zu schwer verletzt worden, um sich von der blutigen Stätte des Kampfes fortschleppen zu können, unterbrach die Stille um die Ruinen.
Der alte Beg, die treue Flinte zwischen den Beinen, sass auf einem Stein; das Mondlicht, durch eine der Oeffnungen hereinbrechend, überglänzte das narbenbedeckte wilde Antlitz. Der Hieb Fatinitza's war durch den dicken Bund des Turbans gebrochen worden und hatte nur schräg seine Stirn getroffen, von der unter der umgelegten Binde dicke Blutstropfen hervorquollen und das Gesicht durchfurchten, ohne dass er sich die Mühe gab, sie zu trocknen. Sein eines Auge, von dem überstandenen Kampfe entflammt, blitzte feurig umher.
"Bei den Gebeinen der heiligen Märtyrer von Ostrog, wir haben diese Hunde zurückgejagt, wie unsre Väter am Berge Perjnick6 den stolzen Seraskier jagten drei Sonnen lang. Die Wila's würden uns sicher zum Sieg verhelfen, wenn der böse Geist nicht das Weib unter sie geführt hätte mit dem schlimmen blick. Mir ahnet Böses, Khan Hassan Lekitsch!"
"Ich spucke auf diese Weiber!" sagte der Moslem verächtlich. "Möge dass Grab ihrer Mütter besudelt werden, sie haben einem mann noch nie Gutes gebracht. Es ist unser Schicksal, Beg."
"Du irrst, Khan," meinte der Glaware, "nur die Frauen mit dem bösen blick bringen Unheil, die guten haben uns die Wila's zum Segen gegeben und wir ehren die Mutter unserer Kinder. Die Ungläubigen freilich geben ihnen nur halbe Seelen. Reiche mir das grosse Horn, Zagartschane, das meine ist leer und die Waffen müssen bereit sein."
"Was meinst Du, Vater?"
"Das Horn, das grosse Horn mit dem Pulver, das Bogdan Dir gegeben hat, der es trug," sagte der Alte ungeduldig.
"Um Gott, – Bogdan hat mir Nichts gegeben, – ich habe das Horn nicht!"
Der Greis sprang empor. – "Das Horn! das Horn!" rief er wild. "Unser Leben hängt von dem Pulver ab!"
Alle suchten ängstlich umher und befragten sich gegenseitig – das Stierhorn mit dem Pulvervorrat des Alten fehlte, – Bogdan, der es getragen, hatte in der Eile der Trennung vergessen, es mit der Flinte an Gabriel zu geben. Die Männer, die noch vor wenigen Minuten dem wilden Feinde kühn in das Weisse des Auges geschaut, sahen sich erbleichend an – es ist etwas Furchtbares selbst für den Tapfersten, in der Stunde der Gefahr sich der Waffe beraubt zu sehen.
"Wie viel Pulver haben wir noch?"
Man sah nach – zwei der Flinten, die Gabriel's und Jowan's, waren noch geladen, auch ein Pistol entielt noch den Schuss – die Pulverflaschen des Griechen und des Moslems waren leer.
Der Beg stützte finster das Haupt in die Hand.
"Mein eigen Blut ist mein Verderben, – der greise Adler der schwarzen Berge hat die Krallen verloren, er ist ein Kind in der Hand seiner Feinde!"
Und wie antwortend hoch über ihnen klang ein Rabenschrei durch die Luft und das Echo des Felsens trug ihn nieder.
Der Beg und Gabriel richteten sich empor, ihre Augen schienen das Dunkel durchbohren zu wollen, die Nerven ihres Gehörs gespannt, wie sie, dem Wilde gleich, das den Jäger wittert, durch die Nacht lauschten.
Und wieder – aber leiser und näher klang der Schrei des Raben.
Gabriel warf sich an die Brust des Freundes, der alte Primore7 schwang jubelnd die Flinte um das Haupt.
"Stephana! das ist Stephana – das treue Weib! – Sie haben unsere Not erraten, sie bringt uns das Pulver!"
Da krachte in der Nähe ein Schuss – wildes Geschrei auf allen Seiten – über die Berghalde flog eine weisse Gestalt in rasendem Lauf nach den Schatten des Turmes zu – an dem Eingange harrten die Freunde und rissen mit blutenden Fingern Balken und Steine zur Seite.
"Stephana!"
"Gabriel!"
Aber aus den Schatten rings umher, gleich Gespenstern, tauchten die dunklen Gestalten der Albanesen auf allen Seiten empor, zwischen ihr und den rettenden Mauern, – ein wilder verzweifelter Schrei, und in den rohen Armen der Männer wand sich die treue Czernagorzenfrau.
"Hinaus! Rettet mein Weib!"
über die eigene Verschanzung empor klimmten die Verfolgten. Ihnen entgegen donnerte eine Salve der Türken – weit aus breitete der wackere Hassan Lekitsch die arme und drehte sich rund um sich selbst, ehe er zu Boden stürzte.
"Kismet! – Lebt wohl Ihr Brüder – die Houri's des Paradieses winken mir!" – so starb er.
Der Beg riss Gabriel und den Griechen zurück.
"Ein Weib für fünf Männer – und ob es der eigene Saamen ist, das Hochland bedarf seiner Krieger!"
Er warf sich vor die Oeffnung, die Anderen zurückwehrend. Gabriel verhüllte das Gesicht, vor Schmerz wild aufstöhnend. –
Stephana, das treue Weib, das den Freunden das zurückgelassene Pulver bringen wollte und das Dunkel des untergehenden Mondes abgelauert hatte, wurde auf den Armen der Moslems zurückgeschleppt zu den Füssen der Wölfin von Skadar. In ihrem Gewande fand man das Pulverhorn, das sie in die hände der Feinde geliefert.
"Wer bist Du, Weib?"
"Stephana Zagartschana, des Mannes Frau, den Ihr schmählich gefesselt hieltet in Skadar." "So bist Du das Weib des Flüchtigen, der meinem Vater entronnen?" "Du sagst es, blutige Bula8.