern von Lust zu Lust, von Blüte zu Blüte, bis der schöne Farbenstaub der Flügel verwischt und verschwunden ist und sie untergehen und verschwinden in den Wogen jenes Lebens voll Sorglosigkeit, Leichtsinn und Vergnügen, das zum Ersatz täglich tausend neue Schmetterlinge gleich ihnen entpuppt.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten herrschte doch viel Abweichendes, Verschiedenes im Wesen der beiden Frauen.

Im damastbekleideten üppig weichen Fauteuil ruhte eine Frau von hoher junonischer Gestalt, etwa zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Jahre zählend, blond, von jener Farbe, die man cendré nennt, der Teint dem entsprechend sein und leicht gerötet. In dieser Mattigkeit der Farbe und der Augen lag dennoch eine gewisse Genusssucht, eine Unbezähmbarkeit des Verlangens, die sich auch in der Bildung des Kopfes an den Organen der Selbstliebe und der Eitelkeit ausprägte. Damit ganz eigentümlich verbunden schien die Empfindung für das Seltsame, Wunderbare und das im Bau des Kinns ausgesprochene Vermögen einer raschen Entschlossenheit, das mit der gewöhnlichen letargischen Genussliebe der Schönen einen seltsamen Contrast bildete. Ein schweres Faltenkleid von Rosa Moirée mit schwarzen Spitzen garnirt, und ein weisser nachlässig im Sitzen zusammengedrückter halber Dominomantel von weisser Wolle umhüllten die schöne Gestalt. Die seinbehandschuhte Hand, über welcher mehrere kostbare Bracelets den schönen Knöchel umschlossen, spielte mit einer halben Sammetmaske und dem Fächer.

Zu ihren Füssen auf einem gestickten Tabouret hockte in halb possierlicher und doch allerliebst graziöser Stellung ein junges Mädchen von höchstens achtzehn Jahren im eleganten doch sehr legere getragenen Kostüm der Débardeurs, während ein dunkler Herrendomino auf dem Sopha zur Seite lag. Die Kleine, gleichfalls noch ohne Maske, qualmte aus den frischen, überaus keck und heiter aufgeworfenen Lippen eine spanische Cigarre, deren Dampf ihre grosse Gefährtin von Zeit zu Zeit widerwillig mit den Federn des Fächers zurückwehte. Es war ein lustiges keckes Leben in dem zierlichen Gesichtchen, Laune und Eigenwille in den braunen Augen, dabei das Organ des Mitgefühls und der anhänglichkeit in der Rundung des Hinterkopfs stark ausgeprägt.

"Dein Cavalier bleibt lange, N i n i " sagte nachlässig die Grosse. "Es wird elf Uhr, bevor wir nach dem Jardin Mabille kommen!"

"N'import! was machen wir uns daraus! Wir bleiben desto länger. Weisst Du, C e l e s t e , Du bist recht töricht, dass Du immer die vornehme spielst und so zeitig fortgehst. Man muss das Vergnügen bis auf den Grund studiren."

Die Lorette warf ihrer Freundin durch die matt geöffneten Augenlider einen halb verächtlichen blick zu, gleich als wolle sie sagen: Törichtes Kind, was weisst Du! – Der auf ganz andere Neigungen schliessen lassende Mund aber sprach:

"Das verstehst Du nicht, das ist nicht Sitte in der bessern Gesellschaft, und ich ärgere mich jedes Mal über Dein ungenirtes Wesen, wenn wir zusammen an öffentlichen Orten erscheinen."

"Bah! Warum gehst Du da mit uns? Freilich ist's noch nicht lange und erst seit Dir Dein Protecteur untreu geworden. Weisst Du, Celeste, ich habe schon gedacht, Du hättest Dich seit den acht Tagen, dass Du mich wieder besuchst, nur darum zu mir gefunden, um mir Jean zu entführen."

Wiederum traf ein ähnlicher blick die Kleine.

"Meinst Du denn, wenn mir's Ernst wäre, ich würde es nicht zu stand bringen?"

"O, Jean ist treu, er liebt mich wirklich; es ist